USA8990: 9. Monatsbericht (1.4. bis 30.4.1990)

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Tucson, 1. Mai 1990

"Your application for extension of stay is approved", oder mit anderen Worten: Wir dürfen noch etwas bleiben. Diesen positiven Bericht der amerikanischen Einwanderungsbehörden erhielten wir zusammen mit viel Post aus der Heimat am 4. April in "Cherokee" im Staat "North Carolina", am Rande des "Great Smoky Mountains National Park".


Atlanta:

Doch der letzte Monatsbericht endete ja mit der Ankunft in "Atlanta", wir wollen daher alles der Reihe nach erzählen. Den ersten Tag verbrachten wir im Zentrum der Stadt mit einem Bummel durch "Atlanta Underground", den wir mit einem Kinobesuch und einem chinesischen Abendessen abschlossen. Atlanta gilt als Zentrum der Ellite der schwarzen Bevölkerung Amerikas. In den Strassen begegneten uns viele gutgekleidete Schwarze. Wir hatten tatsächlich den Eindruck, dass es hier nicht nur den Weissen gut geht. Am zweiten Tag besuchten wir den "Farmer's Market", eine riesige Halle, in der Lebensmittel aus allen Ländern angeboten wurden. Neben Produkten der einheimischen Bauern gab es beispielsweise Käse, Schokolade und Biskuits aus der Heimat. Wir fanden alle Zutaten, die man für ein "Tiramisu" benötigt, so dass Susanne wieder einmal ein köstliches Dessert zubereiten konnte. Den letzten Tag unseres Aufenthaltes in "Atlanta" machten wir zu einem Ruhetag, am Nachmittag erledigten wir einige Hausarbeiten.

Gruppe von singenden Schwarzen
Öffentliches Singen

Great Smoky Mountains:

Am 3. April machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Wir verbrachten die Nacht auf einem ruhigen Campingplatz in der Nähe von "Chattanooga", auf dem wir fast die einzigen Gäste waren. Am nächsten Tag erreichten wir dann "Cherokee". Im "Visitor Center" des "Great Smoky Mountains National Park" erfuhren wir, dass die Strasse zum höchsten Punkt des Parkes noch bis zum folgenden Wochenende geschlossen sei. Doch dies war uns gerade recht, so konnten wir am nächsten Tag zu Fuss und ungestört zum "Clingmans Dome" wandern. In den höheren Regionen des Parkes lag noch immer etwa zehn Zentimeter Schnee, der Wald machte einen herbstlichen Eindruck. Der Boden war von Laub bedeckt und nass, es duftete nach Wald und Natur. Vom Aussichtsturm auf dem "Clingmans Dome" hatten wir eine herrliche Aussicht auf den Park. Dieser besteht aus zahllosen, bewaldeten Hügeln, die sich bis zum Horizont wie Wellen ausbreiten. Im Gegensatz zu den Nationalparks im Westen, die meistens spektakuläre Gesteinsformationen schützen, kann dieser Park nicht mit solchen augenfälligen Attraktionen aufwarten. Vielmehr wurde der "Great Smoky Mountains National Park" errichtet, um die enorme Artenvielfalt der hier vorkommenden Pflanzen und Tiere zu schützen. Unter anderem soll es in diesem Nationalpark etwa sechshundert Schwarzbären geben. Doch weder auf unseren Wanderungen noch auf den abendlichen Rundfahrten auf der Parkstrasse sahen wir auch nur die Spur eines Bären. Schade, wir waren wirklich überzeugt, hier endlich einmal einen Schwarzbären photografieren zu können ! Da es am nächsten Tag wie aus Kübeln goss, besuchten wir das Städtchen "Gatlinburg" am Rande des Nationalparks. Dieses sah aus, wie eine Mischung aus "Las Vegas", "Disneyland" und österreichischem Bergdörfchen. Die Häuser waren in alpinem Stil aus Holz gebaut, doch neben Restaurants und Läden gab es auch verschiedene Spielsalons und Vergnügungsparks. Als besondere Touristen-Attraktion wurde das Städchen "Ober Gatlinburg" angepriesen, das auf einem nahen Berg lag. Die "grösste Schwebebahn der Welt", ein Produkt der Firma "Von Roll", wie im Prospekt stolz angegeben wurde, führte auf den Berg hinauf. Dort erwartete den Besucher ein Skigebiet, das dank 100% künstlichem Schnee rund ums Jahr befahren werden konnte, sowie ein "europäisches Gartenrestaurant" und einen Vergnügungspark. Da am nächsten Tag bereits wieder die Sonne schien, unternahmen wir eine weitere Wanderung. Wieder hatte es in den höheren Lagen geschneit, der Wald sah aus wie im Märchen ! So wünschten wir uns wiedereinmal einen Weihnachtstag daheim !

