USA8990: 12. Monatsbericht (2.7. bis 29.7.1990)

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USA Flagge

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Denali National Park, 29. Juli 1990

Wisst Ihr, was ein "Cheechako" ist ? Nicht ? Dann wart Ihr noch nie in "Alaska" ! Aber Ihr könnt Euch trösten, wir haben es auch nicht gewusst, obwohl wir welche waren. "Cheechako" heisst in der Sprache der Indianer soviel wie Neuling. Besucher, die zum ersten Mal nach "Alaska" einreisen, werden deshalb als "Cheechako" bezeichnet. Damit haben wir auch schon verraten, dass wir den langen Weg nach "Alaska" tatsächlich geschafft haben, doch bis wir zum ersten Mal alaskischen Boden betreten konnten, gab es noch Einiges zu überstehen ...


Seattle:

Unser letzter Reisebericht endete auf dem Weg zurück nach "Seattle". Hier gab es erst einmal einige Hausarbeiten zu erledigen. Am 4. Juli begingen die Amerikaner ihren Nationalfeiertag ("Independence Day"). Es war einer der wenigen Tage, an dem viele Geschäfte geschlossen blieben. An diesem strahlenden Sommertag besuchten wir erst das "Pacific Center", wo wir auf einer Grossleinwand einen Film über Biber und einen über die Grenzen des menschlichen Körpers sahen. Im letzteren wirkte unter anderem Maria Walliser mit. Danach bummelten wir durch das betriebsame Hafenviertel. Am Abend spazierten wir zu einem Park am Ufer der Meeresbucht vor "Seattle". Hier sollte das gross angekündigte Feuerwerk stattfinden. Bereits am späten Nachmittag sonnten sich hunderte von Einheimischen und Touristen in den Wiesen, oder horchten den Klängen verschiedener Bands. Es war eine fröhliche und festliche Stimmung, ähnlich wie an einem Seenachtsfest in Zürich. Das Feuerwerk liess lange auf sich warten, denn erst um dreiundzwanzig Uhr war es richtig dunkel. Die Darbietung dauerte etwa zwanzig Minuten und war sehr schön, wenn auch nicht ganz so gross, wie an einem Seenachtsfest.

Festplatz am Ufer in Seattle Konzert am Nationalfeiertag in Seattle Jongleur am Nationalfeiertag in Seattle
Fest anlässlich des Nationalfeiertages in Seattle

Vancouver / Vancouver Island:

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach "Vancouver". Der Grenzübertritt nach Kanada verlief problemlos, wir erhielten eine Aufenthaltsbewilligung für sechs Monate. Dies beruhigte uns umso mehr, als unsere Aufenthaltsbewilligung für die USA Mitte August abläuft. Sollten uns die Amerikaner die Wiedereinreise auf der Rückkehr von "Alaska" verweigern, so könnten wir schlimmstenfalls in Kanada zur Ostküste reisen. Allerdings würde uns dies einen grossen Strich durch unser Reiseprogramm machen. In "Vancouver" mussten wir leider feststellen, dass die Zylinderkopfdichtung unseres Jokers nun definitiv undicht geworden war. Während wir den folgenden Tag in der Stadt verbrachten, wurde unser Wagen in der VW-Garage einer intensiven Reparatur unterzogen. Am nächsten Tag unternahmen wir eine Testfahrt nach "Whistler", einem Ferienort knapp zweihundert Kilometer nördlich von "Vancouver". Auf einem Gletscher hätte man auch anfangs Juli skifahren können, doch wir verzichteten darauf. Nach dem unser Wagen nun wieder fit war, setzten wir am 8. Juli nach "Victoria" auf "Vancouver Island" über. Bei strahlendem Wetter verbrachten wir einen gemütlichen Tag in der Hauptstadt der kanadischen Provinz "British Columbia". Seit wir in "British Columbia" waren, fielen uns die zahlreichen britischen Fahnen, Abzeichen und Namen auf. Doch hier in "Victoria" war alles noch viel mehr englisch. Wir wunderten uns darüber, dass sich die Kanadier noch immer so sehr mit der britischen Krone verbunden fühlen.

