USA8990: 6. Monatsbericht (3.1. bis 31.1.1990)

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USA Flagge

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Big Bend National Park, 31. Januar 1990

"Die besten Chips der Welt !" "Der beste Schnee der Welt !" "Der glücklichste Platz der Welt !" "Das schönste chinesische Restaurant der Welt !" "Die längste Seilbahn der Welt !" Etwa so wird uns täglich Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, präsentiert. Die Amerikaner lieben Superlative über alles, doch wie wir bald bemerkten, sind sie mit Vorsicht zu geniessen. Aus dem Reiseführer (Baedeker) haben wir folgendes Zitat, das uns treffend scheint: "Der Amerikaner neigt zum übertriebenen Gebrauch von Superlativen, die jedoch oft nur bei einer oder mehreren einschränkenden Bedingungen zutreffen." So gibt es "die besten Chips der Welt" fast in jeder Stadt. Den Vogel schoss aber jener Amerikaner ab, der uns erzählte, die Strasse in den "Zion National Park" führe durch den längsten Strassentunnel der Welt, dieser sei mindestens 11 Meilen (17.7 km) lang. Wie wir beim Besuch dieses Parks feststellten, war der Tunnel 1.1 Meilen lang ...


Vail:

"America's number-one ski resort" (Amerikas Skigebiet Nummer eins), "The World's largest high-speed lift network" (Der Welt grösstes Expresslift-Netz), mit diesen Superlativen empfing uns "Vail". Hier verbrachten wir eine Woche Skiferien in einer gemieteten Ferienwohnung. "Vail" befindet sich im Bundesstaat "Colorado" an einem Zufluss des gleichnamigen Flusses. Das hübsche Dorf liegt langgezogen an der Autobahn, die von "Grand Junction" nach "Denver" durch den "Eisenhower Tunnel" und über den 3250 Meter hohen "Vail Pass" führt. Der verkehrsfreie Dorfkern am Fusse des am Nordhang gelegenen Skigebietes beherbergt zahlreiche Restaurants und Läden, umgeben von luxuriösen Hotels. Das Haus, in dem sich unsere Ferienwohnung befand, lag auf der anderen Seite der Autobahn am sonnigen Südhang. Insgesamt hatte es 18 Wohnungen in dem dreistöckigen Haus, unsere lag im mittleren Stockwerk. Sie umfasste ein Schlafzimmer mit einem Doppelbett, ein geräumiges Wohnzimmer mit einer Kochnische und ein winziges Badezimmer. In der Küche gab es einen Kochherd mit Backofen, einen Mikrowellenofen, eine Kaffeemaschine, einen Toaster und alles, was man zum Kochen brauchte. Für Susanne, die nun fünf Monate im kleinen Camper gekocht hatte, war die Küche ein Paradies, in der sie dann auch heftig wirkte. Als erstes wurden Zöpfe gebacken. Könnt Ihr Euch das vorstellen, nach fünf Monaten amerikanischem Gummibrot wieder einmal echte Zöpfe ? War das ein Festessen ! Da wir dieses Jahr an Weihnachten auf die fein duftenden Guetzli verzichten mussten, holten wir dies nun kräftig nach. Ein Rezept für Zimtsterne und Brunsli wurde uns von zu Hause geschickt, die Gewichte waren wie gewohnt in Gramm, die Hohlmasse in Deziliter angegeben. Doch damit kann man in Amerika leider nichts anfangen. Hier sind die Masse in "pints", "ounces", "cups" und "pounds" angegeben. Dank Taschenrechner konnten wir die Rezepte schnell auf amerikanische Verhältnisse anpassen. Das nächste Problem waren die Zutaten. Gemahlene Mandeln konnten wir im Supermarkt nirgends finden. Mit viel Mühe und Kraftaufwand musste Susanne mit dem Wallholz 600 Gramm ganze "Wallnuts" (sehen unseren Baumnüssen ähnlich) zu gemahlenen Nüssen zerquetschen. Einen Mixer hatten wir nicht. Am Boden hockend, mit Schwingbesen und einer grossen Schüssel bewaffnet, wurden sechs Eiweiss zu Schnee geschlagen. Am nächsten Tag duftete es in unserer Wohnung wie an Weihnachten: Die Guetzli waren gebacken und schmeckten ausgezeichnet.
Vom Fernseher in unserer Wohnung machten wir wenig Gebrauch, dafür nutzten wir und einige unserer Freunde und Verwandten die Tatsache, dass wir eine Woche lang unser eigenes Telefon hatten. Mehr als einmal wurden wir von diesem noch vor sieben Uhr aus dem Schlaf gerissen ...