Blick über die rollenden Hügel des Great Smoky Mountains NP
Great Smoky Mountains
Kleiner Fluss in dunstigem Wald im Great Smoky Mountains NP
Kleiner Fluss
Einsame Waldhütten in dunstigem Wald im Great Smoky Mountains NP
Einsame Waldhütten
Frisch verschneiter Wald im Great Smoky Mountains NP
Frisch verschneiter Wald
Susanne balanciert über eine Baumstammbrücke im Great Smoky Mountains NP
Naturgerechte Baukunst
Neuschnee im Great Smoky Mountains NP
Neuschnee auf den Great Smoky Mountains

Mammoth Cave:

Am 8. April fuhren wir weiter zum "Mammoth Cave National Park". Am nächsten Tag liessen wir uns vier Stunden durch das grösste Höhlensystem der Welt führen. Ueber dreihundert Kilometer des endlosen Labyrinths wurden bis jetzt erforscht. Im Gegensatz zur Höhle bei "Carlsbad" hatte es aber in der "Mammoth Cave" nur sehr wenige Dekorationen. Die "Mammoth Cave" ist zwar riesig, aber "Carlsbad Cave" ist mindestens tausendmal schöner ! Dennoch unternahmen wir am nächsten Tag nocheinmal eine Tour in die Höhle, denn es gab einige andere Besonderheiten zu sehen. Bereits vor 4000 Jahren hatten sich Indianer mindestens drei Kilometer weit in die Höhle vorgewagt und dabei Kleidungsstücke, Geschirr und Pfeilspitzen hinterlassen. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde in der Höhle Salpeter abgebaut, um daraus Schiesspulver herzustellen. Der Saltpeter wurde in Wasser gelöst, Frischwasser und Lösung wurden durch ausgehölte Baumstämme vom, bzw. zum Höhleneingang geleitet.

Unser VW Bus auf dem Campingplatz bei Cave City in der Abenddämmerung
Campingplatz in der Abenddämmerung
Eingang zur Mammoth Cave
Höhleneingang
Fat man's misery im Mammoth Cave NP
Nur für schlanke Leute geeignet
Höhlendekoration im Mammoth Cave NP
Höhlendekoration
Stalaktit mit Wassertropfen
Stalaktit mit Wassertropfen
Höhlendekoration im Mammoth Cave NP
Höhlendekoration

Nashville / Memphis:

