USA8990: 10. Monatsbericht (1.5. bis 30.5.1990)

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USA Flagge

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West Yellowstone, 30. Mai 1990

"Are you ok ?", "You are a big boy !", "Are you doing fine, Ritou ?", mit diesen und ähnlichen Worten erkundigte sich der Zahnarzt nach dem Befinden von Reto, während er über zwei Stunden an einem Zahn herumoperierte. Diese erste dunkle Wolke zog Ende April auf, als sich bei Reto Zahnschmerzen einstellten. Als wir schliesslich verzweifelt in einer Praxis in "Tucson" im Staate "Arizona" Hilfe suchten, stellte sich heraus, dass der Zahn am Absterben und eine Wurzelbehandlung unumgänglich war. Nach der Behandlung fühlte sich Reto wie neugeboren !


Tucson:

Allerdings war noch ein zweiter Besuch beim Zahnarzt nötig, so dass wir unseren Aufenthalt in "Tucson" um zwei zusätzliche Tage verlängern mussten. Wir benutzten diese Zeit für eine Wanderung durch die blühende Wüste des "Saguaro National Monument" und für einen Besuch von "Old Tucson", dem "Hollywood in der Wüste". Hier wurden bis vor kurzem zahlreiche Western-Filme gedreht, heute dient die Stadt als Touristenattraktion. Ausserdem besuchten wir das "Arizona Sonora Desert Museum", eine Mischung aus Zoo und botanischem Garten, in dem viele der Wüstenbewohner in einer möglichst natürlichen Umgebung gezeigt werden. Neben den eleganten Raubkatzen und den pfiffigen Wüstenhunden faszinierte uns vorallem ein "Hummingbird", der ähnlich wie ein Kolibri in der Luft stehen bleiben kann, um mit seinem langen, dünnen Schnabel in Blüten Nektar zu naschen.

Sheriff's Office in Old Tucson, AZ
Sheriff's Office
Old Tucson, AZ - "Hollywood in der Wüste"
Old Tucson
Gefängnis in Old Tucson, AZ
Gefängnis
Falke im Arizona Sonora Desert Museum
Falke
Ozelot im Arizona Sonora Desert Museum
Ozelot
Präriehund im Arizona Sonora Desert Museum
Präriehund

Escondido & San Diego:

Am 4. Mai nahmen wir die 700 km nach "Escondido" unter die Räder. Die Fahrt durch die Wüste war heiss, die Temperatur in unserem Wagen stieg gegen 50°C. Der Empfang bei unseren Freunden in "Escondido" war herzlich, es war, als ob wir nach Hause kämen. Wir verbrachten sechs herrliche Tage im Süden von "California". Am ersten Tag führten uns Rolf und Debbie zum Hafen von "San Diego", wo wir mit einem Boot eine Rundfahrt machten. Anschliessend besuchten wir "Coronado Island", eine Halbinsel gegenüber der Stadt mit herrlichen Sandstränden. Am Sonntag stieg die Temperatur auf den für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Wert von 44°C, so dass uns nur die Flucht in den kühlen Pazifik blieb ! Auch am nächsten Tag war es kaum anders. Wir mussten uns allerdings auch noch um die zweite dunkle Wolke kümmern, die seit etwa zwei Wochen am Horizont sichtbar war. Die rote Warnlampe der Temperaturanzeige unseres Jokers hatte sich schon in der letzten Aprilwoche wieder bemerkbar gemacht. Als wir noch in "Flagstaff" im Staate "Colorado" eine VW-Garage aufsuchten, teilte man uns mit, die Zylinderkopfdichtung sei undicht und müsse ersetzt werden, eine Reparatur, die einen Tag dauert und etwa $600 kostet ! Wir brachten deshalb unseren Wagen zur VW-Garage in "Escondido". Gross war unser Staunen, als man uns mitteilte, es sei gar nicht nötig, die Zylinderkopfdichtung zu ersetzen. Der Mechaniker meinte, da kein Wasserverlust festzustellen war, sei das Problem höchstwahrscheinlich einfach durch festziehen der Schrauben zu beheben. Wir waren zwar ausserordentlich spektisch, doch die vergangenen vier Wochen gaben dem Mechaniker recht ! So war nun der Himmel wieder wolkenlos. Wir genossen einen weiteren Tag mit Rolf und Debbie in "San Diego", wo wir unter anderem "Point Loma" besuchten, eine Landzunge, die vor der Stadt in den Pazifik hinausragt und von wo aus man eine fantastische Aussicht auf "San Diego" hat. Im Februar und Dezember kann man hier die Wale vorbeiziehen sehen, die den Sommer in "Alaska" verbringen und im Winter zur Paarung und zum Gebären vor die mexikanische Küste wandern. Am 9. Mai waren wir zur Geburtstagsfeier von Kristen, dem vierjährigen Töchterchen von Rolf und Debbie, eingeladen. Diese Feier entpuppte sich als eines der schlimmsten Erlebnisse unserer bisherigen USA-Reise. Hier ein gekürzter Ausschnitt aus unserem Tagebuch: '... Bereits beim Betreten des Lokales schauen wir zwei uns gross an: Wir befinden uns in einem "Fast Food Restaurant", in dem es neben langen, wartsaalähnlichen Tischen verschiedene Spielautomaten gibt. Der Raum ist gross und dunkel, es hat kein einziges Fenster. Im hinteren Teil des Raumes sind auf zwei Tischreihen Teller, Geschirr und Becher aufgetischt, alles aus Plastik. Während wir um die Tische herumstehen, geht plötzlich ein Vorhang auf und auf einer Bühne steht eine Gruppe von mechanischen Plüschtieren, die sich zu Musik ab Tonband bewegen ! Die Kinder interessieren sich allerdings überhaupt nicht für das Gebotene und schauen nicht einmal zur Bühne hin. Bald trifft eine zweite Festgesellschaft ein und setzt sich an die Nebentische. Schon werden Getränke und Pizzas serviert, Susanne und ich verzichten allerdings dankend. Danach erhalten die Kinder Jetons, mit denen sie die verschiedenen Spielkasten benutzen können. Hauptattraktion ist allerdings eine Art Käfig, der mit vielen, kleinen, bunten Bällen gefüllt ist. Darin können die Kinder herumtollen und sich austoben. Es kommt kein Hauch von Festlichkeit auf. Die Ankündigung durch den Lautsprecher, dass jetzt dann der Geburtstagskuchen serviert werde, überhören Rolf und Debbie, so dass sowohl sie, wie auch Kristen das "Happy Birthday" der Plüschmusikanten und den Kuchen mit den vier brennenden Kerzen verpassen. Die Kellnerin gerät völlig ausser sich, als sie feststellt, dass die Geburtstagskinder nicht am Tisch sind. Ausserdem verwechselt sie die Kuchen der beiden Festgesellschaften und muss sich erst erkundigen, welches Kind welcher Gesellschaft nun wie alt wird ...' Zum Glück hatten wir uns beim Coiffeur angemeldet, so dass wir uns bald entschuldigen konnten. Wesentlich gemütlicher war dafür das Abendessen, zu dem auch Rolfs Eltern eingeladen waren.

Unser VW Bus neben dem Haus der Familie Steeve in Escondido, CA
Unser Joker neben dem Haus von Steeves
Skyline von San Diego, CA
Skyline von San Diego
Sandstrand auf Coronado Island bei San Diego, CA
Coronado Island
Leuchtturm auf Point Loma bei San Diego, CA
Point Loma

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in "Escondido" führte uns Rolfs Vater durch verschiedene Teile einer riesigen Farm. Rolf Senior hatte früher eine eigene Farm, seit seiner Pensionierung hilft er nun bei einem Freund mit. Er beaufsichtigt die Angestellten, die fast ausschliesslich aus Mexiko kommen. Alle seien legal hier und hätten die entsprechenden Bewilligungen, betonte er. Zuerst führte er uns zu riesigen Erdbeerfeldern. Täglich werde hier geerntet, die Leute wüssten genau, welche Beeren reif seien, erklärte Rolf Senior. Wir durften von den Beeren kosten, sie schmeckten wunderbar süss. Dann ging es weiter zu den Orangenplantagen, auch hier durften wir kosten und ein paar Früchte mit auf den Weg nehmen. Daneben wurde Mais angebaut. Der Mais wurde so gepflanzt, dass er zum 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, reif wird, denn an diesem Tag essen die Amerikaner gegrillte Maiskolben. Wird der Mais nicht auf dieses Datum reif, bedeutet dies ein grosser Verlust für den Bauern. Alle Felder sind mit ausgeklügelten Bewässerungsanlagen versehen. Doch die Anlagen und Maschinen sind zum Teil sehr alt und vieles wird von Hand gemacht. Wir stellten aber auch fest, dass zwischen den Generationen von Rolf und seinen Eltern ein riesiger Unterschied besteht. Während Rolfs Vater äusserst Naturverbunden ist, viel über den Umgang mit Pflanzen und Tieren weiss, sind Rolf und Debbie Bewohner einer Plastikwelt, denen Vorgänge in der Natur fremd sind. Dies heisst allerdings nicht, dass ihnen Freundlichkeit und Menschlichkeit abhandengekommen sind ! An diesem Abend sassen wir zum letzten Mal mit Rolf, Debbie, Dustin und Kristen gemeinsam am Tisch. Am nächsten Morgen mussten wir schweren Herzens von ihnen Abschied nehmen. Diesmal war es wohl für längere Zeit ...

