USA8990: 13. Monatsbericht (30.7. bis 1.9.1990)

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Toronto, 1. September 1990

... "Grizzly on the left, grizzly on the left !", schreit plötzlich jemand in den vorderen Sitzreihen des gelben Autobusses. Der Wagen stoppt abrupt, alle Passagiere kleben an den Fenstern. "Wo, wo ?" hört man die Leute aufgeregt fragen. Mit Feldstechern und von blossem Auge starrt jeder in die Richtung, in die einige Hände zeigen. Man hört Videokameras surren und Photoapparate klicken. Doch schon bald ist der Bär verschwunden, der Bus setzt sich wieder in Bewegung und holpert weiter über die staubige Strasse ...


Denali National Park:

Solche aufregende Erlebnisse hatten wir einige, doch lasst uns unseren Aufenthalt im "Denali National Park" der Reihe nach erzählen. Da sich dieser Nationalpark von den übrigen Parks in den USA in vielen Dingen unterscheidet, möchten wir versuchen, ihn etwas detaillierter zu beschreiben. Der Park liegt im Innern von "Alaska" und bietet zwei Hauptattraktionen an: "Mount McKinley", den höchsten Berg Nordamerikas (6194 m) und Wildtiere. "Mount McKinley" wird oft auch einfach "der Berg" genannt. Bei den Indianern hiess er "Denali", zu Deutsch, "der Grosse". "Mount McKinley" gehört zur "Alaska Range", einem Gebirgszug, der sich quer durch den Park zieht und zahlreiche Gletscher beheimatet. Bei den Tieren stehen vorallem Karibus, Wölfe, Elche, Grislybären, Dallschafe und Erdhörnchen im Vordergrund. Wie bereits im letzten Bericht angetönt, gibt es nur eine einzige Strasse in den Park hinein. Sie führt vom Ostrand, wo sich das "Visitor Access Center" befindet, vorbei am "Teklonika River Campground" (46 km) und dem "Eielson Visitor Center" (100 km) zum "Wonder Lake" (136 km). Die ersten 15 km der Strasse sind asphaltiert und jedermann zugänglich. Um weiter in den Park hinein zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel für etwa $30 mit einem Tourbus knapp 100 km weit in den Park hineinfahren. Kurz vor dem "Eielson Visitor Center", an einer Stelle, wo man den "Mount McKinley" sehr schön sehen kann (falls das Wetter gut ist), hat man einen kurzen Aufenthalt, dann geht es zum Parkeingang zurück. Gemäss Parkbroschüre ist "der Berg" aber während drei von vier Tagen von Wolken umhüllt ... Man kann aber auch mit einem der gelben Busse unentgeldlich in den Park hineinfahren. Die Fahrt vom Parkeingang zum "Wonder Lake" und zurück dauert etwa zehn Stunden. Am See am Ende der Strasse hat man 20 Minuten Aufenthalt. Einige Busse wenden allerdings bereits beim "Eielson Visitor Center", so dass die Rundreise nur etwa sechs Stunden dauert. Das grosse Problem bei diesen Bussen liegt darin, dass sie nur in einer beschränkten Anzahl zur Verfügung stehen und die meisten Plätze bereits am Vortag vergeben sind. Als letzte Möglichkeit kann man sich für mindestens drei Nächte auf dem "Teklonika River Campground" anmelden. Wenn man einen Platz erhält, so darf man mit dem eigenen Auto bis zum Campingplatz fahren. Dort muss man den Wagen stehen lassen, bis man wieder zum Eingang zurückfährt. Man ist deshalb ebenfalls auf die gelben Busse angewiesen und wäre hoffnungslos verloren, gäbe es nicht sogenannte "Swing Busses", die am Parkeingang leer losfahren und erst unterwegs Passagiere einsteigen lassen. Diese einschränkenden Massnahmen haben dazu geführt, dass die Natur im "Denali National Park" als praktisch unverändert bezeichnet werden kann. Dies wird durch die Tatsache bekräftigt, dass hier noch zahlreiche Wölfe leben. Diese Tiere gelten als extrem menschenscheu. Man sagt, dass Wölfe ein guter Hinweis auf eine intakte Wildnis seien. Das Parkgebiet ist in 43 Zonen eingeteilt. Einige dieser Zonen sind dauernd geschlossen, weil sich dort stets Tiere - vorallem Wölfe und Bären - aufhalten. Andere Zonen werden nach Bedarf geschlossen, so dass die Wildtiere möglichst ungestört bleiben. Wer im Hinterland wild campieren will, muss eine Bewilligung dazu haben. Für jede Zone werden nur wenige Bewilligungen ausgestellt. Will man sich im "Denali National Park" auf eine Wanderung begeben, muss man sich seinen Weg durch die Tundra selber suchen, denn es gibt im ganzen Park keinen einzigen Wanderweg. Auch dies ist ein grosser Unterschied zu den anderen Parks, wo man stets auf Schilder trifft, die einen auffordern, den Pfad nicht zu verlassen.

