USA8990: 14. Monatsbericht (2.9. bis 3.10.1990)

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USA Flagge

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Oberglatt, 3. Oktober 1990

"Goodbye America, Grüezi Schwiiz !" Mit einem weinenden und einem lachenden Auge stiegen wir am 2. Oktober in "New York" ins Flugzeug nach Zürich. Einerseits ging damit ein herrliches Jahr zu Ende, anderseits freuten wir uns riesig auf ein Wiedersehen mit unseren Familien und Freunden in der Heimat.


Toronto:

Doch unser letzter Reisebericht endete mit der Ankunft in "Toronto". Wir verbrachten den Sonntag mit einem Bummel durch die Wirtschafts- und Handelsmetropole Kanadas. Dabei besuchten wir das hochmoderne Einkaufszentrum "Harbourfront" am Ufer des riesigen "Lake Ontario" und bewunderten die Stadt vom "Canada-Tower", dem angeblich höchsten freistehenden Gebilde der Welt. Die Aussichtsplattform befindet sich 447 m über Grund, die Spitze der Antenne ragt gar 553 m in den Himmel.

Downtown Toronto, Kanada Canada-Tower in Toronto, Kanada Blick vom Canada-Tower auf das Stadtzentrum von Toronto, Kanada
Stadtzentrum von Toronto

New England:

Am darauffolgenden Montag war "Labor Day" ("Tag der Arbeit"). Dies ist einer der wenigen Tage, an dem in Kanada und in den USA sämtliche Geschäfte und Büros geschlossen sind. Wir folgten dem "Lake Ontario" ostwärts und überquerten später den "Lorenz Strom". Auf der Fahrt nach "Merrimack", wo wir Cheryl treffen wollten, durchquerten wir den Staat "Vermont", der für seine schönen Wälder, Hügel und zahlreichen Skigebiete berühmt ist. Am 5. September schloss sich mit der Ankunft in "Merrimack" unsere Rundreise durch die USA. Wir verbrachten die kommenden Tage mit Abklärungen zur Heimreise. Ueber das Wochenende campierten wir mit einigen DEC-Kollegen in den "White Mountains", wo wir am Samstag auf einer "alpinen Rutschbahn" unseren Spass hatten und am Sonntag eine schöne Wanderung unternahmen. Am Dienstag lösten wir auch noch das letzte Problem unserer Heimreise, die Heimschaffung unseres Gepäckes. Auf Grund der schlechten Erfahrungen auf dem Hinweg, wollten wir die für uns wertvollen Sachen wie Bücher, Broschüren und Dias nicht im Wagen lassen. Schliesslich konnten wir mit der Swissair einen Koffer und unsere neu erstandene "Schatzkiste" zu einem angemessenen Preis heimschicken lassen. Schon zwei Tage später konnten Retos Eltern das Gepäck in Kloten in Empfang nehmen.

Kearsarge North Mountain, New Hampsire
Kearsarge North Mountain
Susanne Ambühler auf der Alpine Slide in Bartlett
Alpine Slide in Bartlett
Reto, Susanne, Ray, Bill und Cheryl in Bartlett, New Hampsire
Reto, Susanne, Ray, Bill und Cheryl

New York:

Wir hatten uns inzwischen von unseren Freunden in "New Hampshire" und "Massachusetts" verabschiedet und erreichten am 14. September "Long Island", eine schmale Landzunge östlich von "New York". Der äusserste Zipfel wird von wohlhabenden Leuten bewohnt, was an den prächtigen Häusern mit den grossen und herausgeputzten Gärten unschwer zu erkennen war. Doch je mehr wir uns "New York City" näherten, desto mehr reihten sich einfachere Wohnhäuser aneinander und umso schmutziger wurden die Strassen und Hinterhöfe. Wir richteten uns auf einem schönen staatlichen Campingplatz ein und verbrachten einen strahlenden Tag am Sandstrand von "Long Island". Der Atlantik hatte eine angenehme Temperatur und lud zum Baden ein. Angesichts der Nähe der Millionenstadt "New York" war das Wasser erstaunlich sauber. Das Wochenende verbrachten wir dann in "New York City", wobei wir jeweils mit der Eisenbahn ins Stadtzentrum fuhren. Am Samstag besuchten uns Bill und Cheryl nochmals. Wir bummelten durch den leider etwas pflegebedürftigen botanischen Garten und verbrachten den Abend in "Chinatown". Am Sonntag nahmen wir an einer sogenannten "Gospel Harlem Tour" teil. Susanne war es zwar gar nicht geheuer, als wir mit einem Taxi ins Schwarzenviertel "Harlem" fahren mussten und auch der Taxifahrer fand unser Ziel sehr unpassend. Doch es zeigte sich rasch, dass man sich in "Harlem" - zumindest tagsüber - nicht mehr zu fürchten braucht, als sonstwo in "Manhattan". Das Schwarzenviertel ist allerdings in einem schlimmen Zustand. Viele der Häuser sind halbzerfallen, es gibt kaum eine intakte Fensterscheibe. Der Besuch des Gottesdienstes war dafür sehr ergreifend. Besonders der grosse Chor und die Solosängerinnen gefielen uns ausgezeichnet. Sehr ungewohnt dagegen war das Kommen und Gehen und das Klatschen der Anwesenden. Diese spendeten nicht nur am Ende eines Liedes Beifall, sondern spornten die Solosängerinnen während ihrer Darbietungen an. Wir hatten den Eindruck, gewisse Besucher fielen zeitweise in einen trance-ähnlichen Zustand. Den Rest des Tages verbrachten wir im "Central Park".


Pennsylvania Dutch Country:

Am 17. September setzten wir unsere Reise in südlicher Richtung fort. Wir verbrachten zwei Tage im sogenannten "Pennsylvania Dutch Country" ("Dutch" steht hier nicht für "holländisch", sondern ist eine misslungene, amerikanische, phonetische Nachbildung für "deutsch"). Hier leben Nachkommen von im Laufe des 17. Jahrhunderts aus Glaubensgründen nach "Pennsylvania" geflüchteten, deutschsprachigen Europäern, denn hier herrschte schon damals absolute Glaubensfreiheit. Besonders berühmt sind die als "Amische" bezeichnete Siedler, die sämtliche Errungenschaften der modernen Technik, wie Auto, Strom, Telefon usw. ablehnen. Sie leben als einfache Bauern und führen ein sehr religiöses Leben. Sie haben ein eigenes Schulsystem, bei dem die Kinder acht Jahre lang ein sogenanntes "One-Room-Schoolhouse" ("Ein-Zimmer-Schulhaus") besuchen. Während wir durch die Landschaft fuhren, begegneten uns zahlreiche Pferdewagen, die von den "Amischen" noch heute als einziges Transportmittel benutzt werden. Die Leute tragen eine für unser Empfinden altmodische Kleidung. Die Männer haben stets einen Hut auf und dürfen sich, sobald sie verheiratet sind, nicht mehr rassieren. Auf den grossen Bauernhöfen wird Wind- und Wasserkraft genutzt. Um die Häuser herrscht meistens eine auffallende und für unsere Augen wohltuende Ordnung. Die "Amischen" haben eine wohlorganisierte soziale Struktur, sowohl in der Familie, wie auch in der Gemeinde. Ueblicherweise leben mindestes drei Generationen auf einem Hof, wobei die mittlere Generation sowohl für die Kinder als auch für die Eltern sorgt. Da die "Amischen" keine Kirchen haben, findet der Gottesdienst jeweils auf einem der Höfe statt. Neben den "Amischen" leben auch weniger Strenggläubige in dieser Gegend. Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen scheint uns für die amerikanische Toleranz gegenüber Andersgesinnten sehr typisch zu sein.