Susanne am Telefon
Ein Anruf aus Europa um 07:00 Uhr
Susanne in der Küche
Brot und Guezli backen

Von unserer Wohnung aus führte ein etwa zehnminütiger Fussmarsch zur Talstation der Bergbahnen. In einem Skigeschäft mieteten wir Skiausrüstungen, die wir über Nacht jeweils im Laden deponieren durften. Das Angebot an Bahnen umfasste eine Gondelbahn, sieben Express-Sessellifte, elf normale Sessellifte und zwei Skilifte. Die Schilder mit der Aufschrift "Doppelmayr" an den Masten der Sessellifte zeigten, dass diese europäische Produkte waren. Tafeln mit der Aufschrift "Von Roll" und "Carrosserie Werke Altenburg" in der Gondelbahn verrieten gar, dass wir in einem echt schweizerischen Produkt zu Berge gebracht wurden. Schon bald entdeckten wir, dass dieses Skigebiet nicht zu unrecht von einer amerikanischen Fachzeitschrift zum besten der USA gewählt worden war. Das Angebot an Pisten war riesig, die Wartezeiten dank der Expresslifte, die vier Passagiere gleichzeitig mit Höchstgeschwindigkeit zum Gipfel beförderten, gering. Auf der Nordseite der drei Gipfel "Far East", "Mount Vail" und "Wildwood" befanden sich die vorwiegend präparierten Pisten. Im "Hinterland" auf der Südseite der Bergkette, durfte man fast überall skifahren. Auf dieser Seite wurden keine Pisten flachgewalzt, ein etwa zehn Quadratkilometer grosses Gebiet lud zu Pulverschneefahrten ein, sofern es Pulverschnee gehabt hätte ! Leider war uns dieses Vergnügen vergönnt. Es hatte in "Vail" vor mehr als einem Monat zum letztenmal geschneit, selbst in diesem riesigen Gebiet gab es kaum mehr einen Flecken, über den nicht schon jemand gefahren war. Trotzdem hatten wir eine herrliche Woche. Meistens lachte die Sonne an einem tiefblauen, wolkenlosen Himmel. Nur an einem Tag lagen dicke Wolken über den "Rockies", doch der erhoffte Schneefall blieb leider fast vollständig aus. Zwar versprach der Wetterfrosch jeden Abend heftige Schneeschauer, doch am Morgen lagen höchstens einige Millimeter Neuschnee ...

Blick auf Vail mit unserer Mietwohnung im Hintergrund
Unsere Mietwohnung jenseits der Autobahn
Susanne und Reto mit Mietskis
Unsere gemietete Skiausrüstung
In den Wald gerodete Skipisten
Skipisten
Blick auf das Skigebiet
Skigebiet

Denver:

Am 9. Januar hiess es dann Abschied nehmen. Zwar vermissten wir die warme Wohnung und die luxuriöse Küche schon ein wenig, aber nach einer Woche zog es uns dennoch weiter. Die Freude an der Weiterfahrt durch die märchenhafte Winterlandschaft des "Vail Passes" wurde jedoch durch das Aufleuchten einer roten Warnlampe am Armaturenbrett schlagartig zunichte gemacht ! Irgend etwas mit dem Kühlsystem unseres Jokers war nicht in Ordnung. Da wir keinen Wasserverlust feststellen konnten, fuhren wir bis "Denver" weiter. Wie sich in der VW Garage herausstellte, war einer der Wasserschläuche leckgeworden. Da die amerikanischen VW-Busse andere Wasserschläuche haben, wir aber nicht alle Teile auswechseln wollten, versuchte der Mechaniker auf Retos Vorschlag hin eine Reparatur, bei der er nur einen Teil der Schläuche hätte ersetzen müssen. Da es drei Tage dauerte, bis die Ersatzteile in "Denver" waren, flickte er den defekten Wasserschlauch notdürftig, so dass wir mit unserem Joker trotzdem fahren konnten. Da uns am Freitag Thomas Müller, Retos Studienfreund und Geschäftspartner, in "Denver" besuchen kam, erschien uns das Warten nicht weiter schlimm. Wir genossen die warmen Tage in der Stadt und benutzten die Gelegenheit, um unsere Aufenthaltsbewilligung in den USA zu verlängern. Wir erfuhren, dass wir problemlos sechs weitere Monate bleiben dürften, danach müssten wir aber die USA verlassen. Da wir im nächsten Sommer nach Alaska fahren und dabei Kanada durchqueren wollen, ist dies nicht weiter schlimm. Wir mussten lediglich ein Formular ausfüllen, brauchten aber weder ein Rückflug-Billet noch irgendwelche Informationen über unsere finanzielle Situation vorzuweisen.

Am Freitag morgen erlebten wir dann die böse Ueberraschung in der VW-Garage: Es stellte sich heraus, dass die geplante Reparatur nicht ausgeführt werden konnte, da die neuen Teile nicht mit den vorhandenen zusammenpassten ! Wir mussten doch sämtliche Schläuche auswechseln, die anderen drei Teile sollten angeblich am nächsten Tag in "Denver" eintreffen. Da der Motor unseres Jokers aber bereits zerlegt war und wir den Wagen nicht benutzen konnten, mussten wir uns eine Unterkunft für die Nacht auf Samstag suchen. Für Thomas hatten wir bereits ein Hotelzimmer reservieren lassen. So mieteten wir für uns im gleichen Hotel ebenfalls ein Zimmer. Damit wir wenigstens ein Auto hatten, erhielten wir von der Garage einen VW Jetta als Ersatzwagen. Am Abend holten wir Thomas am Flugplatz ab. Am nächsten Tag besuchten wir zu dritt die "Cave of the Winds", eine Tropfsteinhöhle und "Cripple Creek", eine alte Goldgräberstadt südlich von "Denver". Am Abend erfuhren wir von der VW-Garage, dass die Ersatzteile nicht eingetroffen waren und dass unser Wagen frühestens am Montag repariert werden könne ... Zu allem Ueberfluss machte sich bei Susanne eine starke Erkältung bemerkbar. Die extremen Temperaturschwankungen der vergangenen Tage (Vail am 7.1. -20°C, Denver am 9.1. +20°C, Denver am 11.1. 0°C) hatten ihr arg zugesetzt. Auf dem Campingplatz mieteten wir für die nächsten beiden Nächte eine kleine Blockhütte. Aus dem Joker hatten wir das Nötigste mitgebracht. Da es in diesem Holzhäuschen ausser vier Betten gar nichts gab, konnten wir nicht einmal einen heissen Tee kochen. Wenigstens hatten wir unseren Elektro-Ofen dabei, so dass wir nicht frieren mussten. Am Sonntag führte uns Thomas in den "Rocky Mountain National Park". In den höheren Regionen hatte es Schnee, aber im Tal konnten wir "Wapitihirsche" und "Ohren" beobachten. In "Denver" herrschte strahlend blauer Himmel, doch in den "Rockies" erlebten wir einen mittleren Schneesturm. Gegen Abend kehrten wir in die Stadt zurück, wo Thomas nach dem gemeinsamen Nachtessen das Flugzeug nach "Chicago" bestieg. Das Wochenende mit Thomas war sehr schön, wir genossen es, wieder einmal mit jemanden in Schweizerdeutsch zu plaudern und über unsere Erlebnisse zu berichten.