Auf Empfehlung eines Angestellten der VW-Garage in "Vancouver" machten wir auf der Fahrt in den Norden von "Vancouver Island" einen Abstecher zur Westküste. Das Wetter zeigte sich weiterhin von seiner besten Seite und wir genossen die herrliche Landschaft und die wunderschöne Küste der Insel. Besonders faszinierend fanden wir aber die Stimmung, als wir wieder an der Ostküste nordwärts fuhren: Vor uns lag zwischen Insel und Festland der Meeresarm, in dem die Leute badeten und surften, dahinter ragten die verschneiten Gipfel des Küstengebirges in den blauen Himmel.

Überfahrt von Vancouver nach Vancouver  Island
Überfahrt nach Victoria
Totempfahl bei Victoria auf Vancouver Island
Totempfahl
Victoria auf Vancouver Island
Victoria
Sandstrand im Pacific Rim NP
Sandstrand im
Pacific Rim NP
Kiesstrand im Pacific Rim NP
Kiesstrand im
Pacific Rim NP
Seeadler auf Vancouver Island
Seeadler

Auf nach Alaska:

Am 11. Juli trafen wir in "Port Hardy" ein, wo wir am nächsten Tag an Bord der Fähre gehen wollten. Wir verbrachten den Nachmittag am Strand. Mehrere Weisskopfadler kreisten über unseren Köpfen und liessen sich anschliessend auf den Bäumen am nahen Waldrand nieder. Stundenlang beobachteten wir die stolzen Raubvögel, die die Amerikaner als ihr Wappentier gewählt haben. Am Abend konnten wir bereits durch die Fahrkartenkontrolle fahren, die Nacht verbrachten wir zusammen mit über hundert anderen Passagieren auf dem Parkplatz im Hafen. Am anderen Morgen wurde bereits um sechs Uhr früh mit dem Verladen der Autos begonnen, pünktlich um halb acht Uhr legte die "Queen of the North" ab. Am Vormittag war der Himmel verhangen, bald wurde es uns an Deck zu kühl. Doch im Laufe des Tages wurde das Wetter zunehmend schöner, so dass wir einen grossen Teil der Reise im Freien geniessen konnten. Die Fahrt dauerte fünfzehn Stunden und verlief, abgesehen von den ersten beiden Stunden, stets im Schutz einer langen Inselreihe. Oft war das Land beidseits des Schiffes zum Greifen nah. Susanne hatte sogar das Glück, die Schwanzflosse eines Wales zu erkennen.

Ankunft der Fähre in Port Hardy Unterwegs auf der Inlandpassage Sonnenuntergang während der Überfahrt
Fahrt mit der Fähre von Port Hardy nach Prince Ruppert

Nach einem Ruhetag in "Prince Rupert" nahmen wir am 14. Juli den langen Weg nach "Alaska" unter die Räder. Am ersten Tag führte die Reise ausschliesslich über asphaltierte Strasse, doch bereits am zweiten Tag lagen dreihundert Kilometer Naturpiste vor uns. Doch es zeigte sich bald, dass die Strasse in einem sehr guten Zustand war, keine Spur von den befürchteten isländischen Schotterpisten. Als es zu regnen begann, verwandelte sich die Fahrbahn in eine schlammige Piste, unser Joker war nach wenigen Minuten mit einer braunen Schmutzschicht überzogen. Am Abend des 15. Juli erreichten wir einen Campingplatz, den wir hier unbedingt etwas genauer schildern müssen. Er trug den Namen "Mighty Moe's place, the real wilderness camping" und lag mitten im Niemandsland an einem kleinen See. Als wir den Platz erblickten, wollten wir erst gerade wieder umdrehen, denn es sah wirklich nicht einladend aus. Zwischen den Bäumen standen einige kleine Hütten, der ganze Platz wirkte ziemlich unordentlich. Während wir unentschlossen im Wagen sassen, kam "Mighty Moe" aus seiner Hütte und winkte uns zu. Er lud uns freundlich ein, die Nacht hier zu verbringen. Als er unsere Frage nach Duschen bejahte, entschlossen wir uns, zu bleiben. "Mighty Moe" meinte, unser Wagen hätte wohl auch eine Dusche nötig. Er ging zum See hinunter, wo er eine knatternde Wasserpumpe startete. Danach drückte er uns einen Schlauch mit Brause und eine Bürste in die Hand. Damit befreiten wir unseren Joker von seiner hässlichen Schlammschicht. Nun winkte uns "Mighty Moe" zu und lotste uns zu unserem Platz. Wir durften unmittelbar am Seeufer parken. Weil der Boden geneigt war, hatte er Bretter vorbereitet, auf die wir unseren Wagen manöverieren konnten, so dass er perfekt eben stand. Kaum hatten wir den Motor abgestellt, kam "Mighty Moe" mit einem Stück Teppich daher, das er vor unserer Wagentüre plazierte. Einen solchen Service hatten wir wirklich noch nirgends erlebt ! Höhepunkt war aber die Dusche, die wir nach dem Abendessen genossen. Als Susanne die Türe zum kleinen Hüttchen öffnete, flatterten mehrere Vögel erschrocken davon. Sie hatten in der Seifenschale der Duschkabine ihr Nest gebaut, daher mussten wir uns neben der Kabine abspritzen ! "Mighty Moe" erhitzte das Duschwasser mit einem Holzofen. Das heisse Wasser wurde mit einem Schlauch auf das Dach des Duschhäuschens geleitet. Dort hatte es ein zweites Fass mit kaltem Wasser. An der Decke hing eine Brause, wie man sie auf eine Giesskanne steckt. Die Schläuche mit dem heissen und kalten Wasser führten zu dieser Brause, das Wasser konnte man mit zwei Wasserhähnchen regulieren. Dies war ein echtes "Wildnis-Erlebnis" ...

