sa, 19. april 1997:

los angeles: besuch disneyland


heute ist nun "the happiest place on earth" angesagt. rolf, unser freund aus escondido, hatte uns empfohlen, das disneyland an einem wochenende zu besuchen. unter der woche würden die touristen das disneyland überbevölkern, am wochenende seien sie aber am an- oder abreisen und man würde bloss einheimische antreffen. das hat uns eingeleuchtet, wir haben deshalb den besuch auf samstag geplant. ein kluger entscheid, wie sich im laufe des tages zeigen wird.

die paar meilen zum disneyland haben wir bald hinter uns. der park öffnet um neun uhr, wenige minuten nach neun sind wir da. der parkplatz ist zu weniger als zehn prozent belegt, warum bloss müssen die "unseren" KOA umpflügen und zubetonieren ? für motorhomes ist eine spezielle area reserviert, für grosse fahrzeuge wird in amerika fast überall gut gesorgt.

am eingang können wir uns ein freies kassahäuschen aussuchen, schon sind wir drin. was nun ? mit einem kind unter drei jahren und einer schwangeren frau sind die möglichkeiten schon etwas eingeschränkt. das haben wir natürlich gewusst, es gibt ja auch genügend weniger wilde attraktionen. als erstes gehen wir ins "fantasyland". "it's a small world" ist angesagt. unterwegs will daniel wissen, was das sei. ich erkläre ihm, dass wir mit einem kleinen schiffchen durch ein haus fahren, in dem mit puppen szenen aus verschiedenen ländern dargestellt werden. unglücklicherweise benutze ich das wort "märchen", was bei ihm sofort panik auslöst. märchen sind für daniel ein alptraum, das hätte ich doch wissen müssen ! es braucht sehr viel überzeugungsarbeit, ihn dazu zu bewegen, in das schiffchen zu steigen. schon bald sind aber seine bedenken verflogen, wir werden im laufe des tages noch einige male hierherkommen. "it's a small, small world ..." können wir jetzt auswendig.

wir waren ja schon im herbst 1995 hier, es ist erstaunlich, was daniel noch alles weiss. zwei dinge haben es ihm besonders angetan: das "yellow submarine" und "autopia". die fahrt mit dem u-boot können wir gemeinsam geniessen, bei der fahrt mit dem auto müssen katrin und susanne ein erstes mal aussetzen. daniel hat zwar immer noch zu kurze beine, um das gaspedal zu erreichen, aber zum steuern reicht es allemal.

bei unserem letzten besuch habe ich sie verpasst, diesmal lasse ich sie mir nicht entgehen: die fiktive reise durch's all. "star tours" heisst die attraktion. schon beim anstehen wird einem einiges geboten: die beiden roboter C-3PO und R2-D2 aus star wars überprüfen ein raumschiff auf seine funktionstüchtigkeit. dabei sind sie sich nicht immer einig, es geht ziemlich hektisch und laut zu und her und plötzlich knallt und raucht es auch noch. auf einem grossen bildschirm werden ausschnitte aus star wars gezeigt. auf plakaten werden ausflüge zu verschiedene reisezielen im fernen weltraum angepriesen. nach etwas weniger als einer stunde wartezeit stehe ich mit drei dutzend anderen gästen endlich vor dem simulator. neben mir steht eine junge frau. der platzanweiser fragt, ob wir zusammen seien, ich sage "no", sie sagt "yes" ... so reisen wir dann nebeneinander durch's all. aber für die nächsten minuten hätte selbst sharon stone oder demi moor neben mir sitzen können, das hätte mich nicht interessiert. ich finde es einfach unglaublich, was man mit einigen zentimetern auslenkung am simulator und einem film an gefühlen und illusionen hervorzaubern kann.

kaum sind wir angeschnallt, erscheint der pilot rex, auch bekannt als RX-24. er meint, es sei wahrscheinlich unsere erste reise zum mond des planeten endor - und es sei auch sein erster flug. und schon geht's los: wir rasen durch eine raumstation, der pilot erwischt den falschen korridor und schon sind wir auf kollisionskurs mit explosiven waren und anderen fahrzeugen. wir breschen auf ein verschlossenes tor zu, welches im letzten moment aufgeht, und schweben im all. es herrscht absolute stille, wir spüren keine bewegung. wir atmen auf ! der pilot entschuldigt sich für das maleur und verspricht nun eine ruhige reise. doch kaum hat er das gesagt, befinden wir uns mitten in einem meteoritenschwarm. wir geraten in einem besonders grossen eisklotz in einen tunnel und jagen in wilder fahrt durch diesen. plötzlich ist er zu ende, wir durchschlagen das eis und sind wieder frei. erneutes aufatmen. doch, oh schreck, feindliche raumfahrzeuge nehmen uns unter beschuss und schon wieder werden wir heftigst durchgeschüttelt. unser pilot macht das einzig richtige in dieser situation: warp speed und ab durch die mitte ! wir kleben im sitz und staunen ab der kraft der beschleunigung. schon rückt unser ziel ins blickfeld. doch unser schusselige pilot findet den landeplatz nicht. stattdessen rast er hinter einem anderen raumfahrzeug durch die strassenschluchten dieser fremden stadt auf diesem fremden himmelskörper. wir werden tüchtig hin und her geworfen, während unser raumschiff zwischen hochhäusern, über und unter brücken durchrast und dabei heftig beschossen wird. endlich sind wir gelandet - definitives aufatmen ... leider ist es schon vorbei.

