so, 20. april 1997:

fahrt los angeles - joshua tree national park


gestern war sozusagen unser "tag des kindes", die kommenden tage sind nun wieder eher auf die bedürfnisse von uns erwachsenen zugeschnitten: wir fahren in die wüste. in der nähe des campingplatzes gehen wir zuerst einkaufen und dann tanken. bei dem durst, den unser motorhome an den tag legt, wäre in der schweiz der gang zur tankstelle ein alptraum. am ende der reise werden wir feststellen müssen, dass unser camper weit über 40 liter pro 100 kilometer verbraucht hat. unser "27 füssler" (8.23 m) hatte sich 1995 mit 25 liter begnügt. der motor ist offensichtlich sehr schlecht eingestellt, wenn man schritttempo fährt hat er auch schon einfach abgestellt. bei einem automaten ist dies besonders unangenehm, weil man bei eingelegtem gang den motor nicht einfach wieder starten kann. wir tanken voll auf, das dauert einige minuten. 47.75 gallonen (180 liter !) wechseln den besitzer für USD 55.39 (CHF 81.65), für den tankstellenwart wohl das geschäft des tages. eigentlich seltsam, dass in den USA tankstellen immer noch durchgehend bedient sind, wo man sich doch bei uns längst an unbediente automaten gewöhnt hat. bedient heisst allerdings nicht, dass einem jemand das benzin einfüllt, sondern bezieht sich ausschliesslich auf das einkassieren. dabei gibt es verschiedene verfahren: "pay first" oder "pump first". "pay first" bedeutet, dass man zuerst bezahlt und dann tankt. dabei kann man entweder einfach für einen bestimmten betrag tanken, oder man deponiert seine kreditkarte, füllt auf und bezahlt anschliessend den entsprechenden betrag. "pump first" ist logischerweise das umgekehrte, also zuerst tanken, dann bezahlen. gerade in kalifornien werden beide verfahren angewendet, so dass man nie recht weiss, ob man nun zuerst bezahlen oder tanken muss. um die sachen noch etwas komplizierter zu machen, gibt es dann auch noch tankstellen, welche bei barzahlung einige cents weniger verlangen als bei bezahlung mit kreditkarte.

mit vollem kühlschrank, benzin- und wassertank verlassen wir also L.A. ostwärts. das heisst, anfangs fahren wir auf dem highway 57 einige meilen in nördlicher richtung. auf dem highway 91 geht es dann gegen osten. es herrscht reger sonntagsverkehr. die autobahn ist in gewohnt schlechtem zustand. plötzlich hat es im fussballfeld-breiten mittelstreifen zwei ganz neue fahrspuren. darüber prangt eine tafel auf der steht, dass man hier nur als besitzer einer bestimmten karte fahren dürfe. wir erfahren später, dass es sich hier um einen versuch handelt. die beiden fahrspuren werden von einer privaten firma betrieben. um sie benutzen zu dürfen, muss man ein abonnement lösen. dafür erhält man ein kleines gerät, welches mit den empfängern kommuniziert, welche über der strasse montiert sind. diese zählen die gefahrenen meilen, am ende des monats erhält man eine abrechnung. es sollen aber auch kameras montiert sein, die wagen ohne sender fotografieren und die fahrzeughalter mit einer entsprechenden busse beglücken. in amerika wird so mancher dienst, der bei uns vom staat geleistet wird, von privaten unternehmen angeboten, warum also nicht auch strassen ?

in riverside wechseln wir auf den highway 60. dieser geht bei beaumont in die interstate 10 über. die interstates haben ein einfaches, aber hilfreiches nummernschema: die geraden nummer führen in richtung ost-west, die ungeraden in richtung nord-süd. die interstate führt hier durch ein tal in dem stets ein heftiger westwind bläst. es hat hier deshalb hunderte von windgeneratoren in verschiedenen grössen. kurz vor palm springs verlassen wir die interstate 10 und folgen dem highway 62 erst in nördlicher, dann wieder in östlicher richtung. die strasse führt um den joshua tree national park herum zur ortschaft twentynine palms. robert plant - sänger der legendären rockband led zeppelin - hat vor jahren einen song "twentynine palms" geschrieben, welcher sich auf diesen ort bezieht und der mir nun nicht mehr aus dem kopf gehen will. zur abwechslung gleiten wir hier wie auf einer wolke über einen brandneuen strassenbelag, wie angenehm !