Am Nachmittag des 10. April ging es dann weiter nach "Nashville", wo wir am anderen Tag den 142500 km Service an unserem Wagen machen liessen. Seit wir im März in "Florida" den Anlasser selbst ausgetauscht hatten, lief unser Wagen wieder absolut problemlos. Am Abend besuchten wir das "Opryland Hotel", einen unglaublichen Prunkbau am Rande der Stadt. In einem riesigen gedeckten Garten wuchsen Palmen und bunte Blumen, man konnte in verschiedenen Restaurants essen und es spielten Livebands. Unter zwanzig Dollar gab es zwar kein Menu, doch wir wagten trotzdem einen Versuch und wurden nicht enttäuscht. Bereits am nächsten Tag setzten wir unsere Reise fort und erreichten gegen Abend "Memphis". Am anderen Morgen fuhren wir ins Stadtzentrum, mussten aber bald feststellen, dass auch diese Stadt ihre Glanzzeit bereits hinter sich hatte, etwas, das uns in den Südstaaten schon oft aufgefallen war. Die Städte wirkten verlottert, viele Häuser standen leer. Aber auch Überland fuhren wir oft an hässlichen, halbzerfallenen Hütten vorbei. Oft hatten wir den Eindruck, wir befänden uns in einem Entwicklungsland. Veraltete Landwirtschaftsmaschinen standen auf den Feldern, um die armseligen Häuser lag Schrott und Schmutz. Besonders hässlich fanden wir die vielen Autowracks, die einfach am Strassenrand liegengelassen wurden oder sich in den Feldern türmten und vor sich hin rosteten. Dazwischen gab es aber auch hübsche Häuschen mit liebevoll gepflegten Gärtchen darumherum, krasse Gegensätze, die überhaupt nicht zusammen passten. Diese Beobachtungen decken sich übrigens mit einem Artikel auf der Titelseite der "USA Today", wo berichtet wurde, eine Untersuchung hätte ergeben, dass die Umweltverschmutzung in den Südstaaten am schlimmsten sei. Neuengland dagegen kam in der Untersuchung am besten davon.

Stadtzentrum von Memphis mit Musik-Denkmal
Stadtzentrum von Memphis
Schwarze Musiker an einem Live-Konzert in Memphis
Musikalische Darbietung in Memphis

Am nächsten Tag besuchten wir "Graceland", den ehemaligen Wohnsitz von Elvis Presley. Wir durften seine beiden Privatjets, seinen feudalen Camper und seine eindrückliche Autosammlung besuchen. Aber auch durch seine Villa wurden wir geführt. Vor dem Haus befanden sich die reich mit Blumen geschmückten Gräber von Elvis, seinen Eltern und seiner Tante. Wir schlossen unseren Tour mit dem Besuch einer Filmvorführung ab, in der uns kurze Ausschnitte aus Konzerten und Filmen von Elvis Presely gezeigt wurden.

Tourbus von Elvis Presley
Elvis' Tourbus
Graceland, Memphis - Wohnsitz von Elvis Presely
Graceland
Privatflugzeug "Lisa Marie" von Elvis Presley
Elvis' Privatflugzeug "Lisa Marie"
Wohnzimmer in Graceland
Elvis' Wohnzimmer
Grab von Elvis Aaron Presely
Elvis' Grab
Pink Cadillac von Elvis Presley
Elvis' Pink Cadillac

Hot Springs:

Am 15. April besuchten wir den "Hot Springs National Park" im Staat "Arkansas". Dieser Nationalpark schützt über dreissig heisse Quellen, die allerdings trotzdem kommerziell genutzt werden. Statt unberührter Natur, gab es hier eine Stadt mit zahlreichen Badehäusern, wo man im natürlich geheizten Wasser baden konnte. Dieses trat mit einer konstanten Temperatur von 61°C aus dem Boden und wurde nicht mit kaltem Wasser vermischt, sondern mit Wärmeaustauschern gekühlt, damit die spezielle Zusammensetzung von Mineralien nicht verändert wurde. Leider wurde auch diese Stadt lange vernachlässigt. Viele Badehäuser waren geschlossen, erst vor wenigen Jahren wurde mit Renovationsarbeiten begonnen. Ein Badehaus war jedoch offen. Neben verschiedenen Sprudelbädern gab es sogar einen Fitnessraum ! Wir trimmten etwa eine Stunde lang unsere Muskeln, danach probierten wir sämtliche Bäder und Einrichtungen aus. Neben modernen Sprudelbädern hatte es auch riesige, hölzerne Zuber, in denen vier Personen Platz fanden. Nach zwei Stunden verliessen wir das Bad durchgewärmt und sauber geputzt. Während wir am nächsten Tag weiter nach "Dallas" fuhren, begann sich ein heftiger Muskelkater bemerkbar zu machen, der erst nach etwa drei Tagen wieder verschwand ...