Amischer Bauernhof im Pennsylvania Dutch Country
Amischer Bauernhof
Amisches Schulhaus im Pennsylvania Dutch Country
Amisches Schulhaus
Amischer Pferdewagen im Pennsylvania Dutch Country
Amischer Pferdewagen

Washington D.C.:

Am 20. September ging unsere Reise weiter zur Hauptstadt der USA: "Washington D.C." ("D.C." steht für "District of Columbia"). Pierre-Charles L'Enfant, ein Major französischer Abstammung, wurde 1791 mit der Planung der Hauptstadt beauftragt. Neun Jahre später waren die Gebäude soweit fertiggestellt, dass der Kongress zum ersten Mal in "Washington" tagen konnte. Auch wenn die Stadt heute weit über 600000 Einwohner zählt, so ist das ursprüngliche Konzept von L'Enfant immer noch zu erkennen. Das Regierungsgebäude, genannt "U.S. Capitol", bildet das Zentrum der Stadt. Die Strassen sind rechtwinklig angeordnet, dazu kommen mehrere, vom "Capitol" ausgehende, sternförmige Avenues, die uns die Orientierung in "Washington" nicht immer ganz einfach gemacht haben. Die wichtigsten Gebäude in "Washington" sind als Kreuz angelegt. Am östlichen Ende steht das "Capitol", diesem gegenüber das "Lincoln Memorial". Das südliche Ende des Kreuzes bildet das "Thomas Jefferson Memorial", das nördliche das berühmte "Weisse Haus". im Zentrum des Kreuzes ragt das 150 m hohe "Washington Memorial" in den Himmel. Alle Gebäude sind mit breiten Wiesenstreifen verbunden, so dass man stets das "Washington Memorial" und das gegenüberliegende Gebäude sehen kann. Während unserem Aufenthalt in "Washington" besuchten wir unter anderem das "Weisse Haus" und das "Capitol", wo schon mancher Entscheid gefällt wurde, der das ganze Weltgeschehen entscheidend beeinflusst hat. Beide Häuser sind, wie es für die Amerikaner typisch ist, mit schweren, antiken Möbeln eingerichtet. Auch die verschiedenen "Memorials", die zu Ehren herausragender Präsidenten errichtet wurden, besichtigten wir. Besonders gefiel uns dasjenigen zu Ehren George Washingtons, dem ersten Präsidenten der USA, von dessen Turmspitze wir einen herrlichen Rundblick über die ganze Stadt hatten.

N
Blick auf das White House vom Washington Memorial in Washington D.C.
White House
W Blick auf das Lincoln Memorial vom Washington Memorial in Washington D.C.
Lincoln Memorial
Washington Memorial in Washington D.C.
Washington Memorial
Blick auf das Capitol vom Washington Memorial in Washington D.C.
Capitol
O
Blick auf das Thomas Jefferson Memorial vom Washington Memorial in Washington D.C.
Thomas Jefferson Memorial
S

Ebenfalls sahen wir das "Vietnam Memorial", wo auf einer schwarzen Marmorwand die Namen von über 58000 gefallenen und vermissten Soldaten eingraviert sind. Vorallem aber besuchten wir die zahlreichen Museen. Im "National Air and Space Museum" bewunderten wir verschiedene berühmte Flugzeuge und liessen uns in mehreren Filmen auf einer riesigen Leinwand die Faszination des Fliegens näher bringen. Im "National Museum of Natural History" wurde die Entstehung und Entwicklung des Lebens gezeigt. Ein Lieblingsthema der Amerikaner ist in diesem Zusammenhang das Zeitalter der Dinosaurier. Ebenfalls sehr interessant war die Ausstellung über die Entwicklung des Menschen und seiner zahlreichen Kulturen, insbesondere in Afrika, Südamerika und Asien. Aber auch die "Swiss Lake People" (Pfahlbauer) fanden Erwähnung ! Nicht entgehen liessen wir uns eine Führung durch den Hauptsitz des "F.B.I." und einen Besuch des Nationalfriedhof "Arlington Cemetery", wo sich neben dem Grab des Unbekannten Soldaten auch die letzte Ruhestätte von John F. Kennedy und eine Gedenkstätte für die Opfer des "Challenger"- Unglücks befinden. Im "National Zoo" bestaunten wir unter anderem einen weissen Tiger und die herzigen, grossen Pandas, die die Amerikaner vor einigen Jahren von der chinesischen Regierung geschenkt erhielten. In der "National Galery of Art" streiften wir durch die reiche Bilder- und Plastiken-Ausstellungen mit Werken berühmter Künstler.

