USA8990: 5. Monatsbericht (6.12.1989 bis 2.1.1990)

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USA Flagge

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Vail, 2. Januar 1990

(Laut rufend) "Single ?", "Single ?" Nein, wir haben uns nicht zerstritten und sind nicht auf der Suche nach einem neuen Partner, sondern "Single ?" ("alleine", aber auch "alleinstehende Person") tönte es jeweils am Skilift, bzw. Sessellift, wenn jemand alleine war und einen Partner für die Fahrt in die Höhe suchte. Doch wir haben schon wieder vorgegriffen, unser letzter Reisebericht endete ja bekanntlich mit der Rückkehr von unserem Ausflug nach Hawaii am 6. Dezember. Leider wird in den USA kein "Samichlaustag" gefeiert, so mussten wir dieses Jahr auf Mandarinen, Nüsse und Lebkuchen verzichten.


Escondido:

Die Tage vom 7. bis 11. Dezember verbrachten wir in "Escondido", einer Stadt etwa vierzig Kilometer nördlich von "San Diego", bei der Familie Steeve. Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, haben wir Debbie und Rolf Steeve mit ihren beiden Kindern im "Monument Valley" kennengelernt. Debbie ist fünfunddreissig Jahre alt und Sekretärin von Beruf. Früher arbeitete sie für ein Schulsekretariat, zur Zeit ist sie vollamtlich Hausfrau. Rolf ist Jurist, ein Jahr jünger als Debbie und arbeitet als Scheidungsanwalt. Sie wohnen in einem kleinen Haus mit einem Garten, in dem die Kinder spielen können. Obwohl die USA ein riesiges Land sind, sind auch hier die Häuser dicht zusammen gebaut. Dafür war es ihnen möglich, für 120'000 Dollar (ca. CHF 195'000) ein Haus mit etwa 400 m² Umschwung zu kaufen. Im Vergleich zu den Einfamilienhäusern in der Schweiz, wirkt ihr Haus aber eher einfach. Es gibt weder Keller noch Dachstock, alle Zimmer sind ebenerdig. Das Wohnzimmer ist recht gross, die Küche befindet sich im gleichen Raum, durch eine Theke abgetrennt. Die beiden Kinder haben je ein kleines Zimmer, dazu kommt das Schlafzimmer der Eltern mit einem eigenen Badezimmer, das zweite Badezimmer durften wir während unseres Aufenthaltes bei ihnen benutzen. Die Tage vor Hawaii schliefen wir auf dem Couch im Wohnzimmer, nach unserer Rückkehr übernachteten wir in unserem Camper direkt neben ihrem Haus, damit sie nicht jeden Tag die Stube umstellen mussten.

Rolf arbeitet in der Küche
Rolf Steeve
Debbie Steeve mit Katze
Debbie Steeve
Rolf - Dustin - Debbie - Kristen - Susanne - Reto
"Familienfoto" mit Steeves

Am Donnerstagabend führte Rolf uns und die ganze Familie durch die Stadt "Escondido", um die Weihnachtsdekorationen zu bewundern. An vielen Häusern hingen bunte Lampen, in manchen Gärten stand ein beleuchteter Christbaum und ein "Sankt Nikolaus" mit Schlitten und Renntieren. Der amerikanische "Sankt Nikolaus" kommt am 24. Dezember durch den Kamin und bringt die Weihnachtsgeschenke. Er wohnt am Nordpol, von da fliegt er mit seinem Schlitten durch die Luft, gezogen von mehreren Renntieren. Kerzen sahen wir in den USA kaum, die gesamte Beleuchtung war elektrisch, möglichst bunt, es blinkte und flackerte an allen Ecken und Enden. Für uns sah das Ganze mehr nach "Chilbi" aus. Da es tagsüber auch noch stets weit über zwanzig Grad warm war, kam in uns natürlich noch lange keine Weihnachtsstimmung auf. Auch der Weihnachtsbaum von Rolf und Debbie sah ganz anders aus, als unsere Tannenbäume. Sie hatten eine Pinie, deren Aeste so dicht waren, dass man die einzelnen Zweige gar nicht sah. Der Baum war mit bunten Kugeln und vielen Ornamenten geschmückt, aber auch hier gab es keine Kerzen. Einmal mehr mussten wir feststellen, fremde Länder, fremde Sitten ...