Militärspital in Hot Springs
Militärspital
Badehaus Buckstaff-Bath im Hot Springs NP
Badeanstalt
Brunnen mit heissem Wasser im Hot Springs NP
Brunnen mit heissem Wasser
Susanne und Reto in einem der Heilbäder im Hot Springs NP
Heilbad

Dallas:

"Dallas" wuchs plötzlich vor uns aus der endlosen Weite von "Texas". Die Skyline der Stadt wurde von zahlreichen Glastürmen geprägt. "Dallas" ist Hauptsitz vieler reicher Banken, Versicherungsgesellschaften und Oelfirmen. Der Reichtum spiegelt sich buchstäblich in den gläsernen Fronten der Prunkpaläste wider. Den 17. April verbrachten wir im Stadtzentrum von "Dallas". Wir bummelten durch die fast menschenleeren Strassen zwischen den riesigen Bürogebäuden, besuchten das "John F. Kennedy Memorial" und betrachteten die Stadt von der Spitze des "Reunion Towers". Im fünfzigsten Stock hatte es eine Aussichtsplattform, zwei Stockwerke darüber lag ein drehbares Restaurant. Der Ausblick auf die Stadt war trotz des grauen Himmels herrlich. Die hügellose Ebene erstreckte sich rundherum bis zum Horizont, die Stadt war aber erstaunlich grün. Die Leute wohnen hier in "Wohnfabriken", die rund um die Stadt aus dem Boden gestampft wurden. Die einzelnen Einfamilienhäuser machten zwar einen soliden und modernen Eindruck, doch standen diese zu hunderten dicht beisammen und glichen sich wie ein Ei dem anderen.

Hochhäuser im Zentrum von Dallas
Zentrum von Dallas
Gläserner Hotel-Komplex in Dallas
Hotel-Komplex
Glastürme in Dallas
Glastürme
Hochhaus in Dallas
Hochhaus
Denkmal für den ermordeten Präsidenten John Fitzgerald Kennedy in Dallas
Denkmal für den ermordeten Präsidenten John F. Kennedy
Verwinkeltes, gläsernes Hochhaus in Dallas
Hochhaus
Bürogebäude von Digital Equipment Corporation in Dallas
Bürogebäude von DEC
Galleria - Eisfeld mitten im Einkaufszentrum in Dallas
Galleria - Einkaufszentrum mit Eisfeld
Hotel in Dallas
Hotel

Petrified Forest:

Am 18. April begann die lange Reise quer durch die Staaten "Texas" und "New Mexico". In zwei Tagen legten wir über vierzehnhundert Kilometer zurück. Die Autobahn führte durch eine endlose Ebene, nur ab und zu kamen wir an einem Dorf oder einer Stadt vorbei. Am 20. April besuchten wir den "Petrified Forest National Park" in "Arizona". Hauptattraktion dieses Nationalparks sind versteinerte Baumstämme. Vor etwa 225 Millionen Jahren soll hier ein tropischer Regenwald gestanden haben, dessen umgefallenen Bäume von einem mächtigen Fluss in relativ kurzer Zeit mit Sand und Schlamm bedeckt wurden. Die begrabenen Stämme konnten wegen Sauerstoffmangels nicht verfaulen. Die einzelnen Zellen des Holzes wurden durch Quarzsand ersetzt, so dass ein hartes Gestein entstand, das genau die Form des Baumstammes annahm. Verschiedene Mineralien gaben den versteinerten Baumstämmen die buntesten Farben. Über den ganzen Park verstreut entdeckten wir versteinertes Holz in allen Farben und Grössen, von riesigen Baumstämmen bis zu kleinsten Splittern. Manche hatten ganz natürliche Farben, so dass man kaum glauben konnte, dass es sich um Stein und nicht um Holz handelte. Besonders schön wirkt das versteinerte Holz, wenn es poliert wird. Im "Visitor Center", aber auch in zahlreichen Souvenierläden konnte man versteinertes Holz in allen Grössen und Preislagen sehen und kaufen. Während der Fahrt durch den Park unternahmen wir einige kurze Spaziergänge. Dabei entdeckten wir verschiedene winzige Eidechsen, die aus ihrem Winterschlaf erwacht waren und sich auf den Steinen sonnten.