Jefferson Memorial in Washington D.C.
Jefferson Memorial
Vietnam Memorial in Washington D.C.
Vietnam Memorial
Lincoln Memorial in Washington D.C.
Lincoln Memorial
Susanne auf den Stufen des Lincoln Memorial in Washington D.C.
Susanne
Vietnam Memorial in Washington D.C. (zufällig ausgewählter Ausschnitt)
Vietnam Memorial
Abraham Lincoln im Lincoln Memorial in Washington D.C.
Abraham Lincoln
White House (Weisses Haus) in Washington D.C.
White House
(Weisses Haus)
Hauptsitz des F.B.I. in Washington D.C.
Hauptsitz des F.B.I.
Capitol in Washington D.C.
Capitol
Grabmal von John F. Kennedy auf dem Arlington National Cementry in Washington D.C.
Grabmal von John F. Kennedy auf dem Arlington National Cementry
Grabmal der Challanger Astronauten auf dem Arlington National Cementry in Washington D.C.
Grabmal der Challanger Astronauten auf dem Arlington National Cementry
Grab des Unbekannten Soldaten auf dem Arlington National Cementry in Washington D.C.
Grab des Unbekannten Soldaten auf dem Arlington National Cementry
Flyer der Gebrüder Wright im National Air and Space Museum, Washington D.C.
Flyer der Gebrüder Wright
Charles Lindbergh's Spirit of Saint Louis im National Air and Space Museum, Washington D.C.
Charles Lindbergh's Spirit of Saint Louis
Raketenflugzeug X15 im National Air and Space Museum, Washington D.C.
Raketenflugzeug X15

Shenandoah National Park:

Unterbrochen wurde unser Aufenthalt in "Washington D.C." durch einen dreitägigen Abstecher in den nahen "Shenandoah National Park". Im Gegensatz zu den Nationalparks im Westen der USA, die errichtet wurden, um Tiere und Landschaften zu schützen, wurde dieser Park 1935 gegründet, damit die Oststaaten "auch einen Nationalpark hatten ...". Das Land auf dem "Blue Ridge" genannten Hügelzug wurde vor der Errichtung des Nationalparkes intensiv land- und forstwirtschaftlich genutzt. Der Staat "Virginia", in dem der "Shenandoah National Park" liegt, kaufte die Grundstücke von den zahlreichen Bauern zurück und schenkte es dem "National Park Service". Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Vegetation grösstenteils erholt und mit wenigen Ausnahmen ist der ganze Hügelzug wieder von einem dichten Mischwald bedeckt, so wie er war, als die ersten Europäer auf dem amerikanischen Kontinent eintrafen. Der "Shenandoah National Park" ist deshalb heute nicht nur ein wichtiger Erholungsraum für die Bewohner der Ostküste, sondern gilt auch als Symbol der Natur, die sich selbst nach grober Uebernutzung durch den Menschen wieder erholen kann. Wir genossen die wunderschönen Tage bei herrlichem Herbstwetter in der grünen Oase, nur 100 km von "Washington D.C." entfernt.

Blue Ridge Highway im Shenandoah NP
Blue Ridge
Wiesenlandschaft im Shenandoah NP
Wiesenlandschaft
Unser "Jogi" auf dem Blue Ridge Highway im Shenandoah NP
Unser "Jogi" auf dem
Blue Ridge Highway
White Tail Deer (Weisswedelhirsch) im Shenandoah NP
White Tail Deer
(Weisswedelhirsch)
Reto beim Anfeuern im Shenandoah NP
Anfeuern zum ...
Susanne beim Grillieren im Shenandoah NP
... grillieren

Der Rest unserer Reise ist rasch erzählt: Am 1. Oktober lieferten wir unseren treuen Joker im Hafen von "Wilmington" im Staate "Delaware" für den Rücktransport nach Emden ab. Noch am gleichen Tag fuhren wir mit der Eisenbahn nach "New York", wo wir in einem Hotel am Flughafen übernachteten. Am nächsten Abend reisten wir an Bord eines "Jumbo Jet" der Swissair zurück in unsere Heimat ...