Haus mit Weihnachtsbeleuchtung
Weihnachtsdekoration
Haus mit Weihnachtsbeleuchtung
Weihnachtsdekoration
Haus mit Weihnachtsbeleuchtung
Weihnachtsdekoration

Am Freitag führten uns Debbie und Rolf in den weltberühmten Zoo von "San Diego". Neben den herkömmlichen Tierkäfigen, wie wir sie aus dem Zürcher Zoo kennen, gibt es hier Gehege, die eine möglichst natürliche Umgebung für die Tiere bieten. Wir verbrachten den ganzen Tag in diesem herrlichen zoologischen Garten, zum Nachtessen führte uns Rolf zur "Old Spaghetti Factory", wo wir verschiedene Sorten von Spaghetti assen. An diesem Abend traf auch endlich die Post ein, die Cheryl an uns weitergeleitet hatte. In unserem Camper lasen wir die vielen Briefe und Karten aus Europa bis weit in die Nacht hinein. Am nächsten Morgen fand in "Escondido" eine Parade statt. Vereine, Schulen, Polizei und Feuerwehr zogen durch die Hauptstrasse. Entweder mit originell geschmückten Fahrzeugen oder kunstvollen Einlagen begeisterten sie das Publikum, das zahlreich erschienen war und die Strasse säumte. Am besten gefiel Reto natürlich der "Corvette Club". Stolz präsentierten die Besitzer ihre teilweise sehr alten, aber gut erhaltenen Wagen. Am Sonntag schliesslich besuchten wir den "Wild Animal Park", der von der gleichen Gesellschaft geführt wird, wie der Zoo von "San Diego". In diesem Tierpark ist man noch einen Schritt weitergegangen als im Zoo, um den Tieren eine möglichst natürliche Umgebung zu schaffen. In riesigen Gehegen werden die verschiedensten Tierarten gehalten, die Umgebung wurde dabei so originalgetreu wie möglich gestaltet. Im Gehege "Ostafrika" konnte man beispielsweise Nashörner bewundern, daneben äste eine Gruppe Gazellen, während im Hintergrund Giraffen vorbeizogen. Alle Tiere bewegten sich im gleichen Gehege. Durch den Park fuhren wir in einem Monorail, die Fahrt dauerte etwa fünfundvierzig Minuten. Daneben gab es einen Pfad mit verschiedenen Aussichtstürmen, von denen aus man die Tiere beobachten konnte. Der Park hat uns so gut gefallen, dass wir im nächsten Frühjahr nochmals dorthin zurückkehren möchten. Am Abend war auch der Park festlich beleuchtet, an verschiedenen Ständen wurden Aktivitäten für Kinder angeboten. Dustin und Kristen konnten Geschenkpapier selbst bedrucken, Pflanzen eintopfen und mitnehmen, Hüte basteln und sich das Gesicht bemalen lassen. Auch Susanne und Debbie liess sich bemalen, so dass Rolf und Reto mit zwei Schneemännern und zwei Renntieren nachtessen gehen mussten ! Am Montag besuchten wir das "Sea World". Hier kam vor etwa einem Jahr zum ersten Mal in Gefangenschaft ein Killerwal zur Welt, genannt "Baby Shamu". Sein Vater kam leider bei einem tragischen Unfall ums leben, als er während einer Vorführung auf den Rand des Beckens sprang. Wir besuchten die Show von Killerwal-Mutter "Shamu" und ihrem Baby, aber auch die Vorführung der Delphine und Wale. Daneben wurde ein Theater gespielt, in dem neben zwei Menschen zwei Seehunde, ein Otter und ein Walross mitwirkten. Es ist unglaublich, was diese Tiere leisten ! Obwohl wir den ganzen Tag im "Sea World" verbrachten, hatten wir noch nicht alles gesehen. Auch diesen Park möchten wir im nächsten Frühjahr nochmals besuchen.