Verstreute versteinerte Holzstücke im Petrified Forest NP
Versteinerte Holzstücke
Wüstenlandschaft im Petrified Forest NP
Wüstenlandschaft
Versteinerte Baumstämme im Petrified Forest NP
Versteinerte Baumstämme
Versteinertes Stück Baumstamm im Petrified Forest NP
Versteinertes Stück Baumstamm
Zwei kleine, grüne Echsen im Petrified Forest NP
Echsen
Versteinertes Stück Baumstamm im Petrified Forest NP
Versteinertes Stück Baumstamm
Versteinertes Stück Baumstamm im Petrified Forest NP
Versteinertes Stück Baumstamm
Wüstenlandschaft im Petrified Forest NP
Wüstenlandschaft
Versteinertes Stück Baumstamm im Petrified Forest NP
Versteinertes Stück Baumstamm
Dies ist wirklich kein Holz

Flagstaff und Umgebung:

Am nächsten Tag hielt die Natur weitere Attraktionen für uns bereit. Zuerst besuchten wir den "Meteor Crater". Wie der Name schon sagt, entstand dieser Krater vor einigen zehntausend Jahren durch den Einschlag eines grossen Meteoriten. Man nimmt heute an, dieser sei etwa zehn Meter im Durchmesser gewesen und habe die Erdoberfläche mit einer Geschwindigkeit von 70000 km/h buchstäblich in Stücke gerissen. Ein Krater von 170 Meter Tiefe und 1250 Meter Durchmesser zeugt noch heute von dem gewaltigen Metallklumpen aus dem All. Der Krater ist in privaten Händen, denn ein Bergbauspezialist war schon Ende des letzten Jahrhunderts überzeugt gewesen, dass der Krater durch einen Meteoriten entstanden war und glaubte, er könne ein grosses Geschäft machen, in dem er den Meteoriten ausgraben würde. Doch er fand nur Bruchstücke davon und musste schliesslich aufgeben.

Meteor Crater - Ostrand
Ostrand
Meteor Crater - Kraterboden
Kraterboden
Meteor Crater - Westrand
Westrand
  Bruchstück des aus fast reinem Eisen bestehenden Meteoriten
Bruchstück des Meteoriten
 

Auf dem Weg nach "Flagstaff" besuchten wir aber auch das "Walnut Canyon National Monument", wo verschiedene Puebloruinen zu bewundern waren. Allerdings waren diese Steinhäuser der Indianer nicht mehr so gut erhalten, wie zum Beispiel in "Mesa Verde", weil Souvenierjäger die Ruinen auf der Suche nach Schmuck und Töpfereien massiv zerstört hatten. Erst durch die Errichtung des National Monuments konnte wenigsten ein Teil der Ruinen gerettet werden. Noch am gleichen Tag besuchten wir auch das "Sunset Crater National Monument", einen erloschenen Vulkan ebenfalls in der Nähe von "Flagstaff". Der erstarrte Lavafluss weckte in uns natürlich wieder Erinnerungen an Island ...