Reto und Susanne

Damit endet die Berichterstattung unserer Hochzeitsreise. Doch bevor wir ganz schliessen, möchten wir einige Gedanken zu Papier bringen, die im Laufe der vergangenen vierzehn Monate aufgekommen sind. Dazu möchten wir allerdings ausdrücklich festhalten, dass die nachfolgenden Aussagen, genau wie auch die Reiseberichte, unsere ganz persönlichen Ansichten widerspiegeln. Jede und jeder Amerikareisende wird wieder andere Eindrücke mit nach Hause bringen. Wir haben auch im Gespräch mit den verschiedenen Europären festgestellt, dass wir in gewissen Dingen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, während bei anderen Sachen die Erlebnisse verschieden waren. Vieles mag auch sehr allgemein klingen. Natürlich soll man nicht von einem einzelnen Erlebnis auf eine ganze Nation schliessen, aber im Laufe von vierzehn Monaten konnten wir doch einige Erfahrungen sammeln, die zumindest in gewissen Bereichen eine allgemeine Tendenz aufzeigten. Wir möchten deshalb zu einigen Fragen, die immer wieder aufgetaucht sind, Stellung nehmen, Vorurteile, die man oft hört, bestätigen oder widerlegen und einfach sonst einige allgemeine Anmerkungen anbringen ...

"Das Essen in Amerika ist katastrophal !"

Unsere erste Reaktion auf eine solche Behauptung wäre, "es ist noch viel schlimmer !". Doch wenn man die Situation genauer betrachtet, so muss man diese Aussage etwas differenzieren. Es bestehen grosse Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen. In "New England" (Nordosten der USA) haben wir stets gut gegessen. Dies lag zum einen an der fachkundigen Führung von Cheryl, zum anderen am Angebot, das uns Europäern deutlich näher lag, als beispielsweise in "Florida". Es ist aber auch so, dass in Grossstädten die Auswahl bedeutend vielfältiger ist, als irgendwo im Niemandsland. In den Städten gibt es Gerichte aus allen Ländern der Welt. Uns hat vorallem die chinesische und indische Küche zugesagt. Da wir alles, was aus dem Meer oder See kommt, nicht mögen, können wir leider nicht beurteilen, ob das überall sehr gelobte "Seafood" wirklich so gut ist, wie man behauptet.

Das Hauptproblem der amerikanischen Ernährung scheint uns aber weniger das Essen als solches zu sein, sondern die Art und Weise, wie es eingenommen wird. Die "Fast Food Restaurants" im Stil von "McDonalds" haben nicht in erster Linie mit ihren "Burgers" die Esskultur zerstört, sondern mit der Idee, dass das Essen möglichst schnell eingenommen werden muss. Eine Steigerung der Stehbar ist das "Drive thru window", wo man nicht einmal mehr aus dem Wagen steigen muss, um ans Essen heranzukommen. Durch das Wagenfenster wird einem Burger, Chips und Cola gereicht, was man dann auf der Rückfahrt ins Büro auch noch gleich im Auto zu sich führt. Genau so schlimm finden wir aber die Tatsache, dass alles in Wegwerfgeschirr "serviert" wird. Dies führt in Amerika zu einem unverhältnismässig grossen Abfallberg. In einem Artikel des Magazins "Time" war zu lesen, dass die Amerikaner, die 4% der Weltbevölkerung ausmachen, 25% der weltweiten Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung verursachen. Die durch die "Fast Food Restaurants" eingeführten Essgewohnheiten haben sich auf das ganze Leben ausgeweitet. Das Essen als Anlass zum gemütlichen Zusammensein hat seine Bedeutung fast völlig verloren. Einen nett gedeckten Tisch, oder ein schön angerichtetes Mahl gibt es kaum. Die einseitige Ernährung, zusammen mit einer Lebensweise, die möglichst jede körperliche Anstrengung vermeidet, hat in den USA dazu geführt, dass der Herzinfarkt zur häufigsten Todesursache geworden ist.