in twentynine palms verlassen wir den highway 62 und fahren nun südwärts richtung joshua tree national park. der park wurde erst kürzlich von präsident clinton von einem "national monument" in einen "national park" umgewandelt. "national parks" (NP) haben etwas mehr gewicht als "national monuments" (NM) und erfahren entspechend etwas mehr schutz. beim "upgrade" wurde der park im nordosten auch noch ein bisschen vergrössert. das "oasis visitor center" liegt noch ausserhalb der parkgrenzen. als wir aus dem wagen steigen, erschlägt uns die hitze fast. zum glück hat unser motorhome eine klimaanlage. im visitor center erkundigen wir uns nach möglichkeiten zum campieren. bei unserem letzten besuch waren alle campingplätze voll. wir hoffen, dass die "locals" am sonntag nachmittag sich auf den heimweg machen und wir deshalb irgendwo unter kommen können. die rangerin nimmt funkkontakt auf mit einem ranger, der gerade im park unterwegs ist und versichert uns, es habe freie plätze. gleichzeitig macht sie uns darauf aufmerksam, dass die meisten campingplätze hier in der wüste kein wasser haben. für uns ist das kein problem, wir haben nicht nur einen vollen wassertank, sondern auch einige gallonen abgefülltes trinkwasser dabei. wir schauen uns einen kurzen videofilm an, dann brechen wir wieder auf.

wir haben uns entschossen, unser glück auf dem "jumbo rock campground" zu versuchen. die strasse steigt recht steil an und führt uns mitten in die unberührte wüste hinein. der joshua tree national park schützt den übergangsbereich von zwei wüsten. im nordwesten befindet sich die "mojave desert", im südosten die "colorado desert". erstere liegt auf einem recht hohen plateau, mit entsprechend mehr feuchtigkeiten und reichhaltigerem pflanzenwuchs, letzterer liegt näher beim meeresspiegel, ist deshalb trockener, heisser und beheimatet pflanzen, die in diesem klima überleben können. in der mojave wüste wachsen auch die eigenartigen "joshua trees", welche dem park den namen gegeben haben. sie sehen aus wie bäume und werden auch so gross, wie vielleicht ein grosser kirschenbaum. anfangs wächst einfach ein gerader stengel in die luft, dann wachsen plötzlich verschiedene "arme" in alle möglichen himmelsrichtungen aus dem stamm. die pflanze ist aber kein baum, sondern ein lilliengewächs.

beim "jumbo rock campground" steht am eingang tatsächlich ein schild "campground full", was aber überhaupt nicht stimmt. es hat dutzende von freien plätzen und an vielen orten sind die leute am aufbrechen, genau wie wir uns das vorgestellt haben. wir fahren durch die verschiedenen schleifen des campgrounds und entscheiden uns für einen platz ganz am ende der strasse. neben uns steht ebenfalls ein grosses motorhome, darin wohnt auch eine familie aus der schweiz. sie sind aber offensichtlich gar nicht darüber erbaut, dass nun ausgerechnet landsleute neben ihnen einziehen und verziehen sich sofort auf die andere seite des motorhomes. wir stärken uns mit einem kleinen imbiss, dann erkunden wir die nähere umgebung. es wachsen hier vorallem kakteen und stachelige büsche. überall ragen kleinere und grössere hügel aus rundgeschliffenen, gelbbraunen sandsteinen aus dem boden. ihre oberfläche ist ganz rauh und bietet guten halt beim klettern, wirkt aber auch wie sandpapier wenn man ausrutsch. wir spazieren etwa dreiviertelstunden über einen wunderschönen weg quer durch die wüste. es zeigt sich aber, dass die ganze rundwanderung doch zu weit ist, so dass wir umkehren und den gleichen weg zurückgehen.

gegen achtzehn uhr entfachen wir ein feuer im grill. wir braten für jeden einen maiskolben und ein schönes stück fleisch. als es dunkel wird, kühlt es etwas ab. die kinder brauchen aber keine bettdecke und auch wir bedecken uns nur mit einem leintuch, als wir zu bett gehen.


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usa97_0420.html / 10-jun-1997 (ra) / reto ambühler