ich suche meine familie und finde sie wie abgemacht beim "king arthur carrousel ". susanne war mit den kindern auf dem riesigen karussell und auf den "flying elefants". jetzt ist zum zweiten mal "it's a small world" angesagt. nun hat es schon etwas mehr leute, aber die wartezeit ist immer noch sehr erträglich.

ich möchte jetzt doch einmal einen versuch wagen und mit daniel auf eine etwas turbulentere bahn gehen. die "big thunder mountain railroad" im "frontierland" scheint mir für unseren sohn zumutbar. unsere beiden frauen müssen halt wiederum pausieren. beim eingang wird die grösse der fahrgäste gemessen. wer zu klein ist, darf nicht mitfahren. daniel überragt das mindestmass deutlich. um zwei zentimeter zu kurz ist der kleine junge hinter uns, er muss wieder gehen. dieses ereignis beschäftigt unseren sohn sehr, immer wieder will er wissen, was der bub wohl nun macht ? er ist stolz, dass er gross genug ist, leidet aber gleichzeitig mit dem weggeschickten knaben. während wir anstehen und uns langsam aber sicher der bahnstation nähern, brausen uns die "grossen donner berge bahnen" um die ohren. nach etwa vierzig minuten dürfen wir einsteigen. wir werden mit einem bügel gesichert, dann wird der zug auf den ersten berg hochgeschleppt. auf der anderen seite geht es in rasender fahrt wieder hinunter. wir wirbel durch enge kurven und dunkle tunnels so dass wir bald nicht mehr wissen, wo uns der kopf steht. am schlimmsten sind die stellen, wo die bahn kurz hoch und dann steil nach unten rast. mehrmals glaube ich, mit dem kopf gegen die tunnelwand zu stossen. gut dass uns die schwerkraft heftig nach unten zieht. in einer dunkeln röhre werden wir ein zweites mal auf den berggipfel geschleppt, worauf wir wiederum heftig in die tiefe stürzen. schon ist die reise vorbei, daniel hat tapfer mitgemacht.

jetzt meldet sich der magen mit hunger. in einem der zahlreichen restaurants stillen wir diesen mit sandwiches. gerade hinter dem restaurant steht das "swiss family tree house". es ist uns zwar nicht ganz klar, was das soll, aber lustig ist es alleweil. ob die amis wohl glauben, die schweizer würden auch heute noch auf den bäumen leben ? möglich ist es schon, immerhin haben uns die kinder in dustins schule vor jahren ernsthaft gefragt, ob man in der schweiz auch blue jeans kaufen könne ? wir durften damals seine klasse besuchen, den kindern etwas von daheim erzählen und ihre fragen beantworten. in dieser schulstunde haben wir uns schon etwas gewundert über die ansichten, welche die kinder über europa haben. und so würde es mich nicht wundern, wenn die besucher des disneyland anschliessend tatsächlich glauben, dass wir schweizer noch auf bäumen leben. wir klettern also die unzähligen stufen zu den verschiedenen wohnebenen hinauf. es fehlt der schweizerfamilie auf dem künstlichen baum an nichts, sogar ein klavier ist vorhanden. es müssen allerdings appenzeller gewesen sein, denn die better sind sehr klein ...

nun folgen "it's a small world" zum dritten, "yellow submarine" und "autopia" zum zweiten. unser sohn braucht das, immer und immer noch einmal das gleiche anschauen. er beobachtet sehr genau, will alles erkunden, verstehen, begreifen.

susanne und die beiden kinder möchten sich die "crazy tee cups" nicht entgehen lassen. die überdimensionalen teetassen fassen vier personen und drehen sich um drei horizontale achsen. zum einen dreht sich die ganze plattform, dann sind jeweils vier tassen auf einer sich drehenden scheibe angeordnet und schliesslich können die passagiere die tasse selbst durch muskelkraft in rotation versetzen. gerade daneben befindet sich die attraktion "alice in wonderland", eine bahn der gemütlichen art. zu viert reisen wir in einer biene durch verschiedene szenen des märchens "alice im wunderland". da wir aber dieses märchen nicht kennen, verstehen wir die szenen nicht ganz. ich werde mir daheim diese geschichte einmal zu gemüt führen.

inzwischen ist es abend, es beginnt dunkel zu werden. in einem restaurant müssen wir das essen mit warten verdienen. jetzt wäre es für unsere kinder eigentlich zeit, schlafen zu gehen, doch die wollen nichts davon wissen. wir erlauben ihnen noch eine attraktion. erraten: "it's a small world" zum vierten ...

im gegensatz zu anderen besuchern finden wir unser motorhome auf anhieb wieder. es ist bedeutend hilfreicher, sich die tiere zu merken, die überall als orientierungshilfe auf informationsschildern prangen, statt den wagen des nachbarn. es könnte nämlich sein, dass dieser früher nach hause geht ! kurze zeit später sind wir auf dem RV park und bringen die kinder zu bett. susanne und ich besprechen noch die morgige route, dann verschwinden auch wir im hochbett.


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usa97_0419.html / 10-jun-1997 (ra) / reto ambühler