" In Amerika muss man eine Kreditkarte haben, denn wer mit Bargeld bezahlen will, gilt als suspekt !"

Dies ist wohl eine der meistverbreiteten Irrtümer über die USA. Es ist zwar richtig, dass es einem sehr hilft, wenn man eine Kreditkarte hat, aber absolut notwendig ist es nicht. Bargeld wird überall problemlos akzeptiert, allerdings kann es Schwierigkeiten geben, wenn man mit Noten grösser als zwanzig Dollar bezahlen will. Bei vielen Tankstellen ist beispielsweise das Benzin billiger, wenn man bar bezahlt. Die Kreditkarte ist überall dort von Vorteil, wo man ein Depot hinterlegen muss, z.B. Automiete, Hotels (für das Telefon) u.s.w. weil dort einfach ein Abzug der Karte gemacht wird. Hat man keine, muss man manchmal einen recht hohen Betrag in bar hinterlegen.

Am weitesten verbreitet sind "Mastercard" und "Visa". Mit diesen kann man auch bei den meisten Banken Bargeld beziehen. "American Express" ist etwas weniger verbreitet, wo ein "Amexco"-Zeichen klebt, muss man im Allgemeinen mit etwas höheren Preisen rechnen.

"Amerikaner sind viel bessere Autofahrer als Europäer !"

Aus unserer Sicht ebenfalls ein weit verbreiteter Irrtum. Wenn wir in den USA auf den Autobahnen jeweils versuchten, uns an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu halten, so waren wir stets die einzigen. Dennoch ist das Autofahren in den USA bedeutend angenehmer als in der Schweiz. Dies liegt aber vorallem daran, dass man in Amerika dem Autofahrer soweit wie nur irgend möglich entgegen kommt. Während in Zürich die Hauptverkehrsadern von vier auf zwei Spuren reduziert werden, fügt man in "Los Angeles" zu den bestehenden zehn Spuren halt noch vier dazu oder baut daneben eine zweite Autobahn, was zur scheinbaren Entspannung der Situation führt. Man kann sich darüber streiten, welche Methode die bessere ist. Dazu kommt, dass man ausserhalb der Ballungszentren schon bald fast alleine auf der Strasse ist. Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass das Fahren in den USA im allgemeinen entspannter, ruhiger und angenehmer ist. Auf der anderen Seite gibt es in Amerika fast keine öffentlichen Verkehrsmittel. Ausser in wenigen Städten haben wir keine brauchbare Möglichkeit gefunden, uns ohne unseren Wagen fortzubewegen. Die Smogglocke über "Los Angeles" führte uns die Auswirkungen einer solchen Verkehrspolitik deutlich vor Augen.

"Amerikaner sind sehr freundlich !"