Parkstrasse im Denali NP
Parkstrasse
Shuttle Bus im Denali NP
Shuttle Bus
Susanne und unser Jogi auf dem Teklonika River Campground im Denali NP
Teklonika River Campground

Am 30. Juli starteten wir also zu unserem Abenteuer "Denali National Park", das sich als ein besonderer Höhepunkt unserer USA-Reise entpuppte. Als wir am späten Nachmittag auf dem Campingplatz eintrafen, gab es bereits eine erste Ueberraschung. Auf dem Platz stand der grüne VW-Bus von Susanne und Matthias, die wir vor einigen Wochen im "Yellowstone National Park" getroffen hatten. Wir verbrachten den Abend gemeinsam, dabei durften wir von den herrlichen Heidelbeeren kosten, die sie am "Wonder Lake" gesammelt hatten. Diesmal wurden die beiden von Matthias' Mutter begleitet. Fast alle langzeitreisenden Schweizer hatten für einige Wochen ihre Eltern zu Besuch, eine schöne Sitte, wie wir aus eigener Erfahrung bestätigen können. Sie waren jedoch bei weitem nicht die einzigen Landsleute, die wir hier trafen. Die Schweizer machten die Mehrheit der ausländischen Touristen aus, fast täglich konnten wir uns in den Bussen mit jemandem in unserer Muttersprache unterhalten. Am nächsten Tag standen wir um neun Uhr an der Strasse, um mit einem Bus zum "Eielson Visitor Center" zu fahren. Dabei mussten wir bereits zum ersten Mal erleben, wie schwierig es war, in einen solchen Bus zu kommen. Beim dritten Anlauf klappte es. Wie die meisten Passagiere starrten wir angestrengt aus den Fenstern, in der Hoffnung, einen Bären zu entdecken. Tatsächlich stoppte der Bus auch schon nach wenigen Kilometern, allerdings nicht wegen einem Bären, sondern weil jemand hoch in den Felsen Dallschafe entdeckt hatte. Von blossem Auge waren sie nicht mehr als weisse Punkte, doch mit dem Feldstecher konnte man sie gut erkennen. Nach einigen Minuten setzte sich der Bus wieder in Bewegung. Doch schon kurz danach schrie jemand "Bär !". Nur wenige hundert Meter von der Strasse entfernt streifte eine Mutter mit ihren zwei Jungen durch die Büsche. Wir schauten ihnen nach, bis sie zwischen den Büschen verschwunden waren und fühlten uns unheimlich glücklich, schon am ersten Tag Grislys gesehen zu haben. Doch auf der Fahrt zum "Eielson Visitor Center" hatten wir noch zwei weitere Male Gelegenheit, die mächtigen Tiere zu bewundern. Aber auch Karibus mit ihren riesigen Geweihen ästen dicht neben der Strasse. Diese hirschartigen Tiere waren jedoch im Park so weit verbreitet, dass sich nur noch Besucher um sie kümmerten, die zum ersten Mal durch den Park fuhren. Während wir etwas abseits des "Visitor Center" zu Mittag assen, kreisten über uns mehrere Steinadler. Als sie auftauchten, verschwanden die lustigen Erdhörnchen blitzartig in ihren Löchern. Bereits am zweiten Tag wurde uns klar, dass wir länger als nur drei Tage in diesem herrlichen Park bleiben wollten. Wir fuhren deshalb mit dem Bus zum Parkeingang zurück und verlängerten unseren Aufenthalt auf sechs Tage. Unterwegs entdeckten wir auf der Strasse einen Fuchs, der einen Vogel in der Schnauze trug. Zu unserer grossen Ueberraschung trabte er an unserem Bus vorbei, so dass wir Gelegenheit zu einem seltenen Schnappschuss hatten.