Farm bei Escondido, CA
Farm bei Escondido
Reto und Susanne pflücken Orangen direkt vom Baum
Orangen vom Baum
Erdbeere, fast so gross wie Susannes Hand
Riesige Erdbeere

Kings Canyon, Sequoia und Yosemite:

Highway 101 entlang der Pazifikküste
Highway 101
Pazifikküste
Pazifikküste
Unser VW Bus hinter dem "Tunnel Tree" bei Leggett, CA
"Tunnel Tree" bei Leggett, CA

Wir folgten dem Highway Nummer 101 entlang der Pazifikküste bis kurz vor "San Francisco". Dort machten wir einen ersten Abstecher ins Landesinnere. Wir besuchten die drei Nationalparks "Kings Canyon", "Sequoia" und "Yosemite". Im Bereich dieser Parks sahen wir uns mit einer neuen Situation konfrontiert: Hunderte von gemieteten Campern waren nun plötzlich unterwegs, Deutsch wurde zur meistgesprochenen Sprache. Wir trafen auch mehrere Landsleute, die uns ungläubig fragten, ob wir wirklich aus Zürich kämen. Es schien, sämtliche Europäer ohne schulpflichtige Kinder hätten sich "California" als Urlaubsziel ausgesucht. Dazu kam, dass die Amerikaner Ende Mai ein langes Wochenende hatten, interessanterweise aber schon zwei Wochen vorher mit Zelt und Camper in die Nationalparks aufgebrochen waren. Im "Kings Canyon" und "Sequoia National Park" fanden wir dennoch Unterschlupf auf einem Campingplatz. Wir unternahmen ausgedehnte Wanderungen und bewunderten die riesigen Sequoien, die als voluminöseste Lebewesen der Welt gelten. An einem Tag machten wir einen Ausflug in ein abgelegenes Seitental des Parkes. Wir wollten hier eine kurze Wanderung unternehmen. Da entdeckten wir Tafeln mit dem Hinweis, dass die hier lebenden Murmeltiere gerne Gummiteile der Autos anfressen würden und dass man es sich zweimal überlegen soll, ob man den Wagen unbeaufsichtigt stehen lassen wolle. Wir hielten diese Warnung zwar für etwas übertrieben, entschlossen uns aber, erst einmal neben unserem Joker zu Mittag zu essen. Tatsächlich ging es nicht lange, bis ein riesiges Murmeltier aus dem Gebüsch hervorkam und interessiert an unserem Wagen herumschnupperte. Doch unser Joker war noch heiss von der steilen Bergfahrt, so dass es zu einem Toyota ging, der in der Nähe geparkt war. Dieser schien ihm gut zu schmecken, denn schon bald hörten wir laute Knabbergeräusche. Als wir zum Wagen gingen, sahen wir deutliche Nagespuren an Plastikteilen. Kaum entfernten wir uns vom Toyota, kam das Murmeltier wieder hervor. Bald gesellte sich ein zweites dazu. Plötzlich war eines der Tiere verschwunden. Als wir uns dem Wagen näherten, hörten wir laute Knabbergeräusche aus dem Innern des Autos. Da Susanne nicht glauben wollte, dass das Murmeltier in den Motorraum geklettert war, warteten wir auf die Rückkehr der Besitzer. Diese staunten nicht schlecht, als wir ihnen unsere Beobachtung schilderten. Als sie die Motorhaube öffneten, blickte uns das Murmeltier erschrocken an und versteckte sich zuhinterst zwischen den Kabeln. Offensichtlich fand es nicht mehr aus dem Motorraum heraus. Der Besitzer schubste es mit dem Wagenheber an, so dass das arme Tier laut zu quietschen begann. Plötzlich fand es den Ausweg. Wir sahen nur noch fliegende Pfoten und eine Staubwolke, dann war das Tier im nahen Gebüsch verschwunden ...