Rathaus in Denver mit üppigster Weihnachtsbeleuchtung Rathaus in Denver mit üppigster Weihnachtsbeleuchtung Rathaus in Denver mit üppigster Weihnachtsbeleuchtung
Rathaus in Denver mit üppigster Weihnachtsbeleuchtung

Als wir auf den Campingplatz zurückkehrten, stellten wir fest, dass Susanne 38°C Fieber hatte. Wir beschlossen, die nächsten beiden Tage in "Denver" zu verbringen, so dass Susanne im Bett bleiben und sich erholen konnte. Am Montag gab es dann endlich gute Nachrichten aus der VW-Garage: Unser Wagen war repariert und abholbereit. Susanne blieb in der warmen Hütte, während Reto den Ersatzwagen zurückbrachte und den Joker abholte. Als Susanne wieder in unser "Heim" zurückkehren durfte, fühlte sie sich schon wieder bedeutend besser. Am Mittwoch morgen verliessen wir dann die Hauptstadt von "Colorado" in südlicher Richtung. Doch schon nach den ersten hundert Kilometern schockte uns unser Wagen erneut, diesmal leuchtete die Ladekontrollampe rot auf ! Ein Blick in den Motorraum zeigte aber, dass nur ein Kabel gebrochen war. In weniger als einer halben Stunde konnten wir den Schaden selbst beheben ...
Danach verlief die Reise wieder problemlos. Nur unsere Vorstellung, dass wir nun den Winter hinter uns hätten, entpuppte sich als grossen Irrtum.

Susanne liegt mit Fieber im Bett
Susanne mit Fieber im Bett

Süd-Colorado:

Auf der Fahrt Richtung Süden tobte ein richtiger Schneesturm. Dazu blies ein eisiger Wind, der unseren Joker während der Fahrt mit einer Zentimeter dicken Eisschicht überzog. So etwas hatten wir noch nie gesehen: Die Radkästen war gefüllt mit Eis und Schnee, hinter den Rädern klebten riesige Klötze einer braunen Masse, die bis zum Boden reichten. Hunderte von Eiszapfen hingen am Blech, die ganze Karrosserie war rundherum bis zu den Fenstern mit einer schmutzigen Eisschicht bedeckt. Unser Wagen sah aus, wie wenn er von einem hässlichen Geschwür befallen worden wäre. Der Abwassertank war während Tagen dauernd zugefroren. Ein Wunder, dass unser armer Joker dies aushielt. Nur im Innern des Wagens war es stets angenehm warm, sobald wir einen Campingplatz erreichten, wurde immer als erstes die Heizung angeschlossen und eingeschaltet.

Stadt in der Wüste von Süd-Colorado
Verschneite Wüstenstadt
Verschneite Wüstenlandschaft
Winterliche Wüste
Unser VW Bus auf schneebedeckter Strasse
Joker auf verschneiter Strasse
Eisbedeckter VW Bus
Vereister Joker

Im Süden von "Colorado" besuchten wir das "Great Sand Dunes National Monument". Die grossen Dünen konnten wir leider im Nebel und Sturm nur erahnen, so dass wir am nächsten Tag gleich weiterzogen.


New Mexico:

In "Taos" lag zwar immer noch Schnee, doch die Strassen waren nun wieder aper. Die Fahrt durch die verschneite Steppenlandschaft war traumhaft, das Weiss des Schnees brachte einen neuen Kontrast in die sonst eintönige, gelbbraune, endlose Ebene. Wir besuchten "Taos Pueblo", eine Jahrhunderte alte Indianerstadt, in der die amerikanischen Ureinwohner auch heute noch sehr ursprünglich wohnen. Obwohl diese Stadt mit ihren fantastischen Gebäuden zu einer Touristenattraktion geworden ist, wurden wir von den Indianern sehr freundlich empfangen. Wir hatten Gelegenheit, uns mit einem älteren Mann und einer älteren Frau zu unterhalten. Sie bereitete für uns "Fry Bred" (Pfannkuchen ähnliche, indianische Spezialität) zu und erzählte von ihren Enkelkindern, die am nächsten Tag in der Stadt an einem "Federtanz" teilnehmen würden. Sie zeigte uns aber auch Trommeln, die ihr Sohn gemacht hatte. Er fertigte sie aus Holz und Maultierhirsch-Leder an. Den unterschiedlichen Klang der einzelnen Trommeln machte sie uns deutlich, in dem sie auf verschiedenen Trommeln spielte und dazu ein kleines Indianerlied sang. Wir kauften eine der kleineren Trommeln als Erinnerung an diese wunderschöne Stadt. Es zeigte sich, dass man den Indianer viel eher näher kam, wenn man ihnen mit etwas Zurückhaltung begegnete. Leider fehlte einigen anderen Touristen das nötige Feingefühl, ihre Art mit den Indianern zu sprechen, schockierte uns.