In dieser Beziehung könnten wir Europäer tatsächlich noch viel von den Amerikanern lernen. Ob man in einem Supermarkt an der Kasse steht, ein Restaurant betritt oder sich auf der Strasse oder auf einem Wanderweg begegnet, stets haben die Amerikaner eine freundliche Begrüssung und einige nette Worte auf den Lippen. Dass eine Unterhaltung so rasch enden kann, wie sie begonnen hat, hat uns zwar manchmal etwas gewundert und mag vielleicht mit dazu beigetragen haben, dass man die Amerikaner häufig als oberflächlich bezeichnet. Doch wir haben den Eindruck, sie tragen diesen Ruf zu unrecht. Zahlreiche Erlebnisse bestätigen dies, ganz besonders aber das Erlebnis im "Big Bend NP", als der Oeldruckschalter unseres Jokers undicht wurde. Während die europäischen Touristen mit einem mitleidigen Lächeln meinten, "so, händ er Problem ?", erschienen die Amerikaner mit Werkzeugkisten und legten selbst Hand an. Wir erlebten auch immer wieder, dass uns Amerikaner auf einem Campingplatz ansprachen und meinten: "Erinnert ihr euch noch, wir haben euch schon vor einigen Tagen dort und dort gesehen ?" Mit wenigen Ausnahmen, haben wir die Amerikaner als ein sehr liebenswürdiges Volk kennen und schätzen gelernt, auch wenn sie uns - zugegebenermassen - manchmal mit gewissen Marotten ein wenig auf die Nerven gingen. Eine dieser unangenehmen Eigenschaften ist der Hang zu Versprechungen, die später leider oft nicht eingehalten werden. Dies gilt ganz besonders für die äusserst aggressive Werbung ...

"Die Erfindung des Nationalparks war die beste Idee, die die Amerikaner je hatten !"

Dieser Aussage, die übrigens in einer Broschüre eines amerikanischen Nationalparks zu lesen war, können wir mit voller Ueberzeugung beistimmen, ohne sie dabei bösartige gemeint zu haben. Es ist bestimmt nicht die einzige positive Errungenschaft in den USA, aber es ist die herausragende. Dabei sind die Nationalparks nur ein Teil einer noch viel weitergehenden Idee, nämlich der Errichtung von "public land" ("öffentlichem Land"). Der Staat besitzt in den USA eine grosse Menge Land, das verschiedenartig genutzt wird. So gibt es eben die "National Parks" (NP) und "National Monuments" (NM), die dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt, sowie einmaliger Naturwunder dienen. Daneben gibt es zum Beispiel auch "National Seashores" (geschützte Küsten), "National Underwater Parks" (Unterwasserparks), "National Forests" (Wälder) oder sogenannte "Recreation Areas" ("Erholungsgebiete"). Aber auch die einzelnen Staaten haben "State Parks" errichtet, die mehr regionaler Bedeutung, aber nicht weniger attraktiv sind. Grundgedanke ist immer der gleiche, es ist Land, das vom Staat verwaltet wird und jederman im Rahmen gewisser Regelungen zur Verfügung steht. Ein Gedanke, den wir Europäer leider verpasst haben. Aber nicht nur die Tatsache, dass es die Amerikaner gerade noch rechtzeitig geschafft haben, intakte Landschaften vor der Zerstörung durch die Zivilisation zu retten, ist bewunderswert, sondern auch die Art und Weise, wie sie es machen. Der "National Park Service", der die NP und NM verwaltet, hat uns sehr beeindruckt. Mögen die Ranger mit ihrer berühmten Uniform auch von gewissen Leuten belächelt werden, unserer Meinung nach leisten sie eine grossartige Arbeit. Dazu kommen zahlreiche Broschüren, Lehrpfade und vieles mehr, was uns den Aufenthalt in den Parks stets angenehm und lehrreich gemacht hat. Für uns waren die NP die Attraktion der USA ...

"Das Leben in der Schweiz ist viel teurer als in Amerika !"

Ein Vorurteil, das wir von vielen Amerikanern zu hören bekamen. Dabei hängt es aber sehr davon ab, was man vergleicht. Natürlich sind wir Schweizer mit einem mehr als doppelt so hohen Benzinpreis in dieser Beziehnung stark im Nachteil. Ueberhaupt sind die Autos in den USA viel billiger. Selbst ein Joker, der in der Schweiz vor einem Jahr sFr. 43'500.-- kostete, ist in den USA für $20'000.-- zu haben, eine Tatsache, die uns - milde ausgedrückt - erstaunt hat. Auch viele andere Produkte aus Europa sind in den Staaten viel billiger. Gerne vergleichen die Amerikaner auch den Preis eines Kaffees. In Amerika kostet dieser zwischen sFr. -.60 und 1.--. Dabei wird in allen Restaurants die Tasse beliebig oft kostenlos nachgefüllt. Noch schlechter schneiden wir ab, wenn man ein Mittagessen vergleicht. Im "McDonalds" erhält man Burger, Chips und Cola für knapp zwei Dollar. Wenn wir dann jeweils erzählen, für ein Mittagessen würden wir mindestens sFr.  10.-- bezahlen, so können die Amerikaner dies kaum glauben. So gesehen, lässt sich das obige Vorurteil natürlich schlecht widerlegen. Doch wenn wir dann in den USA einkaufen gingen und versuchten, so gesund wie möglich zu essen, so sah die Situation etwas anders aus. Gemüse und Frischprodukte waren mindestens so teuer wie daheim, Fleisch dagegen eher günstiger. Zusammenfassend betrachtet, war für uns der Lebensunterhalt in den USA nicht billiger, als zu Hause.

