mo, 21. april 1997:

joshua tree national park: keys view, hidden valley, barker dam


die hitze treibt uns kurz nach acht uhr aus den betten. wir frühstücken im freien unter strahlend blauem himmel, nur in der ferne hat es ein paar wölkchen am himmel. heute machen wir eine kleine rundfahrt durch einen teil des joshua tree national park. wir folgen der parkstrasse westwärts. ich schätze die "cruise control" (tempomat) nicht nur auf den autobahnen, sondern gerade auch hier. ohne stets auf den tacho blicken zu müssen, lassen ich unser motorhome gemächlich mit 30 meilen pro stunde (48 km/h) durch die wüste rollen. wir sind fast alleine unterwegs, so dass auch ich die landschaft geniessen kann. die strasse steigt richtung "sheep pass" an. als wir die passhöhe erreichen, haben wir einen herrlichen ausblick auf das vor uns liegende tal. in der ferne ragen die bis 11500 fuss (3500 meter) hohen "san bernardino mountains" in den himmel. die höchsten gipfel sind immer noch schnee bedeckt, was bei den dreissig grad, die wir hier haben, ziemlich unglaublich wirkt. dort oben hat es aber gemäss karte sogar skigebiete. wir rollen ins tal hinunter. hier stehen unzählige "joshua trees" in allen grössen und formen. unser erstes ziel heisst "keys view", von wo aus man einen schönen ausblick ins "coachella valley" haben soll. die strasse steigt nun wieder steil an und windet sich zum aussichtspunkt hinauf.

"keys view" liegt auf 5185 fuss (1581 meter) über meer. die aussicht ist wirklich atemberaubend. unter uns erstreckt sich ein weites tal, das teilweise unter dem meeresspiegel liegt. mitten durch das tal verläuft die "san andreas fault" (andreas falte). hier stossen zwei kontinentalplatten aufeinander. wenn sich die beiden platten etwas gegeneinander verschieben, so führt das zu den von san diego bis san francisco gefürchteten erdbeben. im süden sehen wir den riesigen "salton sea", der ebenfalls weit unter dem meeresspiegel liegt. wir entdecken einen wanderweg, der vom aussichtspunkt auf einen noch etwas höher liegenden gipfel führt. trotz heftigem murren der kinder nehmen wir den weg in angriff. daniel möchte lieber auf den felsen herumklettern, statt einem wanderweg zu folgen, aber hier hat es keine solche felsformationen. wir versprechen ihm, er werde schon noch auf seine rechnung kommen. katrin hat schon bald keine lust mehr zu gehen, aber schliesslich lässt sie sich vom ihrem bruder dazu überreden, tapfer den berg zu erklimmen. nach etwas mehr als dreissig minuten erreichen wir ein hochplateau. hier rasten wir und stillen den durst aus den "sigg bottles". während sich meine familie auf einem grossen stein ausruht, bahne ich mir einen weg durch die dornigen büsche und stachligen kakteen. bei jedem schritt muss ich aufpassen, wo ich meinen fuss hinsetze. ich habe ziemlich respekt vor irgendwelchen viechern, die sich hier tummeln könnten. schliesslich erreiche ich einen grossen fels, von welchem aus ich eine herrliche aussicht ins "lost horse valley" habe. ich liebe solche wüstenlandschaften. meine familie hat mich aus den augen verloren und beginnt nun wie wild in der gegend herumzuschreien, ich mache mich deshalb auf den rückweg. der abstieg zum parkplatz ist von seiten unserer tochter wieder mit viel gejammer verbunden. ich trage sie meistens auf meinen schultern, das gefällt ihr natürlich sehr.

auf dem parkplatz steigen wr in unser motorhome und fahren den gleichen weg zurück, den wir gekommen sind. es gibt keine alternative, denn bei "keys view" endet die parkstrasse. im "lost horse valley" fahren wir dann aber nicht wieder richtung "sheep pass", sondern folgen der strasse nordwärts richtung "hidden valley". eine kurze "dirt road" (naturstrasse) führt zu einer picknick area, welche wir bestens kennen. hier hatten wir 1990 auf unserer hochzeitreise ein uns bleibendes erlebnis in sachen amerikanische esskultur. als wir mit unserem VW bus hier hielten, hätten wir gerne an einem der holztische zu mittag gegessen. leider waren alle tische belegt, so dass wir mit viel aufwand unseren mitgebrachten esstisch vom dach herunterholen mussten. das ärgerliche an der sache war, dass die amis zwar die tische mit esswaren belegt hatten, es sass aber niemand an einem tisch, sondern sie liefen mit dem futter in der hand kreuz und quer in der gegend herum. beinahe wäre es auch heute wieder zu einem reinfall geworden, doch eine familie signalisiert uns, dass sie gerade im begriff sind, aufzubrechen. so sitzen wir dann wenig später am tisch und haben sogar noch etwas schatten von einem baum. hier hat es wieder unzählige sandstein-felsformationen in allen grössen und formen, die einem zum herumklettern herausfordern. ich muss allerdings feststellen, dass fast jede formation irgend eine unüberwindliche stelle hat. endlich gelingt es mir, einen vielleicht dreissig meter hohen felsen zu erklimmen. auf dem rückweg mache ich eine weitere entdeckung: hinaufklettern ist einfacher als wieder herunterkommen ...