Indianersiedlung in Taos Pueblo
Taos Pueblo
Pueblo mit Ofen
Pueblo mit Ofen
Indianische Handwerkskunst: Teppich und Gefäss
Indianische Handwerkskunst

Auf unserer Weiterreise in den Süden von "New Mexico" besuchten wir "Santa Fe", eine schöne Stadt, in der alle Häuser im Stil der Pueblos gebaut sind. Wir hatten den Eindruck, plötzlich in einem anderen Land zu sein. Es wurde viel spanisch gesprochen, die Läden waren vornehm und teuer. In "Taos" und "Santa Fe" leben viele Künstler, in den Gassen wimmelt es von Gallerien, Museen und Geschäften, die Bilder und Plastiken anbieten. Aber auch die Indianer präsentieren ihre Handwerkskunst entlang der Häuser unter den vorstehenden Dächern. Am 23. Januar besuchten wir "Albuquerque", die grösste Stadt des Staates "New Mexico". Auch hier gibt es eine Altstadt mit Pueblos, doch das eigentliche Stadtzentrum ist typisch amerikanisch, mit hohen, kalten Glastürmen.

Santa Fe - eine Stadt aus Pueblos
Santa Fe
Pueblo-Häuser - auch Adobe-Stil genannte
Pueblos

Am nächsten Tag fuhren wir zum "White Sands National Monument", das ganz im Süden von "New Mexico" liegt. Es befindet sich am Rande eines riesigen Testgeländes der "US Air Force" (amerikanische Luftwaffe). Hier wurde während des zweiten Weltkrieges die erste Atombombe zu Testzwecken gezündet. Der Einfluss des Stützpunktes auf die umliegenden Städte ist nicht zu übersehen, verschiedene Museen zeigen die Geschichte der Luftfahrt und der Luftwaffe auf. Doch wir interessierten uns mehr für die weissen Sanddünen, die als grösste Ansammlung von Gipssand der Welt gelten. Eine Strasse führte uns mitten in die Dünen hinein, die letzten Kilometer rollten wir über den festgefahrenen Gipssand. Die Fahrbahn wurde einfach in den Sand gepflügt ! Wir kletterten auf den Dünen herum und genossen das einmalige Naturschauspiel.

Unser Jogi auf der Gipssandpiste
Gipssandpiste
Yucca in der Gipssandwüste
Yucca

Am darauffolgenden Tag ging es weiter ostwärts, nach "Carlsbad". Mit den steigenden Temperaturen gefiel es uns und auch unserem Joker wieder viel besser. Dieser sprang nun am Morgen wieder freudig an und der Benzinverbrauch reduzierte sich um mehr als zwei Liter auf 100 Kilometer. In "Carlsbad" besuchten wir eines der phantastischsten Höhlensysteme dieser Erde. Die riesige Grotte mit den märchenhaften Figuren ist mit Worten nicht zu beschreiben. Für einmal mussten wir den Amerikanern recht geben, wenn sie meinten, man müsse es gesehen haben, um es zu glauben. Aber in der 250 Meter unter dem Boden liegenden Höhle hat es nicht nur phantastische Gesteinsformen, sondern hier wohnen im Sommer auch 250'000 Fledermäuse. Von März bis Oktober schwärmen jeden Abend in der Dämmerung bis zu 5000 "Bats" pro Minute aus der Unterwelt an die Oberfläche, um Nahrung zu suchen. Im Morgengrauen kehren sie in die Höhle zurück, wo sie ihre Jungen säugen und den Tag schlafend verbringen. Da die Tiere während unseres Besuches in Mexiko überwinterten, verfolgten wir dieses Naturschauspiel in einem kurzen Film. Vor dem Eingang der Höhle wurde ein kleines Amphitheater errichtet, von dem aus man im Sommer bequem das Ausschärmen der Tiere "live" verfolgen kann.