Dallschaf im Denali NP
Dallschaf
Erdhörnchen im Denali NP
Erdhörnchen
Fuchs mit Beute im Denali NP
Fuchs mit Beute

Am 1. August standen wir bereits um sechs Uhr früh auf. In der Nacht war die Temperatur auf null Grad gesunken, der Himmel war wolkenlos. Als wir um sieben Uhr den Bus bestiegen, meinte der Fahrer, heute würden wir mit Sicherheit "den Berg" sehen, dafür würden sich die Tiere vermutlich tagsüber an schattigen Plätzen aufhalten. Kaum waren wir losgefahren, entdeckten wir eine Elchkuh dicht neben der Strasse. Als wir eine Anhöhe überquerten, ragte plötzlich "Mount McKinley" in gleissendem Weiss vor uns in den tiefblauen Himmel. Wenig später stand ein uns entgegenkommender Bus auf der Strasse. Die Fahrer verständigten sich per Handzeichen, worauf unser Chauffeur meinte, irgendwo am Flussufer müsste es Füchse oder Wölfe haben. Tatsächlich konnten wir drei grosse Wölfe entdecken, die ein Karibu gerissen hatten. Lange beobachteten wir die schönen Tiere mit dem Feldstecher. Auf der Weiterfahrt war es Susanne, die plötzlich "Bär !" schrie. Ein wunderschöner, dunkelbrauner Grislybär näherte sich der Strasse und überquerte diese wenige Meter vor dem Bus, ohne von uns Notiz zu nehmen. Als der Bär dem Flussufer entlang davontrottete, machte er plötzlich einige plumpe Luftsprünge. Mit dem Feldstecher konnte wir sehen, dass er ein Erdhörnchen jagte und es mit einem einzigen Bissen verschlang. Der Bus setzte die Fahrt fort. Als wir eine Anhöhe überquerten, tauchte "der Berg" zum zweiten Mal auf. Wieder ragte er unverhüllt in den blauen Himmel, ein unvergesslicher Anblick ! Der Fahrer meinte, so schön hätte er "Mount McKinley" in seiner 15-jährigen Tätigkeit noch selten gesehen. Die restliche Fahrt zum "Wonder Lake" verlief ruhig. Nach dem Mittagessen machten wir uns auf die Suche nach Heidelbeeren. Da wir länger als 20 Minuten am See bleiben wollten, gaben wir die Sitzplätze in unserem Bus frei, mussten dafür fast eine Stunde warten, bis wir in einem anderen Wagen Platz fanden. Dafür waren unsere beiden Schalen randvoll mit herrlichen Beeren gefüllt. Auf dem Rückweg zum Campingplatz hatten wir nochmals Gelegenheit, einen einzelnen Grisly sowie eine Mutter mit ihren beiden Kleinen zu beobachten.

Karibu im Denali NP
Karibu
Wolf im Denali NP
Wolf
Grislybär im Denali NP
Grislybär
Mount McKinley im Denali NP
Mount McKinley
Gipfel des Mount McKinley im Denali NP
Gipfel des Mount McKinley
Susanne beim Heidelbeeren pflücken
Heidelbeeren pflücken

