mittwoch, 30. april 1997:

escondido: besuch sea world


weil das "sea world" in der nebensaison erst um zehn uhr aufmacht, geniessen wir nach dem frühstück nochmals das schwimmbad. kurz nach zehn uhr sind wir dann im park. am eingang erhält man einen übersichtsplan mit den aktuellen zeiten der verschiedenen shows. abhängig vom zeitpunkt der ankunft wird ein vorschlag für einen optimalen tagesablauf aufgedruckt. wir starten mit der "otter and sea lion show". die story ist dieselbe wie im herbst 1995, aber der ablauf wird durch die launen der tiere immer wieder etwas verändert. die beiden schauspieler müssen schlagfertig sein und auf ungewohnte situationen reagieren können. oft ist es allerdings schwierig abzuschätzen, ob das nun eine geplante panne war oder nicht. neben den beiden menschen spielen ein fischotter, zwei seehunde und ein seeelefant mit. wir amüsieren uns köstlich und versuchen gleichzeitig, daniel zu erklären, was die leute reden und worum es überhaupt geht.

bevor wir zur hauptattraktion - der shamu show - gehen, besuchen wir die "shark encounter". in einem grossen aquarium tummeln sich zahlreiche haie, stachelrochen und andere meeresbewohner. besonders beeindruckend ist der gang - bzw. die fahrt auf dem rollband - durch einen glastunnel. rundherum gleiten haie durch das wasser. der anblick "von unten" ist nur bedingt etwas schönes, ihre zähne scheinen in allen richtungen aus dem halbgeöffneten mund zu ragen. hoffentlich hat der ingenieur beim berechnen der glasdicke keinen komma-fehler gemacht ! wir erreichen glücklich und unbeschadet das ende des tunnels und sind wenig später wieder am tageslicht. nun geht es zur "shamu show". da es nicht unser erster besuch im "sea world" ist, wissen wir, weshalb die untersten vierzehn reihen "soak area" heissen. weise wählen wir sitzplätze in der sicheren sechzehnten reihe. auf einer riesigen leinwand werden fragen rund um die orcas gestellt. das publikum kann mit handzeichen antwort geben. das ganze wird mit fernsehkaremas live auf der leinwand übertragen. gespielt wird erwachsene gegen kinder. wer die fragen aufmerksam verfolgt, bemerkt bald, dass bei den kinder-fragen stets beide antworten richtig sind. das spiel geht auch heute null zu hundert prozent zu gunsten der kinder aus. dann werden die leute in der "soak area" nochmals ausdrücklich gewarnt, dass sie bald bis auf die knochen nass sein werden und dass sie ihre kameras besser jetzt noch in sicherheit bringen sollen. nun geht es los. eingebettet in einen leicht wissenschaftlichen vortrag einer aussergewöhnlich hübschen forscherin per leinwand beginnt die show. die orcas zeigen, wie schnell sie schwimmen und wie hoch sie springen können. bereits werden die ersten leute klatschnass. kinder von zahlreichen schulklassen pressen sich gegen die glaswand des beckens, um möglichst viel wasser über sich ergiessen zu lassen. die hohen wellen ausgelöst durch die kräftigen schwanzflossen spülen sie fast weg. sie kreischen und freuen sich riesig. nun reitet ein pfleger auf shamu. er steht auf seinem rücken wie auf einem surfbrett, oder sitzt auf seinem bauch und hält sich an den beiden brustflossen fest. elegant springt der pfleger ins wasser, shamu nimmt ihn auf seine schnauze und stösst ihn mit rasender geschwindigkeit durchs becken. schliesslich taucht der orca tief hinab, um dann mit dem pfleger auf der schnauze hoch aus dem wasser zu springen. jede gelungene übung wird mit einer portion fisch belohnt. die ganze show ist mit einer grossen portion humor angereichert. so spuckt shamu den einzelnen fisch wieder aus, den ihm der pfleger in den mund gesteckt hat. auch zwei fische sind ihm zuwenig, er schüttelt energisch den kopf. als der pfleger ihm den ganzen kübel hinstreckt, nickt er, öffnet den mund und verschluckt sie ohne ein einziges mal zu kauen. dann drehen die orca nochmals eine runde und schleudern dabei mit ihren schwanzflossen hunderte von litern salzwasser ins publikum. nun hat auch der hinterste und letzte in der "soak area" kein trockenes kleidungsstück mehr am körper. auf der leinwand werden die spektakulärsten szenen jeweils wiederholt. dazwischen wird einmal gezeigt, wie orcas seehunde jagen. dazu werfen sie sich am strand mitten in einen seehundrudel. erwischt ein orca einen seehund, so nimmt er ihn mit in tieferes gewässer und spielt mit ihm, wie eine katze mit einer maus. das arme tier wird immer wieder in die luft geworfen und mit den kräftigen zähnen aufgefangen, bis es schliesslich im rachen des orcas verschwindet. kein schönes spiel, aber offensichtlich (auch) bei den "killerwalen" sehr beliebt.