Eingang zur Carlsbad Caverns
Eingang zur Carlsbad Caverns
Gesteinsformationen in der Carlsbad Caverns
Gesteinsformationen
Gesteinsformationen in der Carlsbad Caverns
Gesteinsformationen
Schmale Öffnung
Fusspfad
Stalagmit (unten) und Stalaktit (oben)
Stalagmit / Stalaktit

Texas:

Am 27. Januar zog es uns noch weiter südlich, wo wir den Staat Texas als einundzwanzigsten Bundesstaat auf unserer Reise erreichten. Im "Guadalupe Mountains National Park", einem der jüngsten Nationalparks der USA, verbrachten wir drei herrliche Tage mit Wandern. Die tausend Meter Höhendifferenz zum höchsten Gipfel von Texas waren ein angenehmer Start zur neuen Wandersaison. Der zweistündige Aufstieg zum "Guadalupe Peak" war zwar nicht besonders anstrengend, die Aussicht vom Gipfel aber atemberaubend. Hunderte von Kilometern erstreckte sich der Staat Texas bis zum Horizont. Die Fernsicht in diesem Nationalpark ist einmalig. Da es in der Umgebung weder Grossstädte noch Industrien gibt, ist die Luftverschmutzung äusserst gering. Am klarsten Tag konnten wir problemlos dreihundert Kilometer entfernte Bergketten erkennen, dies entspricht etwa der Strecke Romanshorn - Genf ! Der "Guadalupe Mountains National Park" liegt in einer Wüste, doch die Landschaft und Vegetation sieht ganz anders aus, als wir uns eine Wüste vorstellen. In einem schmalen Canyon fliesst ein kleiner Fluss und im Park wachsen neben Kakteen, Agaven und Yuccas (eine Lilienart) auch Pinien und sogar Laubbäume. Vor langer Zeit, als das Klima in dieser Region bedeutend feuchter und kühler war, soll hier ein riesiger Wald gewachsen sein. Ein winziger Rest ist in den höheren Lagen des Parks übriggeblieben. Als Europäer sind wir uns gewohnt, dass es im Tal Wälder gibt, die bis zur Baumgrenze hin reichen, danach wachsen keine Bäume mehr. In diesem Nationalpark ist es gerade umgekehrt. Im Tal wachsen Kakteen und Büsche, von einer gewissen Höhe an stehen die ersten Bäume, nahe des Gipfels hat es die dichtesten Wälder. Aber auch einige Tiere konnten wir beobachten. Neben den "Ohren", die es in jedem Park gibt, sahen wir Adler und Falken.

Wasserführender Fluss in der Wüste
Fluss in der Wüste
Muledeer - Maultierhirsche
"Öhrli"
Wanderweg in den Guadalupe Mountains
Wanderweg
Ausgetrocknetes Flussbett in der Wüste
Ausgetrocknetes Flussbett
Susanne und Reto auf dem Guadalupe Peak
Auf dem Guadalupe Peak
Guadalupe Mountains
Guadalupe Mountains
Guadalupe Mountains und Wüstenlandschaft
Fantastische Weitsicht
El Capitan
El Capitan
Fernsicht von 300 .. 500 km
Fantastische Weitsicht

In verschiedenen Briefen wurden wir gefragt, ob wir auch erfahren würden, was in Europa so läuft. Die Nachrichten hier in den Staaten sind sehr mager, wenigstens was die Radiostationen betrifft, einen Fernseher haben wir ja nicht. Die meisten Radiosender sind sehr lokal, die Reichweite ist oft nur einige Dutzend Kilometer. Sie senden gute Musik, viel Reklame und fast keine "News". Gelegentlich erwischen wir einen Sender, der Nachrichten von "CBS", einer der grossen Radio- und Fernsehstationen der USA, überträgt. Doch die Information wird nur in Schlagzeilen verbreitet und oft durch Werbung unterbrochen. Amerikanische Zeitungen kaufen wir fast nie, wir lesen höchstens einmal die Schlagzeilen und die Wettervorhersage an einem Zeitungsstand. Zeitungen und Zeitschriften in deutscher Sprache sind nur in wenigen Grossstädten erhältlich, zwei- oder dreimal haben wir eine "NZZ" gekauft. Im Gespräch mit Amerikanern kommt das Thema "Osteuropa" oft zur Sprache. Wir haben den Eindruck, die Amerikaner können sich nicht damit abfinden, dass das Feindbild des "bösen Russen" ins Wanken geraten ist. Sie schauen den Entwicklungen in Osteuropa skeptisch zu und finden, jetzt müssten sie sich erst recht in Acht nehmen und weiterhin heftig Aufrüsten. Gross ausgeschlachtet wurde dafür der "Erfolg" der Amerikaner in Panama. Die zurückkehrenden Soldaten wurden als Nationalhelden gefeiert, ein Bild von Noriega als Strafgefangener prangte auf der Titelseite der "USA Today".