Grand Canyon:

Eigentlich waren wir ja auf dem Weg zum "Grand Canyon", in den wir nocheinmal hinabsteigen wollten. Um uns auf die lange Wanderung vorzubereiten, entschlossen wir uns, am nächsten Tag den höchsten Gipfel der "San Francisco Peaks" zu erklimmen. Der 3800 Meter hohe Berg war noch immer mit Schnee bedeckt, aber man hatte uns gesagt, wir könnten problemlos zum Gipfel vorstossen. Der Wanderweg führte am Rande eines Skigebietes durch einen wunderschönen Wald. Die Sessellifte waren zwar nicht mehr in Betrieb, aber es hatte noch ziemlich viel Schnee auf den Pisten, so dass man noch bis zur Talstation hätte fahren können. Schon auf den ersten Metern stapften wir durch zentimetertiefen Schnee, der Wanderweg war kaum sichtbar. Je höher wir kamen, desto tiefer lag noch Schnee. Immer wieder sackten wir bis zu den Oberschenkeln ein und bald schon hatten wir auch den Pfad verloren. Schliesslich gaben wir unser Vorhaben auf und kämpften uns quer durch den Wald zur Skipiste vor. Es war jammerschade, dass wir keine Skis dabei hatten, denn auf den Wanderschuhen rutschten wir auf dem relativ weichen Schnee nicht besonders gut !

Am nächsten Tag ging es dann weiter zum "Grand Canyon". Wir bereiteten alles vor für die lange Tour, doch das Wetter zeigte sich nicht gerade von der besten Seite. Es war bitterkalt und regnerisch. Dennoch liessen wir uns am folgenden Tag um halb sechs Uhr wecken. Aber wir brauchten nicht einmal aus dem Fenster zu schauen, als wir erwachten. Regen trommelte auf unser Wagendach, dazwischen waren sogar einige Schneeflocken zu erkennen ! Im Laufe des Tages wurde es dann allerdings doch noch recht schön, so dass wir einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Kante des Canyons unternahmen. Am darauffolgenden Tag starteten wir entgültig. Das Wetter war besser geworden, so dass wir die warmen Kleider gleich im Wagen liessen. Bald schon war es heiss und trocken. Auf dem Grund des Canyons herrschte wüstenhaftes Klima. Die verschiedenen Kakteen blühten in allen Farben. Es ist kaum zu glauben, dass diese stacheligen Gesellen solche herrlichen Blüten hervorbringen können. Es wurde ein wunderbarer Tag. Wir verbrachten etwa drei Stunden am tiefgrünen "Colorado River". Die Temperatur von sieben Grad lud allerdings trotz der Hitze nicht zum Baden ein. Dafür entspannten wir am Abend unsere Beinmuskeln im Sprudelbad des Campingplatzes ...

Blick von Südrand in den Grand Canyon
Südrand des Grand Canyon
Wanderweg am Südrand des Grand Canyon
Wanderweg
Parkranger mit Pferden und Maultieren auf dem Weg aus dem Grand Canyon
Parkranger mit Pferden und Maultieren
Blühende Kakteen im Grand Canyon
Blühende Kakteen
Eidechse im Grand Canyon
Eidechse
Blühende Kakteen im Grand Canyon
Blühende Kakteen
Fussgängerbrücke über den Colorado River im Grand Canyon
Fussgängerbrücke über den Colorado
River rafting auf dem Colorado River im Grand Canyon
River rafting
Colorado River im Grand Canyon
Colorado River

Arizona:

Am 26. April ging es weiter südwärts. Durch den wunderschönen "Oak Creek Canyon", der durch unglaublich rote Gesteinsschichten geprägt ist, gelangten wir auf eine tieferliegende Ebene des Colorado Plateaus. Die Temperatur nahm entsprechend zu, tagsüber war es stets über fünfundzwanzig Grad. Wir besuchten "Old Jerome", eine ehemalige Minenstadt. Sie hatte kurz vor den dreissiger Jahren eine kurze Blütezeit erlebt, doch die Bevölkerung nahm von stolzen 15000 Einwohner auf unter 100 ab. Einige Unermüdliche hatten sich in den Kopf gesetzt, die Stadt nicht ganz verkommen zu lassen. In den vergangenen Jahren wurde mit Renovationsarbeiten begonnen. "Jerome" gilt inzwischen als historischer Ort und lebt vorallem von den Touristen. Auf der Weiterfahrt entdeckten wir etwas auf der Fahrbahn, dass aussah wie ein Ast. Doch beim Näherkommen bewegte sich das Ding. Wir erkannten eine Klapperschlange, die über die Strasse glitt. Wir stoppten und drehten um, aber das Tier war längst verschwunden, als wir wieder an die Stelle kamen.