Am nächsten Tag nahmen wir an einem sogenannten "Discovery Hike" ("Entdeckungswanderung") teil. Diese begann bei einem der Rastplätze, bei dem die Busse ihren Stundenhalt machten. Eine Rangerin begrüsste unsere Gruppe von etwa dreissig Teilnehmern. Während sie uns durch die offene Tundra zum Gipfel eines Berges führte, erläuterte sie uns Tier- und Pflanzenwelt des Parkes. Während einem Halt entdeckte Susanne am gegenüberliegenden Hang einen Grisly, der zielstrebig die Bergflanke erklomm und schon bald hinter der Krete verschwand. Nach dieser geführten Wanderung fühlten wir uns bereit, auf eigene Faust auf Entdeckungsreise zu gehen. Wir standen deshalb am 3. August wiederum um sechs Uhr auf. Als wir eine Stunden später auf den Bus warteten, tauchte plötzlich ein wunderschöner Fuchs auf. Er trabte einige Meter über die Fahrbahn, danach verschwand er im Dickicht. Mit dem Bus fuhren wir bis etwa 20 km vor das "Eielson Visitor Center". Die restliche Strecke wollten wir zu Fuss zurücklegen. Wir hatten uns entschlossen, auf unserer ersten Wanderung auf der Strasse zu bleiben. Zwar wurden wir von den vorbeifahrenden Bussen stets in eine unangenehme Staubwolke gehüllt, doch wir fühlten uns auf der Strasse etwas sicherer. Dennoch war es ein seltsames Gefühl, plötzlich mitten in der Wildnis alleine auf der Strasse zu stehen, denn wir wussten, dass es in der näheren Umgebung höchstwahrscheinlich Wölfe, Bären, Elche und andere Wildtiere hatte. Doch ausser einigen quirrligen Erdhörnchen war kein Lebewesen zu sehen. Als wir aber etwa eine Stunde gegangen waren, kam uns plötzlich ein Auto entgegen und der Beifahrer meinte, eine Meile weiter habe es einen Bären neben der Strasse. Vorsichtig marschierten wir weiter. Als wir um die nächste Kurve kamen, sahen wir den Grisly etwa 300 Meter von uns entfernt am Flussufer nach Nahrung suchen. Wir setzten uns auf eine kleine Anhöhe und beobachteten das Tier. Plötzlich sprang der Bär entsetzt zurück und wenige Meter von ihm entfernt rannte ein Karibu davon. Der Grisly schien völlig überrascht und hatte mehr Angst als das Karibu. Nach diesem lustigen Zwischenfall marschierten wir weiter, ohne dass uns der Bär entdeckt hatte. Kurz vor dem "Eielson Visitor Center" bestiegen wir einen Bus, der uns zum Campingplatz zurückbrachte. Am Abend besuchten wir den sogenannten "Campfire Circle", an dem ein Ranger einen Vortrag über Recycling hielt, ein Thema, bei dem die Amerikaner gegenüber uns Europäern ein grosses Stück im Rückstand sind. Das Wort "sparen" scheint ihnen weitgehend fremd zu sein ...

Parkrangerin im Denali NP
Parkrangerin
Blüte im Denali NP
Blüte
Parkranger im Denali NP
Parkranger

Am nächsten Morgen bestiegen wir wiederum um sieben Uhr den Bus. Schon nach wenigen Kilometern musste der Fahrer brüsk bremsen, weil zwei Wölfe über die Strasse sprangen. Während wir einige Minuten auf der Strasse warteten, kamen die Tiere nochmals zurück, doch sie waren wiederum nur für wenige Sekunden zu sehen. Da auf der weiteren Fahrt keine Tiere mehr zu entdecken waren, erklärte uns der Fahrer, dass an solchen Tagen die puzzigen Erdhörnchen als "Tundra-Bären" bezeichnet würden, damit die Besucher trotzdem daheim erzählen könnten, sie hätten einen Bären gesehen ... An diesem Tag war der Himmel am Morgen wolkenlos, so dass wir zum zweiten Mal eine herrliche Aussicht auf den "Mount McKinley" hatten. Wir unternahmen an diesem Tag eine zweite Wanderung. Doch diesmal blieben wir nicht auf der Strasse, sondern erklommen einen Berg. Wie uns empfohlen wurde, machten wir mit dem Ruf "He Bär !" allfällige Bären auf uns aufmerksam und gaben ihnen damit Gelegenheit, sich rechtzeitig aus dem Staub zu machen. Es war ein herrliches Gefühl, quer über die weiche Tundra zu wandern und den Weg selbst zu bestimmen. Wir genossen den Tag in vollen Zügen, auch wenn uns ausser einigen Karibus keine Wildtiere begegneten. Doch als wir mit dem Bus zum Campingplatz zurückfuhren, konnten wir doch noch zweimal einen Grisly bewundern. Der eine frass nur wenige Meter neben der Strasse Beeren und liess sich durch unsere Anwesenheit nicht im geringsten stören.

Natürlicher Flusslauf im Denali NP
Flusslauf
Natürlicher Flusslauf im Denali NP
Fluss
Karibu vor dem Mount McKinley im Denali NP
Mount McKinley
Grislybär im Denali NP
Grislybär
Fussabdruck eines Grislybären im Denali NP
Fussabdruck eines Grislybären
Erdhörnchen im Denali NP
Erdhörnchen

Alaska Highway:

Am 5. August ging unser Aufenthalt im "Denali National Park" zu Ende. Wir verliessen den Park Richtung "Fairbanks", der zweitgrössten Stadt in "Alaska". Die Stadt hatte nicht viel Besonders zu bieten, bildete aber den nördlichsten Punkt unserer USA-Reise. Während den nächsten sechs Tagen sassen wir fast nur im Auto und fuhren auf dem berühmten "Alaska Highway" wieder südwärts. Dabei legten wir knapp 2700 km zurück. Wir machten einen Abstecher nach "Dawson City", eine alte Goldgräberstadt. Dort versuchten wir im Kasino unser Glück (Verlust ein Dollar !) und bewunderten die "Can-Can" tanzenden Showgirls. Inzwischen hatten wir die USA verlassen und befanden uns nun wieder in Kanada. Hier war die Fahrt auf dem "Alaska Highway" recht eintönig. Beidseits der Strasse hatte es Wald, so weit das Auge reichte. Alle 200 km hatte es eine Tankstelle, jedoch nur alle 400 bis 500 km ein Dörfchen.

Taylor Highway, Alaska
Taylor Highway
Schwarzbär am Alaska Highway
Schwarzbär
CanCan tanzende Showgirls in Diamond Tooth Gerties Nachtclub in Dawson City
Diamond Tooth Gerties Nachtclub
Tafelwald bei Watson Lake
Tafelwald
Tafelwald bei Watson Lake
Ein bekanntes Schild
Unser Joker beim Anfang des Alaska Highway in Dawson Creek
Meile Null des Alaska Highway

Jasper und Banff National Park:

Am 14. August erreichten wir den "Jasper National Park" mitten in den kanadischen "Rocky Mountains". Da es uns dort sehr gut gefiel, entschlossen wir uns, einige Tage länger als geplant zu bleiben. Wir unternahmen einige kürzere Wanderungen und bewunderten die zahlreichen Gletscher entlang der Parkstrasse. Den 17. und 18. August verbrachten wir im "Banff National Park", der sich unmittelbar südlich an den "Jasper National Park" anschliesst. Dieser war leider noch mehr kommerzialisiert, als sein nördlicher Nachbar. Die Campingplätze waren zwar sehr schön angelegt, boten aber sämtlichen Komfort wie Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss. Mitten durch die Nationalparks führten Hauptstrassen und Eisenbahnlinien, es gab Gondelbahnen (made in Switzerland), Skigebiete, komfortable Hotels und vieles mehr. Im Gegensatz zu den USA, wo die Nationalparks in erster Linie den Zweck haben, Natur, Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, wurden in Kanada gemäss Parkbroschüre die Nationalparks als Touristenattraktionen dazu errichtet, dem Staat Profit einzubringen. Dies ist leider auch heute noch deutlich zu spüren. Dafür fanden wir im Ort "Banff" ein Restaurant mit dem Namen "Ticino", wo uns ein herrliches "Zürichgeschnätzeltes" serviert wurde !

Markierungen belegen den Rückzug des Athabasca Glacier im Jasper NP
Rückzug des
Athabasca Glacier
Athabasca Glacier im Jasper NP
Athabasca Glacier
Columbia Icefield im Jasper NP
Columbia Icefield
Dallschaf im Jasper NP
Dallschaf
Maligne River im Jasper NP
Maligne River
Wapitihirsche im Jasper NP
Wapitihirsche

Calgary:

Am 19. August erreicheten wir schliesslich "Calgary", wo 1988 die Winterolympiade stattgefunden hatte. Wir nutzten den nächsten Tag für einen ausgedehnten Stadtbummel. Tags darauf wurde es spannend, als wir erneut in die USA einreisen wollten. Da unsere bereits verlängerte Aufenthaltsbewilligung abgelaufen war, mussten wir eine neue beantragen. Doch dies entpuppte sich als einfachste Sache der Welt. Von einer ausserordentlich freundlichen Zöllnerin wurden wir herzlich in Amerika willkommen geheissen.

Stadtzentrum von Calgary Aussichtsturm von Calgary Blick vom Aussichtsturm in Calgary
Calgary, Alberta, Kanada

Glacier National Park:

Die Tage vom 22. bis 24. August verbrachten wir im "Glacier National Park" ganz im Norden des Staates "Montana". Auch dieser Park liegt in den "Rocky Mountains". Auf den höchsten Gipfeln lag noch immer etwas Schnee, leider waren sie aber auch meistens von dicken, grauen Wolken verhangen. Dennoch unternahmen wir einige kurze Wanderungen über die blumenübersäten Bergwiesen. Von den vielen Bären sahen wir aber keine Spur. Am letzten Tag in diesem Park machten wir einen mehrstündigen Ausflug mit einem Kanu. Auf "hoher See" lasen wir die Briefe, die uns an diesem Morgen erreicht hatten.