nach dem essen legen wir katrin in ihren buggy und ich stosse sie eine weile herum. als sie schläft, heben wir den buggy in den wagen und machen uns anschliessend auf die suche nach einer für die ganze familie geeignete felsformation. daniel will nämlich endlich zu seiner versprochenen kletterpartie kommen. eine vielleicht zweihundert meter hohe felsformation scheint uns das geeignete objekt, bloss, wie kommt man da hinauf ? wir beginnen das ding zu umrunden, scheitern aber stets nach den ersten metern. dafür stossen wir auf zahlreiche, blühende kakteen. die blüten leuchten in allen denkbaren farbtönen von gelb über rosa bis purpurrot. wir haben inzwischen unser ziel neu definiert: wir erklimmen einen etwa zehn meter hohen felsklotz, machen ein "gipfelfoto" und setzen dann die umrundung der formation fort. nach etwa drei viertel des weges stossen wir auf eine kletterschule. mit haken und seilen ausgerüstet rücken die leute der felsformation zu leibe. am seilende steht jeweils eine weitere person und passt auf den kletternden auf. wir schauen eine weile zu, dann kehren wir zu unserem motorhome zurück. als wir die tür aufmachen erwacht unsere tochter, perfektes timing !

wir kehren nun auf die parkstrasse zurück und steuern das letzte ziel unseres rundreise an: den "baker dam". ich bin allerdings der einzige, der sich auf dieses abenteuer wie ein kleines kind freut. der "baker dam" ist nämlich nur über eine weitere "dirt road" zu erreichen. besonders daniel hat schlechte erinnerungen an naturstrassen. auf der letzten reise ist ihm am "mono lake" nämlich beinahe die verschalung der klimaanlage auf den kopf gefallen, als ich unbedingt über eine "dirt road" fahren wollte. auch susanne schaut der sache mit gemischten gefühlen entgegen. schon bald zeigt sich, dass sämtliche befürchtungen gut begründet sind: die strasse ist eine katastrophe. 100% wellblech, wie wir das nennen. ein phänomen, dass wir nicht nur in nordamerika, sondern auch auf island beobachtet haben. naturstrassen haben die tendenz, eine gerippte oberfläche zu erhalten, die aussieht, wie wellblech. entsprechend holperig ist die fahrt. es schlägt und schüttelt und dröhnt grauenhaft. mit 20 meilen pro stunde (32 km/h) kämpfen wir uns - eine gigantische staubfahne hinter uns herziehend - durch die wüste. schon bald sind wir beim parkplatz des "baker dam". die erste etappe haben wir unbeschadet überstanden. nun gibt es wieder diskussionen mit den kinder, als wir losmarschieren wollen. daniel zieht sämtliche register kindlichen trotzens. er hat hunger, dann durst und gerade als wir endlich aufbrechenwollen, muss er noch auf die toilette. mit engelsgeduld erfüllen wir alle seine wünsche. als ihm nichts mehr einfällt, können wir endlich gehen. am anfang des wanderweges hat es eine tafel mit hinweisen und regeln. unter anderem sieht man dort auch ein durchgestrichenes fahrrad. während ich davor stehe und mich bilde, rasen zwei biker an mir vorbei. ein dritter folgt mit etwas abstand. als er bemerkt, wie ich den anderen beiden ziemlich missmutig nachschaue, fragt er mich sehr freundlich, ob man hier wohl radfahren dürfe ? ich erkläre ihm die bedeutung der tafel mit dem durchgestrichenen fahrrad und der aufschrift "no bikes". er versucht seine kameraden zurückzurufen, aber die sind bereits hinter einer wegbiegung verschwunden. mit einem leicht verzweifelten ausdruck im gesicht läuft er sein rad schiebend hinterher. wenig später stehen die drei bikes irgendwo an einem felsen, der weg ist hier schlich nicht befahrbar. nach etwa einer halben stunde erreichen wir den "baker dam". in diesem kleinen tal hat vor langer zeit - als dies noch kein nationalpark war - ein typ mit seiner frau an dieser stelle eine ranch aufgebaut. um genügen wasser zu haben, hat er zuerst aus holz, später dann aus beton, eine kleine staumauer errichtet. letztere steht noch immer, darum hat es hier einen kleinen teich. darauf schwimmen einige enten. dahinter hat es schilf und man hört lautes froschquacken. und das mitten in der wüste ! ein eigenartiges bild. auch hier hat es wieder herrliche felsformationen, die unbedingt bestiegen sein wollen. zusammen mit daniel erklimme ich eine zwischen fünfzig und hundert meter hohe formation. er klettert tüchtig, braucht aber an besonders schwierigen stellen etwas unterstützung. stolz winken wir unseren frauen zu, die am fuss der felsformation auf uns warten.