Parkstrasse im Kings Canyon NP
Kings Canyon NP
Kings Canyon NP
Kings Canyon NP
Reto und Susanne im Kings Canyon NP
Reto und Susanne im Kings Canyon NP
Murmeltier im Sequioa NP
Murmeltier
3 Sequioas im Sequoia NP
Sequioas
Steller's Häher im Yosemite NP
Steller's Häher

In der letzten Nacht, die wir im "Sequoia National Park" verbrachten, ging Susanne gegen dreiundzwanzig Uhr zum Toilettenhäuschen, um sich die Zähne zu putzen. Als sie mit der Taschenlampe in der Hand zum Wagen zurückkehren wollte, sah sie plötzlich einen grossen, dunkeln Schatten zwischen unserem Joker und einem Baum hervorkommen. Ein Schwarzbär war auf Futtersuche im Campingplatz unterwegs. Als Susanne den Bären entdeckte, flüchtete sie sich rasch zum WC-Häuschen zurück. Mit der Taschenlampe zündete sie dem Bären ins Gesicht, so dass dieser es vorzog, sich aus dem Staube zu machen und in den nahen Wald davontrottete. Noch lange stand Susanne mit schlotternden Knien im WC-Häuschen, das sie erst viele Minuten später laut pfeifend verliess, um allfällige Bären vorzuwarnen. Normalerweise sind diese Tiere äusserst scheu und vermeiden den Kontakt mit Menschen. Gefährlich werden sie nur, wenn sie erschreckt werden. Trotzdem war dies wohl das letzte Mal, dass Susanne nachts in einem Nationalpark alleine zur Toilette ging ...

Im "Yosemite National Park" waren zu unserer Enttäuschung sämtliche Campingplätze ausgebucht, so dass wir jeden Morgen über 60 km zum Park und am Abend wieder zurückfahren mussten. Dennoch genossen wir auch diesen Park ausgiebig und unternahmen unter anderem eine Wanderung auf den "Half Dome", einen 2500 m hohen Granitklotz, der eine eigenartige, abgerundete Form hat. Auf der Nordseite fällt eine Felswand fast 1000 m senkrecht ins Tal hinunter. Der Weg zum Gipfel war so steil, dass man sich an Seilen hochziehen musste ! Dafür erlebten wir zum ersten Mal auf unserer Reise, dass auch Amerikaner Wanderwege benutzten. Soviele Leute hatten wir noch nie auf einem Fusspfad gesehen.

Seitenansicht des Half Dome im Yosemite NP
Half Dome
Steiler Aufstieg auf den Half Dome im Yosemite NP
Steiler Aufstieg
Auf dem Half Dome, 1000 Meter über dem Talboden
Ein sehr luftiges Plätzchen
Aussichtspunkt im Yosemite NP
Yosemite NP
Reto und Susanne auf dem Half Dome im Yosemite NP
Reto und Susanne auf dem Half Dome
Sierra Nevada im Yosemite NP
Sierra Nevada

San Francisco:

Treibholz an der Pazifikküste
Treibholz an der Pazifikküste

Am 22. Mai traffen wir uns mit Cheryl in "San Francisco". Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch das berühmte "Silicon Valley", wo sämtliche führenden Computerfirmen einen Glaspalast haben. Am Abend gingen wir zusammen mit Cheryl im "Chinatown" von "San Francisco" gut essen. Die Nacht verbrachten wir zu dritt in unserem Camper. Der darauffolgende Tag war herrlich sonnig, wir verbrachten ihn im Stadtzentrum, wo wir bei jeder Gelegenheit mit den lustigen "Cable Car" fuhren. Cheryl brachte uns auch Post aus der Heimat mit, unter anderem war ein Brief von Daniel Gerber, einem ehemaligen Arbeitskollegen von Reto, dabei. Darin stand, dass er sich seit einer Woche in den USA befinde. Ausserdem war eine Adresse von einem Bekannten von Daniel dabei, der in "Sunnyvale" im "Silicon Valley" wohnt. Als wir dort anriefen, war Daniel gerade zu Besuch ! Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen. Mit Daniel fuhren wir über die "Golden Gate Bridge" zu einem Erholungspark, von wo aus wir eine phantastische Aussicht auf "San Francisco" hatten. Gegen Mittag machte sich Daniel Richtung Süden auf den Weg, während wir weiter nordwärts der Küste folgten.