Alpine Blumenwiese im Glacier NP
Alpine Blumenwiese
Ptarmigan (Rauhfusshuhn) im Glacier NP
Ptarmigan
(Rauhfusshuhn)
Hiddenlake (Logan Pass)  im Glacier NP
Hiddenlake
(Logan Pass)

Theodore Roosevelt National Park:

Als wir uns am 25. August auf die Fahrt Richtung Osten machten, konnten wir von einem Parkplatz aus Schneeziegen beobachten, die in einer Gröllhalde Mineralien vom Gestein leckten. Die Tiere ersetzten damit Verluste, die sie über die lange Winterzeit erlitten hatten. Während den nächsten beiden Tagen sassen wir vorwiegend im Auto, durchquerten den Staat "Montana" und erreichten schliesslich am Vormittag des 27. August die nördliche Einheit des "Theodore Roosevelt National Park". Dieser Nationalpark im Westen von "North Dakota" besteht aus zwei etwa 100 km voneinander entfernten Teilen, genannt nördliche und südliche Einheit. Der Park liegt mitten in der endlosen Ebene des hohen Westens. Auf der Fahrt reihten sich riesige Weizenfelder aneinander. Doch hier im "Theodore Roosevelt National Park" erlebten wir die ursprüngliche Graslandschaft, die Prärie. Der "Little Missouri River" hatte sich im Laufe der vergangenen Jahrmillionen durch die weichen Sandsteinschichten gefressen. An den Abhängen des breiten Tales sind die verschiedenfarbigen Gesteinssichten nun zu sehen. Wind und Wasser haben durch Erosion eine fantastische Landschaft geschaffen, die eigentlich zu unrecht die Bezeichnung "Badlands" ("Schlechtes Land") trägt. Nach einer Fahrt durch die nördliche Einheit und einer kurzen Wanderung, reisten wir am nächsten Tag in die südliche Einheit. Auch hier erforschten wir die Landschaft mit dem Wagen und machten mehrere kurze Ausflüge zu Fuss. Der Himmel war stets wolkenlos und die Temperatur lag tagsüber weit über dreissig Grad. In der Nacht kühlte es zum Glück etwas ab. Vor dem Einschlafen hörten wir jeweils das eigenartige Geheul der Kojoten. Der 29. August brachte einen weiteren Höhepunkt auf unserer Reise: Wir setzten uns zum ersten Mal in unserem Leben auf ein Pferd ! Zusammen mit einer Begleitung und zwei Kindern, die auf der Farm zu Besuch waren, ritten wir etwa 1.5 Stunden durch den Nationalpark. Wir waren überrascht, wie gut uns die Pferde gehorchten und genossen das neue Erlebnis in vollen Zügen. Nach unserer Rückkehr wurden wir mit einem Diplom als "Cowgirl", bzw. "Cowboy" ausgezeichnet ...

Prärielandschaft im Theodore Roosevelt NP
Theodore Roosevelt NP
Badlands im Theodore Roosevelt NP
Badlands
Ausgewaschener Sandstein im Theodore Roosevelt NP
Ausgewaschener Sandstein
Bisonmutter mit Kalb im Theodore Roosevelt NP
Bisonmutter mit Kalb
Schlange im Theodore Roosevelt NP
Schlange
Hase im Theodore Roosevelt NP
Hase
Präriehundestadt im Theodore Roosevelt NP
Präriehundestadt
Prairie Dog (Präriehund) im Theodore Roosevelt NP
Prairie Dog
(Präriehund)
Susanne und Reto als Cowgirl bzw. Cowboy im Theodore Roosevelt NP
Susanne und Reto als Cowgirl bzw. Cowboy

Die Tage vom 30. August bis zum 1. September verbrachten wir dann wieder in erster Linie hinter dem Steuerrad. Dabei legten wir etwa 2500 km zurück. Wir wählten eine Route, die uns am nördlichen Ende des "Lake Michigan" vorbeiführte. Heute sind wir nun in "Toronto" eingetroffen. In wenigen Tagen werden wir die Ostküste erreichen, wo wir den letzten Monat unserer Hochzeitsreise verbringen werden. Was wir dabei erleben und wie die Rückreise in die Schweiz verläuft, erfahrt Ihr im nächsten und letzten Reisebericht.


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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa9008.html (überarbeitete Version) / 25-Apr-2009 (ra) / reto ambühler