Cassiar Highway
Cassiar Highway
Unser VW Bus bei der Ankunft auf dem Campingplatz Mighty Moe
Vor der Reinigung
Unser VW Bus auf dem Campingplatz Mighty Moe nach der Reinigung
Nach der Reinigung
Campingplatz Mighty Moe
Mighty Moe's Campground
Mighty Moe's Office
Mighty Moe's Office
Dusche auf dem Campingplatz Mighty Moe
Mighty Moe's Dusche

Am nächsten Tag erreichten wir "Watson Lake" und damit den berühmten "Alaska Highway". Ein Drittel des Weges nach "Anchorage" lag bereits hinter uns. Doch unser Wagen meldete trotz der Reparatur in "Vancouver" wieder Probleme mit dem Kühlsystem an. Da die nächste VW-Garage fünfzehnhundert Kilometer von uns entfernt war, mussten wir uns selber helfen. Tatsächlich entdeckten wir einen Wasserfleck unterhalb eines Schlauchendes. Seit wir den Wasserschlauch besser befestigt haben, ist das Problem verschwunden.


Alaska Highway:

Am 18. Juli verliessen wir den "Alaska Highway" für einen Abstecher nach "Skagway". Die Strasse von "Whitehorse" - wo wir auf einem Campingplatz von ausgewanderten Schweizern übernachtet hatten - zur Küste hinunter, war ein besonderes Abenteuer. Der grösste Teil der Fahrbahn war zwar wunderschön asphaltiert, aber dazwischen lag eine mehrere Kilometer lange Baustelle. Statt über eine Strasse musste sich unser Joker durch den Dreck wühlen. Um den Staub einzudämmen, hatte man die Erde mit Wasser benetzt. Als wir in "Skagway" ankamen, sah man erneut kaum mehr etwas von der weissen Farbe unseres Jokers. In "Skagway" betraten wir zum ersten Mal den Boden von "Alaska" ! Das Wetter war fantastisch, der Himmel meistens wolkenlos und die Temperatur lag tagsüber stets bei 30°C. Sonnig war aber auch das Gemüt der Leute. Wir hatten erwartet, dass im rauhen "Alaska" die Menschen eher etwas verschlossen sein würden, dem war aber bei weitem nicht so.

Alaska Highway - Nisutlin Bay Bridge
Nisutlin Bay Bridge
See am Klondike Highway
See am Klondike Highway
Klondike Highway frisch asphaltiert
Klondike Highway
frisch asphaltiert
Baustelle entlang des Klondike Highway
Klondike Highway im Bau

