di, 22. april 1997:

joshua tree national park: wanderung ryan mountain, cholla cactus garden, cottonwood springs


auch heute treibt uns die hitze früh aus dem wagen. wir essen im freien, wiederum bei strahlend blauem himmel. heute ist eine längere wanderung angesagt. wir wollen den "mount ryan" bezwingen. der "trail head" (anfang des wanderweges) liegt ganz in der nähe des "sheep pass", wir fahren also die gleiche strecke wie gestern. beim parkplatz streichen wir uns mit sonnencreme ein, packen soviel zu trinken wie möglich und einen kleinen lunch in den rucksack und schon geht es los. heute gelingt es uns wesentlich besser, daniel zum wandern zu motivieren. tapfer erklimmt er den steilen weg. allerdings verlangt er jede minute nach einem schluck wasser. da er seit einigen monaten die uhrzeit lesen kann, machen wir aus, dass es jede viertelstunde einen schluck aus der flasche gibt. er ist einverstanden und nun damit beschäftigt, alle paar minuten auszurechnen, wie lange es dauert bis zum nächsten halt. bei katrin ist es schon etwas schwieriger, sie zum laufen zu bewegen. die grossen steine sind für sie mühsame hindernisse, schon bald will sie nicht mehr gehen. ich nehme sie auf die schultern, was neben dem rucksack noch zusätzliche elf kilo gewicht bedeuten. aber susanne kann ich keinen zusätzlichen balast zumuten, sie hat mit ihrer "bauchtasche" (siehe einchecken in kloten) schon mehr als genug zu schleppen. langsam gewinnen wir an höhe. zum glück sind wir hier auf etwa 1500 meter über meer, sonst wäre die hitze wohl unerträglich. es gibt nichts, was etwas schatten spenden könnte. unter diesen klimatischen bedingungen wachsen keine bäume und die büsche sind klein, dürr und stachelig. nach etwa einer stunde machen wir einen längeren halt. über unseren köpfen schweben riesige vögel in der luft. warum bloss haben wir keine flügel ? doch wir wollen uns nicht beklagen, daniel läuft tapfer und auch susanne zeigt eine erstaunliche ausdauer.

gegen mittag erreichen wir den gipfel. ein riesiger steinhaufen markiert den höchsten punkt. auf 5461 fuss (1665 meter) über meer verpflegen wir uns aus dem rücksack und ruhen uns aus. dabei geniessen wir den herrlichen rundblick. unter uns erstreckt sich wiederum das "coachella valley", welches wir gestern schon von "keys view" aus gesehen haben. während wir essen, erreicht ein deutsches paar ebenfalls den gipfel. sie sind schon seit einigen wochen unterwegs und erzählen uns, sie hätten in colorado vor dem schnee fliehen müssen. wir haben schon mehrfach gehört, dass es in der gegend des "bryce canyon" noch massiv geschneit haben soll.

der abstieg gestaltet sich problemlos. anfangs will daniel sogar den rucksack tragen, doch das wird im dann bald zu schwer. trotz der wärme geht der abstieg locker voran. daniel läuft ganz prima, aber katrin will im keinen preis selber gehen. gegen vierzehn uhr sind wir wieder beim wagen. wir wollen noch bis zum "cottonwood spring campground" fahren, der ganz im süden des joshua tree national park liegt. am "jumbo rocks" campingplatz vorbei gelangen wir auf die "pinto basin road". unterwegs läuft ein koyote vor unserem wagen über die strasse. es ist ein wunderschönes tier, leider haben wir keine möglichkeit, es zu fotografieren. nach dem "white tank" campingplatz führt die strasse recht steil abwärts. um die bremsen nicht zu überhitzen fahre ich im zweiten gang.

beim "cholla cactus garden" erwartet uns ein weiterer höhenpunkt: ein herrlicher "wald" von "cholla" kakteen wächst hier. die äusserst stacheligen kakteen werden auch "jumping teddybear" (hüpfender teddybär) genannt. es sind aber nicht die kakteen, die hüpfen, sondern die menschen, wenn sie in ein solches stachliges biest treten. genau dies passiert einem deutschen touristen, der mit halbschuhen vom weg abgegangen ist, um ein photo zu machen. die mindestens fünf zentimeter langen stacheln haben die dünen sohlen seiner schuhe durchbohrt und stecken nun tief in seinen zehen. besser er als ich ! die kakteen tragen zahllose blüten in den verschiedensten stadien. ich kann mich an diesen stacheligen gesellen gar nicht satt sehen. schliesslich sind wir wieder beim wagen und setzen die fahrt fort.

es geht weiterhin abwärts, wir kommen rasch voran. am frühen nachmittag erreichen wir den "cottonwood springs campground". hier hat es wasser und eine "dump station", wo wir unsere abwassertanks entleeren und den frischwassertank auffüllen können. dafür ist der campingplatz nicht kostenlos. es sind nur wenige leute hier, wir suchen uns einen möglichst ebenen platz aus. nach dem wir uns eingerichtet haben, spielen wir im freien mit dem fussball. schon bald taucht der "host" - eine art freiwilliger platzwart - auf und warnt uns vor stacheligen kakteen und giftigen schlangen. wir versichern ihm, dass wir aufpassen würden. am abend braten wir wieder ein stück fleisch auf dem grill. als die sonne untergeht, werden die temperaturen etwas erträglicher. bevor wir die kinder ins bett bringen können, müssen wir auf fliegenjagt gehen. bestimmt ein dutzend von diesen lästigen biestern tummeln sich in unseren heim. die schlacht geht zwölf zu null zugunsten der menschen aus. endlich können die kinder einschlafen. wir setzen uns nach ein bisschen ans feuer und bewundern erneut haley-bopp. allerdings geht schon bald der mond auf und lässt den seltenen besucher am himmel unsichtbar werden.


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usa97_0422.html / 09-jun-1997 (ra) / reto ambühler