Hauptstrasse in San Francisco mit Cable Car
Cable Car
Hauptstrasse in San Francisco mit Cable Car Gleise
Hauptstrasse
Cable Car Driver in San Francisco
Cable Car Driver
Golden Gate Bridge mit San Francisco im Hintergrund
Golden Gate Bridge
China Town in San Francisco, CA
China Town
Downtown San Francisco, CA
Downtown San Francisco

Redwood:

Am 25. Mai erreichten wir "Eureka", eine Stadt südlich des "Redwood National Park". Hatte uns von "San Diego" bis "San Francisco" täglich die Sonne begleitet, so begann das Wetter nun stark zu ändern. Graue Wolken hingen tief über der Küste, es regnete tagelang fast ununterbrochen. Doch dies tat der Schönheit der Pazifikküste nur wenig Abbruch. Es war interessant zu sehen, wie sich die Küste stets veränderte. Von "San Diego" bis "Los Angeles" herrschten Strandstrände vor. Danach wurde die Küste felsig, die schmale Strasse wand sich hoch über der Brandung entlang der rauhen Küste. Der Pazifik spiegelte das Blau des Himmels wider. Die dunklen Felsen bildeten einen schönen Kontrast dazu. Nördlich von "San Francisco" war die Küste wieder weniger rauh, oft reichten die blumenübersäten Wiesen bis nahe ans Wasser. Manchmal weideten Kühe neben der Strasse. Mit den dunklen Wolken verlor der Ozean seine leuchtende Farbe, das Wasser war plötzlich grünlich und trübe. Wir verbrachten den 26. Mai im "Redwood National Park", wo angeblich die höchsten Bäume der Welt stehen. 1963 liess die "National Geographic Society" die Bäume in diesem Park vermessen, man fand den höchsten "Redwood" in der "Tall Tree Grove", er misst 112.1 Meter ! Trotz des Regens unternahmen wir zwei kurze Wanderungen durch diesen fantastischen Wald. Wegen der grossen Feuchtigkeit ist der Waldboden dicht bewachsen. Ueber den Farnen, Rhododendron und niedrigen Büschen thronen die riesigen "Redwoods", die bis über 2000 Jahre alt werden !

Redwoods im Redwood NP
Redwoods
Susanne am Fuss des angeblich höchsten Redwood der Welt, Redwood NP
Susanne am Fuss des angeblich höchsten Redwood der Welt
Rhododendron-Blüte im Redwood NP
Rhododendron-Blüte

Craters of the Moon:

Am nächsten Morgen begann unser "Abstecher" zum "Yellowstone National Park". Obwohl dieser fast 2000 km von der Küste entfernt liegt, hatten wir uns entschlossen, den berühmtesten Nationalpark der USA in der Nebensaison zu besuchen, statt während der Hochsaison im August. So verliessen wir bei "Crescent City", ganz im Norden von "California", den Pazifik und machten uns auf den Weg ostwärts. Die Fahrt führte uns durch den erst fruchtbaren, dann stets karger werdenden Staat "Oregon". Kaum hatten wir die Küste verlassen, hatte es fast keine Dörfer mehr. Nach hundert Kilometern standen eine Tankstelle und ein bis zwei Häuser neben der Strasse, dann kam wieder hundert Kilometer Prärie. Bei der Stadt "Ontario" überquerten wir die Staatsgrenze zu "Idaho". Doch auch im "Kartoffel-Staat" war das Wetter nicht besser, es regnete fast ununterbrochen. Aber als wir am 29. Mai das "Craters of the Moon National Monument" besuchten, hatte der Wettergott dann doch Erbarmen mit uns und liess für einige Stunden die Wolkendecke aufreissen. So konnten wir trockenen Fusses und zeitweise sogar bei strahlendem Sonnenschein die riesigen Lavafelder besuchen, die hier den grössten Teil der Landschaft bedecken. Vor etwa 15000 Jahren brach hier zum ersten Mal ein Vulkan aus. In Abständen von 1000 bis 2000 Jahren gab es dann immer wieder Ausbrüche, zum letzten Mal vor etwa 2000 Jahren. Als Besonderheit gelten die sogenannten Lavaröhren. Diese entstanden, als die noch flüssige Lava aus der bereits erstarrten herausfloss und so Tunnels in allen Grössen und Formen hinterliess. Mit einer Taschenlampe in der Hand erforschten wir die bis zu 200 Meter langen Röhren. Im Innern war es so kalt, dass das eindringende Wasser gefror und der Boden mit einer Zentimeter dicken Eisschicht bedeckt war ! Am nächsten Tag setzten wir unsere Reise fort und erreichten am späten Nachmittag "West Yellowstone" im Staat "Montana". Von hier aus werden wir in den kommenden Tagen den ältesten und wohl berühmtesten Nationalpark der Welt besuchen, nämlich den "Yellowstone National Park".