nun ist hunger angesagt, wir verpflegen uns in einem der zahlreichen restaurants. anschliessend tummeln sich susanne und daniel auf dem riesigen spielplatz, für katrin ist es zeit für einen mittagschlaf. ich stosse sie im buggy durch den park. während sie schläft schaue ich den delphinen im "petting pool" zu. hier dürfen die tiere gefüttert werden und wer glück hat, kann dabei eines der tiere berühren. sie fühlen sich an wie nasser gummi. mit meiner schlafenden tocher besuche ich auch "J.J.", das grauwal baby. es wurde vor etwa vier monaten am strand nördlich von los angeles gefunden. es muss zu diesem zeitpunkt etwa drei bis fünf tage alt gewesen sein. die leute im "sea world" vermuten, es sei von seiner mutter getrennt worden und hätte sich als letzte hoffnung auf den strand geworfen. da es offensichtlich vorher von seiner mutter gesäugt worden war, sei es bei guter gesundheit gewesen. es wurde ins "sea world" gebracht und lebt nun in einem grossen salzwasserbecken. der grauwal nimmt zur zeit pro stunde etwa ein kilogramm gewicht zu ! es ist in den vier monaten von etwa vier auf mehr als sieben meter länge gewachsen. drei mal am tag wird "J. J." mit einem fass muttermilch-ersatz gefüttert. man hofft, dass es eines tages gelingen wird, den grauwal wieder in die wildnis zu entlassen.

um fünfzehn uhr fünfzehn besuchen wir die dolphin show. neben vier delphinen werden auch zwei pilotwale gezeigt. auch hier müssen die vordersten reihen gemieden werden, wenn man trocken bleiben will. die delphine zeigen ihre schnelligkeit im wasser, ihr enormes sprungvermögen und bespritzen mit ihren schwanzflossen das publikum. eine familie aus denver wird als freiwillige in die show miteinbezogen. zuerst darf die frau einem delphin einige zeichen geben, welche er willig befolgt. dann soll der kleine bub ins wasser springen, der delphin würde ihn dann retten, erklärt man ihm. ein pfleger kann ihn gerade noch auffangen, als der kleine mutig ins wasser hüpfen will. dafür darf er dann die delphine fütter. auf anraten des pflegers und zum schreck der mutter wischt er seine nach fisch stinkenden händen am t-shirt ab. das publikum amüsiert sich köstlich. nun ist der vater an der reihe. auch er soll dem delphin zeichen geben, damit er ein bestimmtes verhalten zeigt, aber der delphin bespritzt ihn mit wasser. der pfleger zeigt sich entsetzt, aber auch der zweite versuch misslingt. man gibt deshalb auf. der vater will zum abschluss ein erinnerungsphoto von seiner frau, dem buben und einem delphin machen. dabei fällt er ins wasser, eine sofort eingeleitete rettungsaktion mit hilfe der delphine scheitert. er rettet sich deshalb schwimmend ans land - und wird dem publikum als langjähriger pfleger im "sea world" vorgestellt ... es war alles nur gestellt, aber gelacht haben wir trotzdem herrlich !

es ist kurz nach sechzehn uhr. vor wenigen minuten hat die letzte fütterung von "J. J." begonnen. wir eilen zu seinem becken und beobachten, wie er durch einen schlauch den muttermilch-ersatz aus dem fass trinkt. danach dreht er einige gemächliche runden im becken, ein faszinierender anblick. "a once in a lifetime opportunity", meint ein pfleger. daniel will unbedingt nochmals zu shamu. um halb fünf uhr beginnt die zweite vorstellung. grundsätzlich wird nochmals das gleiche gezeigt wie am morgen, mir scheint jedoch, es geht alles etwas rascher. als die show zu ende geht, bleiben noch zehn minuten, bis der park schliesst. unser sohn möchte gerne nochmals die haifische sehen. wir spurten quer durch den park zum "shark encounter". es hat kaum noch leute hier. wir beobachten die haie zuerst von oben, denn steigen wir zum glastunnel hinunter. wir sind fast alleine. still beobachten wir die tiere im wasser. es freut mich, dass unser sohn so interessiert ist und viel geduld zeigt. als letzte verlassen wir das gebäude und eilen zum ausgang, wo susanne und katrin auf uns warten.

die letzte nacht in den USA wollen wir nochmals bei unseren freunden verbringen. um diese zeit hat es wenig verkehr, schon bald sind wir in escondido. wir gehen in einem restaurant nachtessen und parken dann unser motorhome im "back yard". zum letzten mal bringen wir unsere kinder hier zu bett. anschliessend packen wir noch den letzten koffer. die schränke sind nun alle leer, es hat alles platz gehabt. die letzten stunden des tages verbringen wir bei unseren freunden.


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usa97_0430.html / 10-jun-1997 (ra) / reto ambühler