Schliesslich erreichten wir am 28. April das "Organ Pipe Cactus National Monument". Dieses liegt ganz im Süden des Staates "Arizona", unmittelbar an der mexikanischen Grenze. Wir befanden uns hier in der "Sonoran-Wüste", die sich bis zum Golf von Kalifornien fortsetzt. Die Temperatur lag nun tagsüber weit über dreissig Grad und auch nachts mussten wir nicht mehr frieren. Wir unternahmen zwei ausgedehnte Fahrten über Naturstrassen, die unseren Joker mit einer feinen, allesdurchdringenden Staubschicht überzogen. Wir sahen "Orgelpfeifenkakteen", die dem Park den Namen gaben. Viel verbreiterter waren aber die riesigen "Saguaro-Kakteen" (Armleuchter-Kakteen). Diese werden bis zu fünfzehn Meter hoch und entwickeln Arme, die ihnen das typische Aussehen verleihen. Beide Kakteenarten, aber auch die kleineren "Jumping Teddybears" und "Ohren-Kakteen" brachten herrlich Blüten hervor. Die ganze Wüste blühte ! Klapperschlangen sahen wir leider keine, dafür entdeckten wir auf einer unserer Rundfahrten einen Wüstenhasen, genannt "Jackrabbit". Er hat extrem lange Ohren, die gemäss Parkbroschüre zur Kühlung des Körpers dienen.

Wüstenlandschaft im Organ Pipe Cactus NM
Wüstenlandschaft
Wüstenlandschaft im Organ Pipe Cactus NM
Wüstenlandschaft
Verschiedene Kakteen im Saguaro NM
Kakteen-Vielfalt
Saguaro-Kakteen im Organ Pipe Cactus NM
Saguaro-Kakteen
Organ Pipe Cactus (Orgelpfeifenkaktus) im Organ Pipe Cactus NM
Orgelpfeifenkaktus
Saguaro-Kaktus im Organ Pipe Cactus NM
Saguaro
Saguaro-Kaktus mit Blüten im Organ Pipe Cactus NM
Saguaro mit Blüten
Gelbe Kaktus-Blüten im Organ Pipe Cactus NM
Kaktusblüten
Rote Kaktus-Blüten im Organ Pipe Cactus NM
Kaktusblüten
Gelbe Kaktus-Blüten im Organ Pipe Cactus NM
Kaktusblüten
Sagurao-Blüten im Organ Pipe Cactus NM
Saguaro-Blüten
Wüstentaube trinkt aus Saguaro-Blüte im Organ Pipe Cactus NM
Wüstentaube trinkt aus Saguaro-Blüte
Jackrabbit (Wüstenhase) im Organ Pipe Cactus NM
Wüstenhase
Reto am Computer im Organ Pipe Cactus NM
Tagebuchschreiben
Zwei Saguaro in der Abenddämmerung im Organ Pipe Cactus NM
Abenddämmerung im Organ Pipe Cactus NM
Saguaro in der Abenddämmerung im Organ Pipe Cactus NM
Abenddämmerung im Organ Pipe Cactus NM

Am 30. April machten wir uns auf den Weg nach "Tucson". Auf der Fahrt durch die heisse Wüste standen weiterhin herrlich blühende Kakteen links und rechts der Strasse. Trotz strahlendem Wetter begannen für uns am Tag unserer Ankunft in "Tucson" einige dunkle Wolken aufzuziehen. Was dies zu bedeuten hat und wie wir damit fertig wurden, aber auch von unserem Besuch bei unseren Freunde in "Escondido", erzählen wir Euch im nächsten Bericht ...


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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa9004.html (überarbeitete Version) / 24-Apr-2009 (ra) / reto ambühler