Lavafeld im Craters of the Moon NM
Lavafeld
Murmeltier im Craters of the Moon NM
Murmeltier
Lavafeld im Craters of the Moon NM
Lavafeld
Spalte in der erstarrten Lava im Craters of the Moon NM
Spalte in der erstarrten Lava
Susanne und Reto in einer Lavahöhle im Craters of the Moon NM
Susanne und Reto in einer Lavahöhle
Susanne beim Ausstieg aus der Lavahöhle im Craters of the Moon NM
Susanne beim Ausstieg

Kuriositäten:

Uebrigens, zum Thema Kuriositäten aus Amerika, können wir hier noch ein zweites Kapitel anfügen: Daran, dass viele Amerikaner Schweden und "Switzerland" nicht unterscheiden können, haben wir uns schon lange gewöhnt. Die Sprache blieb uns jedoch weg, als in der VW-Garage in "Flagstaff" uns die Dame an der Kasse allen Ernstes fragte: "How long does it take to drive from Switzerland to Amerika ?" (Wie lange braucht man, um mit dem Auto von der Schweiz nach Amerika zu fahren !) Die Dame war völlig erstaunt, als wir ihr erklärten, man müsse das Auto verschiffen. Seit diesem Tag suchen wir nach der versteckten Strasse, wir bräuchten dann keine Fähre ...

Sehr ärgerlich war dafür die Erfahrung, dass es in den USA Telefonnummern gibt, die man nicht von einer öffentlichen Sprechstelle anrufen kann. Ausgerechnet eine solche Nummer hat nämlich das Büro, das Reservationen für die meistbesuchten Nationalparks entgegennimmt. Wir erfuhren von einer Dame bei der Telefongesellschaft, dass man als Tourist keine Möglichkeit habe, eine solche Nummer zu erreichen. Einziger Ausweg: Man bittet jemanden, der in den USA wohnt und einen festen Telefonanschluss hat, anzurufen ! Das Resultat dieser Einrichtung ist übrigens, dass die Amerikaner in den Nationalparks campieren - da sie ja reservieren können - und die europäischen Touristen auf den privaten Campingplätzen ausserhalb der Parks übernachten ...

Ebenfalls ins Kapitel der Kuriositäten könnte man das Nachtessen aufnehmen, das wir am 27. Mai in unserem Joker genossen. Wir entdeckten an diesem Morgen in einem Supermarkt eine Fonduemischung "Made in Switzerland". Trotz amerikanischem Gummibrot schmeckte das Essen vorzüglich, nur klebte der Käse derart an der teflonbeschichteten Pfanne, dass wir diese wegwerfen mussten. Wenn man bedenkt, dass die Käsemischung alleine $12 kostete, so wäre ein Filet wahrscheinlich billiger gewesen ...

A propos Essen: Im "Organpipe Cactus National Monument" deponierten Landsleute von uns ihre Lebensmittel beim WC-Häuschen. Auf einem Zettel erklärten sie, dass sie am nächsten Tag in die Schweiz zurückkehren müssten, wer die Lebensmittel brauchen könne, soll sie nehmen. Unter anderem war auch etwa ein Kilogramm Mehl und Hefe dabei. Susanne machte daraus einen Brotteig und entfachte im Grill ein schönes Feuer, um diesen zu backen. Das Resultat schmeckte hervorragend, allerdings war die äusserste Rinde etwas angekohlt, so dass wir sie wegschneiden mussten ...

Was wir im "Yellowstone National Park" und auf der Weiterfahrt nach "Seattle" unternommen haben, erfahrt Ihr im nächsten Bericht.


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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa9005.html (überarbeitete Version) / 24-Apr-2009 (ra) / reto ambühler