Der 19. Juli wurde zu einem ersten Höhepunkt unseres "Alaska"-Aufenthaltes. Mit einem siebenplätzigen Kleinflugzeug flogen wir von "Skagway" nach "Juneau", der Hauptstadt des Staates "Alaska". Diese Stadt kann man nur über den See- oder Luftweg erreichen. Der Tag begann mit einem herrlichen, vierzigminütigen Flug über einen Teil des längsten Fjords Amerikas. Auch in "Juneau" waren der Himmel wolkenlos und die Temperaturen hochsommerlich. Wir verbrachten den Morgen in der Stadt, am Nachmittag fuhren wir mit dem öffentlichen Bus in die Nähe eines mächtigen Gletschers. In weniger als einer halben Stunde konnten wir zu Fuss das Ende des "Mendenhall Glacier" erreichen. Dieser fliesst mehr als fünfzig Zentimeter am Tag, doch das Eis schmilzt so rasch, dass der Gletscher pro Jahr um etwa zehn Meter zurückgeht. Als die ersten Weissen um 1750 in diese Gegend kamen, war der Gletscher noch vier Kilometer länger ! Um einundzwanzig Uhr dreissig traten wir den Rückflug nach "Skagway" an. Greg, unser Pilot, fragte uns, ob wir die Gletscher schon gesehen hätten. Als wir erzählten, wir seien heute zu Fuss am "Mendenhall Glacier" gewesen, meinte er, er würde sie uns nun aus einer etwas anderen Perspektive zeigen. Statt auf direktem Weg nach "Skagway" zu fliegen, folgte er dem "Mendenhall Glacier" bergwärts und führte uns anschliessend während mehr als einer Stunde durch die fantastische Bergwelt des Küstengebirges. Schon bald hatten wir im endlosen Meer aus Berggipfeln und Gletschern die Orientierung verloren. Doch Greg hatte die kleine Maschine fest im Griff. Er flog kaum hundert Meter über den unberührten Schneefeldern und Felsklippen. Im Osten brach bereits die Nacht herein, im Westen war soeben die Sonne untergegangen und der Himmel leuchtete feuerrot. Wie gebannt starrten wir aus den Fenstern und konnten von der atemberaubenden Aussicht nicht genug bekommen. Es war ein fantastischer Einstieg in die Schönheit von "Alaska".

Skagway, Alaska
Skagway
Kleinflugzeug auf dem Flugplatz von Skagway
Bereit für den
Flug nach Juneau
Cockpit
Cockpit
Flug von Skagway nach Juneau über den Lynn Canal
Lynn Canal
Juneau, Hauptstadt von Alaska
Juneau
Mendenhall Glacier bei Juneau
Mendenhall Glacier
Blick auf einen Gletscher auf dem Flug von Juneau nach Skagway
Gletscher
Flug über die Coast Mountains in der Abenddämmerung
Coast Mountains
Sonnenuntergang über dem Alaska Range
Sonnenuntergang über dem Alaska Range

Am Abend des 20. Juli brachte uns die Fähre nach "Haines", wo wir am anderen Morgen die Fahrt zurück zum "Alaska Highway" antraten. Erneut mussten wir die Grenze nach Kanada überschreiten. Zum ersten Mal auf dieser Reise wurden wir am Zoll nach Geld gefragt. Als wir der Zöllnerin unsere Kreditkarte zeigten, war sie zufrieden und liess uns weiterfahren. Die Strasse führte durch eine schöne Gegend, die sich mit den Schweizer Pässen vergleichen liess. Die Gletscher der sogenannten "kleinen Eiszeit", die vor etwa dreitausend Jahren zu Ende gegangen war, hatten die Felsen glattgeschliffen und ein breites Hochtal mit kleinen Seen hinterlassen. Im Westen ragten die verschneiten Gipfel des Küstengebirges in den stahlblauen Himmel. Als wir wieder den "Alaska Highway" erreichten, wurde die Landschaft etwas weniger spektakulär. Die Strasse führte durch eine dicht bewaldete Hügellandschaft. Es zeigte sich, dass viele der Schauergeschichten, die man uns über diese Strasse erzählte hatte, stark übertrieben waren. Meistens war der Highway asphaltiert, allerdings hatte es immer wieder Baustellen mit aufgerissenen Strassenstücken. Manchmal war der Belag von zahllosen Bodenwellen deformiert, so dass wir gelegentlich gründlich durchgeschüttelt wurden. Doch dies störte uns nicht. Die Amerkaner, die mit ihren über zwanzig Meter langen Wohnmobilen - die wir inzwischen kurz als "Monster" bezeichnen - unterwegs waren, sahen dies allerdings etwas anders. Trotzdem bewunderten wir die oft bereits pensionierten Leute, wie sie unerschrocken am Steuer ihrer "Monster" über den "Alaska Highway" schaukelten. Tankstellen fanden wir ebenfalls bedeutend öfters, als man uns erzählt hatte. Es gab kaum eine Strecke, auf der der Abstand zwischen zwei Tankstellen mehr als hundert Kilometer betrug, so dass wir unsere Reservekanister gar nie brauchten.