Trainer mit Orca
Baby Shamu
2 Orcas
Shamu und Baby Shamu
Orca schleudert Trainer durch die Luft
Shamu

Los Angeles:

Am 12. Dezember hiess es dann Abschied nehmen. Wir verliessen die Familie Steeve und "Escondido", aber nicht ohne zu versprechen, auf unserer USA-Reise nocheinmal vorbei zu kommen. Den darauffolgenden Tag benutzten wir, um verschiedene Hausarbeiten zu erledigen und zwei Pakete in die Heimat zu schicken. Wie wir uns das gewohnt waren, packten wir die Schachteln mit Packpapier ein und verschnürten sie fest. Doch auf der Post meinte der Beamte, so könnte man kein Pakete verschicken. Aus Sicherheitsgründen sei es verboten, eine Schnur um ein Paket zu binden, es könnte nämlich beim Transport irgendwo hängen bleiben ! Wir mussten die Schnur wieder entfernen und das Pakete stattdessen mit einem ganz bestimmten, von der Post zugelassenen, Klebband umwickeln. Schon haben wir wieder etwas Neues gelernt: In der Schweiz muss man ein Paket verschnüren, in Amerika darf man nicht ! Eine weitere Erfahrung machten wir, als wir die beiden Zahlungen für unsere Ferienwohnung in "Vail" erledigen wollten. Wir standen vor dem Problem, wie transferiert man Geld von einem Ort zum andern, wenn man in den USA kein Konto hat ? Die Firma, die uns die Ferienwohnung vermietete, wollte einen Scheck haben, da sie keine Kreditkarten akzeptierten. So mussten wir bei einer Bank einen Scheck kaufen, was mit der "Mastercard"-Kreditkarte möglich war, und diesen Scheck dann per Post als "Certified Mail" (eingeschriebenen Brief) nach "Vail" schicken. Das klingt zwar sehr einfach, doch bis man das herausgefunden und die entsprechende Worte und Bezeichnungen verstanden hat, vergeht sehr rasch ein halber Tag.

Am nächsten Tag besuchten wir in "Los Angeles" die "Universal Filmstudios". Wir wurden durch das riesige Geländen geführt, in dem Filme wie "Der weisse Hai", "E.T." und "Back to the Future" entstanden. In den Studios wurde uns gezeigt, mit welchen Mitteln früher gearbeitet wurde, um Filme wie "King Kong" oder "Erdbeben" zu drehen. Heute haben aber Gummitierchen und andere Tricks mehr und mehr ausgedient, denn viele Trickaufnahmen werden mit Hilfe von Computern produziert. Neben der Führung durch die Studios, hatte uns die Show mit verschiedenen Tieren am besten gefallen. Es wurde unter anderem gezeigt, wie man Hunde oder Katzen dazu bringt, für Filmaufnahmen gewisse Dinge zu tun. Aber auch mit Vögeln und einem Affen wurde gearbeitet.