der rundgang führt uns in einem weiten bogen wieder zum parkplatz zurück. unterwegs wartet noch eine weitere attraktion auf uns: der "newspaper rock". ein phänomen, dass wir schon an verschiedenen orten in den USA angetroffen haben. es sind felszeichnungen, die vor vielen jahrhunderten von indianern gemacht wurden. die bedeutung der symbole sind weitgehend unbekannt. hier befinden sich die zeichnungen in einem fels mit eine höhle. leider wurden einige der symbole von irgendwelchen deppen übermalt. die übrigen sind schwach aber dennoch eindeutig sichtbar. wir sehen pfeile, stylisierte tiere und andere, uns unerklärliche symbole. wenig später sind wir wieder beim parkplatz.

nun nehmen wir den zweiten teil der "dirt road" unter die räder. beim VW bus hat es oft geholfen, wenn man etwas beschleunigt hat. es gab eine bestimmte geschwindigkeit, bei der das rütteln und schütteln fast aufgehört hat. diese ideale reisegeschwindigkeit lag allerdings deutlich über 60 km/h. nun versuche ich das auch einmal mit unserem motorhome, aber es scheint keine ideale geschwindigkeit zu geben. das gefährt ist mit seinen sechs tonnen einfach viel zu schwer und gibt erbarmungslos jede welle weiter. es bleibt mir nichts anderes übrig, als mit zehn bis zwanzig meilen pro stunde möglichst dicht am rand entlang zu fahren. wir überstehen aber die tortur unbeschadet. im lauf des abends finde ich dann zwar doch noch einige schrauben, die sich gelöst haben, aber nichts tragisches.

auf dem campingplatz hat daniel immer noch nicht genug vom klettern. wir haben gestern schon einige hundert meter von unserem platz aus eine tolle felsformation gesehen, auf der leute herumgeklettert sind. da will daniel nun unbedingt auch noch hin. ich entfache im grill ein schönes feuer und während susanne das nachtessen zubereitet, machen wir uns auf den weg zu dieser felsformation. die ersten anläufe scheitern, doch als wir uns auf der rückseite der felsen befinden, geht es ganz einfach. nach einer guten halben stunde sind wir auf dem höchsten punkt. was von hinten wir ein harmloser hügel aussieht, ist von vorne eine mehr als hundert meter hohe felsformation. wir wagen uns bis auf einige meter an den abgrund heran. tief unter uns sehen wir unser motorhome. wir schreien und pfeifen, bis susanne uns endlich entdeckt. es bleibt noch eine viertelstunde bis zum ausgemachten termin für das abendessen. ich staune, wie brav und in welchem tempo mein sohn den rückweg in angriff nimmt. auf die minute genau sind wir zurück.

das abendessen geniessen wir natürlich im freien. allerdings verderben uns lästige kleine fliegen etwas den spass. im spülbecken befreien wir unsere kinder von sand und schweiss, dann stecken wir sie ins bett. sie sind völlig erschöpft und schlafen sofort ein. wir geniessen noch ein erfrischendes getränk und bewundern den kometen haley-bop, der im westen deutlich zu erkennen ist. allerdings nur, bis der vollmond über den horizont steigt. irgendwie scheint er hier grösser und deutlicher als daheim, ein tolles schauspiel.


| vorangehender tag | zum tagebuch | nächster tag |


usa97_0421.html / 10-jun-1997 (ra) / reto ambühler