"Wo oder was hat euch am besten gefallen in Amerika ?"

Diese Frage hat uns fast jeder Amerikaner gestellt, mit dem wir uns unterhalten haben. Wir sind ihr jeweils mit der Antwort ausgewichen, es sei überall schön und die Landschaften seien eben sehr verschieden. Dennoch gibt es natürlich einige Regionen, Staaten und Nationalparks, die uns besonders beeindruckt haben. Für uns waren die herausragenden Staaten "Alaska", "Arizona", "California", "Colorado", "Hawaii", "New Mexico" und "Utah". Bei den Nationalparks stehen auf unserer Rangliste zuoberst "Big Bend NP" (Texas), "Denali NP" (Alaska), "Grand Canyon NP" (Arizona), "Hawaii Volcanoes NP" (Hawaii), "Rocky Mountains NP" (Colorado), "Yellowstone NP" (Wyoming). Dabei haben wir die Staaten und Nationalparks in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt, denn den schönsten Staat oder Park zu nennen, erscheint uns unmöglich. Ebenfalls unvergesslich sind aber auch die Tage in den verschiedenen Skigebieten.

"Was hättet ihr rückblickend anders gemacht ?"

Nicht viel. Die Route, die wir nun tatsächlich gefahren sind, hat zwar mit dem ersten Entwurf höchsten noch den Ausgangsort gemeinsam, was darauf hindeutet, dass wir unsere Pläne fortlaufend geändert haben. Doch dies war ja einer der Hauptvorteile der Art, wie wir gereist sind. Es hat sich im Laufe der Reise aber gezeigt, dass wir eigentlich immer zu einer guten Zeit in den verschiedenen Regionen unterwegs waren.

Etwas hätten wir aber rückblickend bestimmt anders gemacht, sofern uns die nötigen Mittel zur Verfügung gestanden wären. Statt unseren "alten" Joker in die USA zu verschiffen, würden wir in den Staaten einen nagelneuen Joker kaufen. Den Grund könnt ihr im Abschnitt "Das Leben in der Schweiz ist viel teurer als in Amerika" nachlesen.


Ganz zum Schluss seien mir, Reto, auch noch einige statistische Angaben zu unserer Reise erlaubt:

Mit dem Joker gefahrene Strecke  . . . : ca. 78'000 km
Durchschnittlicher Benzinverbrauch . . :         13 l/100 km
Gesamtlänge unserer Wanderungen  . . . :        726 km
Anzahl besuchter Staaten in den USA  . :         44 (plus Washington D.C.)
Anzahl besuchter National Parks  . . . :         40
Anzahl besuchter National Monuments  . :         18
Durchschnittliche Ausgaben pro Tag . . : ca. 140.-- sFr. (alles inbegriffen)

Damit geht die Reihe unserer Reiseberichte zu Ende. Wir werden in den nächsten Tagen damit beschäftigt sein, unser neues Heim einzurichten. Ganz zu Ende ist unsere Hochzeitsreise allerdings erst, wenn wir Ende Oktober in Emden unseren Joker abgeholt und in die Schweiz zurückgeführt haben.


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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa9009.html (überarbeitete Version) / 25-Apr-2009 (ra) / reto ambühler