Alaska Highway
Alaska Highway
Alaska Pipeline
Alaska Pipeline
Unser "Jogi" auf dem Alaska Highway
Unser "Jogi" in voller Fahrt

Am 22. Juli überquerten wir erneut die Staatsgrenze zur USA und erreichten "Tok". Damit befanden wir uns wieder in "Alaska", diesmal für etwas länger. Im "Visitor Center" erfuhren wir, dass erneut Waldbrände ausgebrochen waren und dass gewisse Strecken nur in Begleitung eines sogenannten Pilotwagens befahren werden durften. Doch dies betraf nur Strassen, die südwärts führten, in unsere Fahrtrichtung gab es zu diesem Zeitpunkt keine Probleme. Waldbrände sind in Amerika zur Zeit ein intensiv diskutiertes Thema, nicht nur in "Alaska". Besonders in den Nationalparks hat man festgestellt, dass Feuer mit zu den Naturgewalten gehört, die mithelfen, das Gleichgewicht der Pflanzen- und Tierwelt zu regulieren. Die riesigen "Sequoia-Bäume" beispielsweise, sind auf Waldbrände angewiesen, um sich fortpflanzen zu können. Das Feuer vernichtet am Boden liegendes Holz und kleine Pflanzen, so dass die winzigen Samen genügend Licht erhalten, um zu spriessen. Ausserdem dient die Asche als wichtiger Nährstofflieferant. Die ausgewachsenen Riesenbäume sind äusserst widerstandsfähig gegen Feuer und überleben kleinere Waldbrände problemlos. Doch seit der Mensch versucht, Waldbrände zu verhindern, ist das Gleichgewicht gestört. Da weniger Waldbrände ausbrechen, sammelt sich mehr dürres Holz und Laub am Boden an. Ensteht dann trotzdem einmal ein Feuer, so wird die Hitze derart gross, dass die Bäume nicht überleben können. Seit man diese Zusammenhänge erkannt hat, werden natürlich entfachte Waldbrände nach Möglichkeit nicht mehr unterdrückt. Unter gewissen Umständen werden sogar kontrollierte Feuer gelegt. Da es zur Zeit in "Alaska" ausserordentlich trocken ist, werden in den Nachrichten täglich von neuen Waldbränden berichtet. Zur Zeit sollen über hundertzwanzig Feuer wüten. Doch bis jetzt hatten wir nichts von den Flammen gesehen, der Himmel war aber tagelang vom Rauch verdunkelt.

Am 23. Juli erreichten wir "Valdez", das den Uebernamen "Little Switzerland" trägt. Hier endet die dreizehnhundert Kilometer lange Alaska-Pipeline, die wir von der Strasse aus oft sehen konnten. Das Städtchen liegt am Fusse des gewaltigen Küstengebirges. Die kantigen Berggipfel waren schneebedeckt, dazwischen konnten wir zahlreiche Gletscher erkennen. Dies ist wohl der Grund, warum die Amerikaner den Ort mit der Schweiz vergleichen, denn sonst fanden wir keine Gemeinsamkeiten mit unserem Heimatland. Am nächsten Tag unternahmen wir eine achtstündige Bootsfahrt durch den "Prince Williams Sound". Dieser geriet vor etwas mehr als einem Jahr in die Schlagzeilen, als der Tanker "Exxon Valdez" unweit der Küste auf Grund lief und mehrere Millionen Liter Oel ausflossen. In den lokalen Zeitungen ist noch immer vom Unglück und den Aufräumarbeiten die Rede. Wissenschaftler meinen, dass es noch mehrere Jahrzehnte dauern wird, bis sich Wasser, Tier- und Pflanzenwelt wieder erholt haben wird, falls dies überhaupt möglich ist. Wir sahen zwar den Oelhafen und die Tanker, aber von der Verschmutzung war für uns Laien nichts zu sehen. Allerdings führte unsere Bootsfahrt in einen Seitenarm, der vom Unglück kaum betroffen war. Doch in Ausstellungen und Broschüren wurden uns die katastrophalen Auswirkungen dieses Tankerunglückes vor Augen geführt. Es hat uns stark betroffen gemacht, denn auch wir sind ja schliesslich Erdölverbraucher und können uns dadurch nicht einfach von diesem Ereignis distanzieren. Unser Ausflug führte uns zum "Columbia Glacier", wo das Eis des Gletschers in den Pazifik stürzt und durch den schmalen Meeresarm auf den offenen Ozean hinaustreibt. Wir konnten vom Boot aus einige Weisskopfadler, mehrere Seehunde und einen drolligen Seeotter bewundern. Letzterer lag gemütlich auf dem Rücken im Wasser, beobachtete uns und sorgte dafür, dass wir ihm nicht zu nahe kamen.

