donnerstag, 17. april 1997:

refugio state beach: besuch channel island national park


ich erwache um sieben uhr - ausnahmsweise als erster der familie. die heutige bootsfahrt zur insel anacapa war zwar gestern ausgebucht - wir haben deshalb eine reservation für morgen, man hat uns aber gesagt, man würde uns mitnehmen, falls es doch platz hat. susanne und ich stehen deshalb auf, die kinder bleiben noch im bett, während wir zum visitor center des channel island NP fahren. dort frühstücken wir auf dem parkplatz. kurz vor halb neun uhr fragen wir im büro von island packers nach und erfahren, dass es nun doch plätze für uns hat. wir machen uns bereit und können kurz nach neun uhr an bord gehen.

fast alle anderen passagiere gehören zu einer reisegruppe, alle scheinen älter als sechzig jahre zu sein. als wir den hafen verlassen, herrscht dichter hochnebel, aber es ist nicht kalt. nach wenigen hundert metern fahren wir an einer boje vorbei, auf der sich einige seehunde ausruhen. als wir aus der bucht heraus kommen, wird die fahrt rascher. nun bläst auch ein kalter wind, so dass wir unsere jacken überziehen. jetzt werden auch die wellen grösser. da sie von der seite auf unser kleines boot auftreffen, rollt dieses heftig hin und her. unweit von uns sticht ein zweites boot mit schülern in see. plötzlich machen wir eine starke kurve nach links und halten direkt auf das andere schiff zu. der kapitän meldet, dass vom anderen boot aus wale gesichtet wurden. als wir näher kommen, können wir eine mutter mit ihren zwei kälbern erkennen. es sind grauwale, eine nachhut der wale, welche jedes frühjahr von mexiko nach alaska migrieren. der kapitän manövriert unser boot behutsam von hinten an die wale heran, so dass wir ihre rücken einige male gut erkennen können. schliesslich wendet der kapitän unser boot wieder und nimmt erneut kurs auf anacapa.

etwa eine stunde später erreichen wir die inselgruppe, welche aus drei kleinen einheiten besteht. von weitem können wir den charakteristischen gesteinsbogen erkennen, welcher als symbol für den channel island NP steht. ebenfalls gut erkennbar ist der leutturm, der hoch über der insel thront. daneben heben sich die rangerstation, das visitor center und weitere weisse gebäude leutend vom grün der insel ab. das boot landet in einer kleinen bucht. das vulkanische gestein ist gut zu erkennen, zahlreiche löcher bieten ideale nistplätze für die vielen seemöven. während der kapitän geschickt mit hilfe der motoren das boot trotz heftigen wellen gegen die gummipuffer des landungssteges drückt, klettert ein passagier nach dem andern über eine rostige leiter ans ufer. bei dem fortgeschrittenen alter der passagiere ist das nicht immer ganz einfach und dauert entsprechend lange. eine metalltreppe mit 153 stufen bringt uns auf die ebene, wo die häuser stehen. wir gehen mit unseren beiden kinder voraus. vom ende der treppe führt ein knapp 500 meter langer weg zum visitor center. dort hat es etwa ein dutzend tische, wo wir gemeinsam das mittagessen aus dem rucksack geniessen, obwohl es erst kurz nach elf uhr ist. anschliessend führen ein ranger und ein mitglied der schiffsbesatzung zwei gruppen über die wanderwege zu verschiedenen zielen. wir machen uns mit hilfe einer broschüre auf eigene faust auf den weg. die insel ist mit einem dichten pflanzenteppich belegt. blüten leuchten in verschiedenen violet-tönen, aber auch in gelb, weiss und rot. dazwischen wachsen kleinen grässer, welche wie hafer und gerste aussehen. besonders auffallend sind winige, kaum einen halben meter hohe bäume, welche in gruppen über die ganze insel verteilt wachsen. neben den pflanzen fallen uns die vielen vögel auf. am häufigsten sind die seemöven. wie weisse punkte sind sie über die ganze insel verstreut. aber auch in der luft wimmelt es nur so von riesigen möven. daneben hat es zahlreiche pelikane, die einzeln oder in gruppen über die insel gleiten. aber auch schwarze kormorane bevölkern die inseln. wir folgen einem weg, der uns hoch über eine bucht bringt, in welcher seehunde zu beobachten sein sollen. tatsächlich erkennen wir weit unter uns vier oder fünf tiere im wasser, aber der sandstrand ist leer. wir überqueren die wenige hundert meter breite insel zur anderen küste. von einem erhöhten punkt aus können wir die grosse insel im westen erkennen. die kleine insel in der mitte ist wegen der hohen klippen unserer insel gar nicht zu sehen. auch im süden fällt die küste mehr als hundert meter senkrecht ins meer hinab. hier liegen dutzende von seehunden am strand. ihr bellen ist trotz der brandung bis zu uns hinauf hörbar. gegen dreizehn uhr kehren wir zum landungssteg zurück. ein mitglied der bootsbesatzung zeigt verschiedene pflanzen und tiere aus dem meer, z.b. braune algen, verschiedene seesterne, eine meeresgurke und vieles meer. dazu erzählt er wissenswertes über diese lebewesen. kurz vor vierzehn uhr gehen wir wieder an bord. der kapitän steuert das schiff an der "natural bridge" vorbei auf die südseite der insel. wir tuckern an den seehunden vorbei und haben so gelegenheit, einige bilder von ihnen zu schiessen. schliesslich wendet das boot und nimmt kurs auf ventura.

die rückfahrt verläuft ruhig, unsere kinder schlafen beide. wir können pelikane beim fischen beobachten. sie stürzen sich aus 10-20 meter im sturzflug kopfüber ins wasser. gegen halb vier uhr sind wir wieder im hafen. wir stärken uns mit tee oder cafe und fahren dann zum campingplatz zurück. ich spiele mit den kindern noch eine weile fussball, dann geniessen wir im motorhome das abendessen.


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usa97_0417.html / 05-jun-1997 (ra) / reto ambühler