Utah:

Am 14. Dezember verliessen wir "Los Angeles" und machten uns auf die Suche nach dem Winter. Mehr als einen Monat hatten wir nun in Kalifornien verbracht und es hatte nur einen einzigen Tage geregnet ! Auch im Dezember zeigte das Thermometer täglich Temperaturen über zwanzig Grad, wie sollten wir so jemals in Weihnachtsstimmung kommen ? Unser Weg führte uns deshalb nordwärts zum "Lake Taho", wo es angeblich Skigebiete haben sollte. Tatsächlich fanden wir zwei Orte in Kalifornien, wo man skifahren kann, aber es hatte sehr wenig Schnee und die Pisten sahen zuwenig verlockend aus, als dass wir uns Skis mieten wollten. Der Besuch des "Lassen National Park" fiel dennoch dem Schnee zum Opfer, da die Strasse durch den Nationalpark im Winter geschlossen ist. Zu unserer grossen Ueberraschung war diese sogar mit etwa 20 cm Schnee bedeckt. Wie wir erfuhren, hatte es am Wochenende nach "Thanksgiving" (23.11.89) im Norden von Kalifornien und in den angrenzenden Staaten geschneit.

Lastwagen mit zwei Anhängern
"Road Train"
Schnurgerade Strasse in Utah
80 km lange Gerade
"Aufgemotzter" VW Käfer
"Aufgemotzter" Käfer

Da wir Weihnachten unbedingt im Schnee verbringen wollten, machten wir uns auf den Weg nach "Salt Lake City" im Staat Utah. In Utah soll es angeblich die besten Skigebiete der USA geben, also genau, was wir suchten. Am Rand der "Rocky Mountains" fanden wir zwei herrliche Skigebiete, aber leider keinen Campingplatz. Wintercamping ist in Amerika überhaupt nicht populär, ausgenommen natürlich in Florida und im Süden von Kalifornien. Etwa eine halbe Stunde von den Skigebieten entfernt, fanden wir schliesslich einen komfortablen Platz, wo wir die Feiertage genossen. Die Tage vom 22. bis 25. Dezember verbrachten wir in "Alta" und "Snowbird" mit Skifahren. Skis zu mieten war sehr einfach, für zwölf Dollar am Tag bekamen wir eine brauchbare Ausrüstung. Gute Skifahrer können schliesslich mit jedem Ski fahren ... Man behauptet, im Staat Utah gäbe es den besten Pulverschnee der Welt. Leider konnten wir dies nicht beurteilen, denn von Pulverschnee war keine Spur zu sehen. Wir mussten froh sein, überhaupt Schnee zu finden. Wie man uns erzählte, herrscht seit etwa vier Jahren eine grosse Trockenheit im Westen der USA. Doch zum Skifahren reichte es gerade. Wir genossen jedenfalls die Tage im Schnee, dazu schien die Sonne jeden Tag am strahlend blauen, wolkenlosen Himmel. Den Weihnachtsabend verbrachten wir in unserem Joker oberhalb des Dörfchens "Alta". Während wir das Nachtessen kochten, veranstalteten die Skilehrer von "Alta" am gegenüberliegenden Hang eine Fackelabfahrt. Die roten Lichter sahen sehr schön aus vor dem verschneiten Hintergrund und in der sternenklaren Nacht. Wir hatten unseren Camper mit Kerzen festlich geschmückt und feierten so in der Stille der Berge den Heiligen Abend. Obwohl wir uns gegenseitig keine Geschenke gekauft hatten, hatten wir sogar ein Päckli zum Aufmachen ! Als wir Rolf und Debbie verliessen, hatten sie uns ein Geschenk überreicht, mit der Auflage, es erst an Weihnachten zu öffnen. Was drin war, bleibt aber unser Geheimnis ...

Abendstimmung über Alta
Abendstimmung über Alta
Fackelabfahrt der Skilehrer in Alta
Fackelabfahrt der Skilehrer

Colorado:

Am 26. Dezember verliessen wir "Salt Lake City" wieder und fuhren zum "Dinosaur National Monument". Da wir einmal mehr keinen Campingplatz fanden, verbrachten wir die Nacht ganz alleine in einem verlassenen Tal auf dem Campingplatz dieses Parks. Es war herrlich, die Nacht in dieser absoluten Stille zu verbringen. Ueber uns leuchteten die Sterne, draussen war es zehn Grad unter Null. Doch in unserem Camper war es angenehm warm und äusserst gemütlich. Bestimmt habt ihr Euch schon gefragt, wie wir es in diesem engen Fahrzeug so lange aushalten ? Bis jetzt haben wir überhaupt keine Probleme gehabt. Wir haben uns zur Gewohnheit gemacht, dass wir zuerst unsere "Wohnung" einrichten, wenn wir auf einem Campingplatz eintreffen. Während der Fahrt verstauen wir alles hinter dem Rücksitz, da wo wir nachts schlafen. Diese Gegenstände deponieren wir beim Campieren auf dem Fahrersitz und im hochgestellten Dach. Wenn wir wegen der Kälte das Dach schliessen müssen, plazieren wir alles auf den Vordersitzen. Am Morgen stehen wir jeweils nacheinander auf. Nachdem Susanne sich angekleidet und ins WC-Häuschen verzogen hat, kann auch Reto aus dem Bett kriechen. Er verstaut unser Bettzeug und einiges Gepäck, so dass Susanne danach das Frühstück zubereiten kann, während Reto sich waschen geht. Kritisch wird es eigentlich nur, während Susanne am Abend kocht. Wenn es eng ist, wird sie manchmal etwas nervös. Doch auch hier haben wir eine gute Lösung gefunden. Während sie kocht, setzt sich Reto auf den Beifahrersitz, den man um 180 Grad drehen kann und zu dem ein kleiner Tisch gehört. Reto führt dann jeweils mit Hilfe des Computers das Kassabuch und das Tagebuch nach.

Am nächsten Tag besuchten wir die Hauptattraktion des "Dinosaur National Monument". In einer Felswand aus Sandstein fand man anfangs dieses Jahrhunderts einige versteinerte Knochen von Dinosauriern. Inzwischen hat man über 2200 Knochen entdeckt. Zu Beginn hatte man sie ausgegraben und in Museen gebracht, doch nun werden keine Knochem mehr entfernt. Man hat sie zur Hälfte freigelegt und über die Felswand ein Haus gebaut, so dass die Besucher die Knochen in ihrer ursprünglichen Lage bewundern können. Von den kleinsten Zähnen bis zu den mehr als einen Meter langen Beinknochen sowie riesige Schädel dieser Urtiere konnten wir bewundern. Gerne hätten wir das Rad der Zeit 145 Millionen Jahre zurückgedreht und die Saurier lebend gesehen ...

Winterliches Flussbett im Dinosaur National Monument in Colorado
Winterlandschaft
Dinosaurier beim Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier
Versteinerte Dinosaurier-Knochen im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Knochen
Dinosaurier-Skelett im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Skelett
Dinosaurier-Schädel im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Schädel
Dinosaurier-Schädel im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Schädel
Versteinerte Dinosaurier-Knochen im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Knochen
Versteinerte Dinosaurier-Knochen im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Knochen
Nahaufnahme eines versteinerten Dinosaurier-Knochens im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Knochen
Susanne neben einem Dinosaurier-Beinknochen im Dinosaur National Monument in Colorado
Susanne neben einem Dinosaurier-Beinknochen
Dinosaurier-Beinknochen im Dinosaur National Monument in Colorado
Dinosaurier-Beinknochen

Am 28. Dezember erreichten wir schliesslich "Aspen" im Staat Colorado, wo wir die Silvesternacht verbringen wollten. Leider herrschte auch hier grosser Schneemangel, so dass wir zuerst zwei ruhige Tage einschalteten. Wir besuchten das Freibad von "Glenwood Springs", die grösste heisse Quelle der Welt. Es war herrlich, im vierzig Grad warmen Wasser zu baden, während auf den Hausdächern etwa 10 cm Schnee lag. Genau wie in Island, stank auch hier das Quellwasser fürchterlich nach Schwefel.