Prince William Sound bei Valdez, Alaska
Prince William Sound
Bold Eagles (Seeadler) im Prince William Sound bei Valdez, Alaska
Bold Eagles
(Seeadler)
Seals (Seehunde) im Prince William Sound bei Valdez, Alaska
Seals
(Seehunde)
Sea Otter (Seeotter) im Prince William Sound bei Valdez, Alaska
Sea Otter
(Seeotter)

Anchorage:

Am 25. Juli ging die Reise weiter nach "Anchorage". Am darauffolgenden Tag spazierten wir durch die Innenstadt. Erstaunt stellten wir fest, dass hier, trotz der nördlichen Lage, überall herrliche Blumengärten blühten. Wir sahen auch mehrere der berühmten riesigen Kohlköpfe, die in "Alaska" auf einen Durchmesser von bis zu einem Meter gezüchtet werden. Anschliessend verbrachten wir zwei Tage auf der "Kenai Peninsula", einer Halbinsel südlich von "Anchorage". Leider hatte das Wetter drastisch umgeschlagen, graue Wolken hingen tief in den Tälern und es regnete meistens. An einem Gletscher im "Kenai Fjords National Park" trafen wir Fritz und Marianne, die mit ihrem Camper seit über zwei Jahren in Nordamerika und Mexiko unterwegs sind. Während die Regentropfen auf unser Wagendach klopften, plauderten wir vier Stunden lang mit unseren Landsleuten in unserem Wagen. Wie wir erwartet hatten, sind zur Zeit einige Europäer in "Alaska" unterwegs, doch wir kamen sonst mit niemandem ins Gespräch ...

Stadtpark in Anchorage, Alaska
Stadtpark
Wegweiser mit Distanzangaben in Anchorage, Alaska
Distanzangaben
Husky in Anchorage, Alaska
Husky

Heute sind wir nun zum "Denali National Park" gefahren. Verschiedene Leute hatten uns bereits vorgewarnt, dass es wegen den vielen Besuchern äusserst schwierig sei, in den Nationalpark hineinzukommen. Auf der Strasse, die über hundertdreissig Kilometer in den Park hineinführt, darf man mit dem Privatwagen nur die ersten siebenundzwanzig Kilometer befahren. Wenn man allerdings auf dem "Teklanika River" Campingplatz übernachtet, so darf man fünfzig Kilometer weit hinein fahren. Doch auf diesem Platz muss man mindestes drei Tage bleiben und man darf den Wagen die ganze Zeit nicht benutzen. Einziges Transportmittel sind die Busse, die von sechs bis neunzehn Uhr alle dreissig Minuten unterwegs sind. Deren Benutzung ist kostenlos, doch die Sitzplätze sind sehr begehrt und meistens schon am Vortag ausgebucht. Durch diese Einschränkungen soll verhindert werden, dass der Park nicht so überlaufen wird, wie andere Nationalparks in den USA. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Lebensräume der Wildtiere, vorallem Karibus, Elche und Grizzlies, erhalten bleiben. Zu unserer grossen Freude erhielten wir einen Platz im "Teklanika River Campground". Morgen werden wir in den Park hineinfahren. Was wir im "Denali National Park" alles sehen und erleben und wie es uns auf dem Rückweg durch Kanada ergeht, werdet Ihr im nächstes Monatsbericht erfahren ...


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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa9007.html (überarbeitete Version) / 01-May-2010 (ra) / reto ambühler