Um auf die Nachrichten zurückzukommen, wir möchten uns an dieser Stelle für die Zeitungsauschnitte und Reportagen aus der Heimat herzlich bedanken. Wir sind froh, aus solchen Quellen Informationen zu erhalten, dies ermöglicht uns, ein etwas objektiveres Bild der Weltlage zu bekommen. Ausserdem erfahren wir gerne, was in der Schweiz im Allgemeinen und in der Region Rümlang-Oberglatt im Besonderen so läuft, damit wir uns nach unserer Rückkehr nicht ganz als Fremde fühlen.

Die rein sprachliche Verständigung in Amerika ist für uns recht problemlos. In den vergangenen sechs Monaten haben wir uns an das amerikanische Englisch gewöhnt. Die meisten Amerikaner sind sehr hilfsbereit. Wenn uns Wörter fehlen, so versuchen sie zu erraten, was wir sagen wollen. Wenn wir mit Leuten ins Gespräch kommen, meinen sie, kaum haben wir zweimal "yes" oder "no" gesagt, "your english is very good" ("euer Englisch ist sehr gut"). Dies hat allerdings nicht viel zu bedeuten, denn die Amerikaner sind einerseits sehr höflich und immer positiv eingestellt, anderseits sind die meisten einsprachig und deshalb stets beeindruckt, wenn jemand mehrere Sprachen spricht. Ein besonderes Kapitel ist der Hang der Amerikaner zu Abkürzungen sowie fantasiereichen Wort- und Satzbildungen. Dass "TV" für "Television" (Fernsehen) steht, dürfte wohl allen geläufig sein, ebenso ist allgemein bekannt, dass "L.A." für "Los Angeles" steht. Für die Daheimgebliebenen, die sich gerade auf ihre erste Amerikareise vorbereiten, oder die sonst testen wollen, ob sie sich in den Staaten zurechtfinden würden, hier einige weitere Abkürzungen, die auch uns zum Teil Kopfzerbrechen bereiteten (Auflösung im nächsten Monatsbericht):

  1. NYC
  2. Ped Xing
  3. Xmas
  4. Colo Spgs
  5. Blvd
  6. Hwy
  7. RR
  8. BLT Sandwich
  9. JFK Exp
  10. BBQ
  11. RV
  12. UPS

Beispiele von speziellen Wörtern oder Satzbildungen sind:

  1. "Spa"
  2. "Jacuzzi"
  3. "All 4 U"

Aber auch wir haben eine Abkürzung, die den Amerikanern Kopfzerbrechen bereitet, nämlich das "CH" an unserem Joker. Immer wieder werden wir gefragt, was dieses "CH" bedeute. Einige glauben, es stehe für Tschechoslovakei. Wenn wir ihnen jeweils erklären, dass "CH" für Schweiz stehe, machen sie grosse Augen und finden, das mache überhaupt keinen Sinn. Umsomehr sind sie dafür beeindruckt, wenn wir sagen, das sei eben lateinisch und bedeute "Confoederatio Helvetica" (zum Glück haben wir einen Fünfliber dabei, so können wir sehen, wie man das richtig schreibt !).

Nun sind wir im "Big Bend National Park", ganz im Süden von Texas. Nur der "Rio Grande" trennt uns von Mexiko. Was wir hier in diesem Nationalpark und auf der Weiterfahrt nach Florida erleben, erfahrt Ihr im nächsten Bericht ...


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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa9001.html (überarbeitete Version) / 23-Apr-2009 (ra) / reto ambühler