fr, 18. april 1997:

fahrt mcgrath state beach - los angeles


heute geht's zurück nach los angeles, aber diesmal noch ganz ohne wehmut, denn der urlaub geht ja noch lange nicht zu ende. nach oxnard folgt die strasse direkt dem pazifik. je mehr wir uns los angeles nähern, umso mehr autos sind unterwegs. zwischen malibu und santa monica bewundern wir die herrlichen häuser, welche zum teil auf pfosten unmittelbar über dem wasser thronen. die küste ist hier sehr steil und felsig. ich stelle mir das traumhaft vor: am abend am fenster sitzen und zuschauen, wir der orangrote feuerball am horizont im wasser versinkt. einige wölkchen werden langsam purpur und violet, dann schleicht sich von hinten das dunkel der nacht heran ... meine träume werden von einem jähen "bissi mache" vertrieben ! wie angenehm, einfach alles nötige dabei zu haben. bei der nächsten gelegenheit fahre ich rechts ran, daniel verschwindet im WC im heck des wagens.

wir haben uns entschieden, in los angeles keinesfalls die interstate 5 zu benutzen. von allen autobahnen in L.A. ist interstate fünf mit abstand die schlimmste. es herrscht stets dichter verkehr und vorallem ist die fahrbahn eine katastrophe. in der schweiz wäre eine solche strasse schon längst als unbefahrbar gesperrt worden. manchmal klaffen grosse und tiefe löcher in der fahrbahn, vorallem aber ist jede betonplatte einzel spürbar. im motorhome verursacht dies nicht nur ein unangenehmes holpern, sondern vorallem auch einen riesenlärm. dies ist besonders unangenehm, wenn man die anweisungen des co-piloten unbedingt verstehen muss. susanne und ich sind nämlich im auto (aber nicht nur dort), ein perfekt harmonisierendes team: während ich mich auf den verkehr konzentriere, sucht susanne auf der karte den idealen weg und gibt mir anweisungen, wo ich welche ausfahrt nehmen muss. so haben wir in europa, afrika und in den USA noch jeden ort gefunden, den wir gesucht haben.

bei santa monica verlassen wir unsere geliebte "US #1" und fahren auf der interstate 10 ein kurzes stück ostwärts. auf der interstate 405 fahren wir dann am los angeles internation airport vorbei südwärts. eigentlich wäre ich lieber auf der "number one" weitergefahren, die führt nämlich in einem tunnel direkt unter den pisten des flughafen hindurch. wenn man auf diesen tunnel zufährt, bietet sich einem ein äusserst spektakuläres schauspiel: die riesenvögel schweben zwischen den wolkenkratzer der piste entgegen. dies hat mich jedesmal sehr fasziniert. die US#1 ist aber keine autobahn, es hat alle hundert meter eine ampel, die meistens rot zeigt, so dass man nur langsam voran kommt. darum also interstate 405 bis zum highway 91. dieser führt uns quer durch L.A. direkt nach anaheim. dem erfahrenen amerikareisenden ist klar: anaheim=disneyland. genau da wollen wir morgen hin. die nacht wollen wir auf dem KOA anaheim verbringen. KOA steht für "Kampgrounds of America". dahinter verbirgt sich ein zusammenschluss von privaten campingplätzen, die alle einen gewissen einrichtungs-standard erfüllen. in den verschiedenen reiseberichten und -büchern gehen die meinungen bezüglich KOA sehr auseinander. wir schätzen bei den KOAs vorallem, dass man sich auf einen minimalen standard verlassen kann, insbesondere auch bezüglich sauberkeit. dies war uns vorallem wichtig, als wir mit unserem VW-bus unterwegs waren. wenn man ein motorhome mit eingebauter dusche und eigenem WC hat, ist dies natürlich bedeutend weniger wichtig. als alternative zu den KOAs gibt es die good sam campgrounds. bei diesen kann man aber vom luxusplatz bis zur abbruchhalde alles antreffen. ebenso kann es sein, dass "pets" (also haustiere) oder kinder (!) nicht erlaubt sind ...

kurz nach mittag erreichen wir anaheim. nun müssen wir doch noch einige meter über die interstate 5 fahren, aber das ist nicht weiter schlimm. da wir schon einige male auf dem KOA anaheim waren, brauchen wir keine schilder. es ist fast wie nach hause kommen, es geht ganz wie von selbst. wir schärmen unseren kindern vom schwimmbad - es ist inzwischen gegen dreissig grad warm draussen - und vom spielplatz vor. noch eine letzte kurve von der ball road in die west street. da geht's zum KOA rein. wo ist bloss die riesige tafel, die sonst an der strasse steht ? und überhaupt, was ist den da los ? dort wo das schwimmbecken war, klafft ein riesiges loch im boden ! überall stehen baumaschinen herum ! an der eingangstür zum office hängt ein schild: "CLOSED" ! das darf doch nicht war sein ! man hat uns ein stück heimat geraubt ! ich könnte laut herausschreien. als wir unseren kindern erklären, dass der campingplatz zu sei, beginnt daniel laut zu weinen. allerdings nicht wegen heimatlichen gefühlen, sondern weil er baden wollte. völlig konsterniert stehen wir da - damit haben wir wirklich nicht gerechnet. im KOA verzeichnis ist doch der campingplatz noch aufgeführt ! allerdings hat man uns eines aus dem letzten jahr mitgegeben ...

wir verlassen den ort des schreckens, wissen aber nicht, wohin wir uns nun wenden sollen. wir fahren einmal um den block herum und parkieren schliesslich, um unsere situation zu überdenken. daniel ist völlig frustiert und weint immer noch. schliesslich finden wir im campingplatz-führer einen campground, der ebenfalls in der nähe des disneyland liegt. allerdings werden wir nicht zu fuss gehen können, wie das beim KOA der fall gewesen wäre. etwa eine halbe stunde später sind wir beim orangeland RV park. glücklicherweise hat dieser auch ein schwimmbad und kinder sind geduldet. also einschreiben und dann hinein ins kühle nass. für die kinder ist die welt wieder in ordnung, ich habe den verlust noch nicht ganz weggesteckt. im büro des campingplatzes hat man uns erzählt, disney hätte das land gekauft, auf dem sich der KOA befand, um parkplätze zu bauen ...

erfrischt setzen wir uns später an den tisch und essen etwas. es ist schon mitten im nachmittag. den rest des tages verbringen wir im pool. gegen abend nütze ich die tatsache, dass wir hier strom haben und schalte mein notebook ein. kühle temperaturen gehören nun definitive der vergangenheit an, wir sitzen am abend noch lange draussen.


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usa97_0418.html / 10-jun-1997 (ra) / reto ambühler