Thermalbad in Glenwood Springs
Thermalbad

Am 31. Dezember wollten wir es aber dann doch noch wissen. Wir mieteten Skiausrüstungen und kauften Zweitageskarten für das Skigebiet "Aspen Highland". Leider waren die Skigebiete um "Aspen" extrem teuer, eine Tageskarte kostete 36 Dollar ! Die Pisten und Bahnen waren aber eher bescheiden. Die Sessellifte und Tellerlifte wirkten sehr altmodisch, auf den Pisten ragten Steine und Aeste aus dem Schnee. Dafür war das Personal sehr sehr freundlich. Hat jemand von Euch schon einmal erlebt, dass ein Angestellter eines Sesselliftes Euch entgegenkam und am Stock den Hügel hinauf zum Sessellift zog ? In "Aspen Highland" wurde uns dieser Service geboten !

Sessellift in Skigebiet
Skigebiet
Bergrestaurant im Skigebiet
Bergrestaurant

Die Silvesternacht verbrachten wir auf einem Platz über der Stadt "Aspen". Wegen der Zeitverschiebung dauerte das Jahr 1989 für uns acht Stunden länger. Bis zu diesem Abend hatten wir uns noch gar nie überlegt, dass das neue Jahr nicht überall zum gleichen Zeitpunkt beginnt. Doch am 31.12.89 um 18:00 Uhr wurde in den Nachrichten berichtet, dass in Europa nun das Jahr 1990 begonnen habe. Die Meldung wurde von dem Geläute des "Big Ben" in London begleitet.

In den vergangenen vier Monaten hatten wir auf den amerikanischen Strassen über 22'000 km zurückgelegt. Doch wie steht es nun eigentlich um die in Europa so viel gepriesene amerikanische Fahrweise ? Nun, die Fahrdisziplin ist auch nicht viel besser als zuhause. Die Geschwindigkeitslimiten werden bis zu 30 km/h überschritten, Radar-Detektoren sind ja hier erlaubt. Trotzdem sehen wir auf den Highways oft Streifenwagen, die Schnellfahrer stoppen. Die Hupe wird allerdings fast nie benutzt, die Lichthupe erst recht nicht. Abgesehen von den Ballungszentren wie New York oder Los Angeles, geht es auf den amerikanischen Strassen aber doch viel weniger hektisch zu und her. Dies liegt vorallem daran, dass die Strassen meistens mehrspurig sind und der Verkehr ausserhalb der Grossstädte sehr gering ist. Dazu kommen einige besondere Verkehrsregeln, die den Autofahrern das Leben auf der Strasse einfacher machen. So darf man zum Beispiel auf der Autobahn rechts überholen, bei Lichtsignalen darf auch bei Rot rechts abgebogen werden. Erstaunlicherweise sind es in den USA vorallem die Frauen, die schnell und agressiv fahren. Die Verkehrsschilder sind ebenfalls eine Sache für sich. Während wir in Europa fast nur sympolische Schilder haben, steht auf den amerikanischen Schildern meistens Klartext. Da heisst es beispielsweise "Speedlimit 55 Miles" (Höchstgeschwindigkeit 55 Meilen), oder "No left turn from 8 am till 5 pm" (linksabbiegen verboten von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr), oder "Right line ends, merge left" (Rechte Spur endet, nach linkes einfädeln) und so weiter. Wie wir feststellen mussten, haben auch die Amerikaner ihre "schwarzen Schafe" im Strassenverkehr. In keinem Staat wurden wir je am Ueberholen gehindert, mit der Lichthupe belästigt oder sonst bedrängt, ausser in "Colorado". Vielleicht liegt es an den relativ schmalen Tälern der Rocky Mountains, die den Leuten manchmal etwas die Sicht und den Verstand behindern. Gibt es nicht auch im Herzen Europas eine Nation mit engen Tälern, die den Menschen manchmal etwas die Sicht blockieren ... ?

Heute sind wir nun nach "Vail" gefahren. Hier haben wir unser "Condominium" (Ferienwohung) bezogen. Was wir hier und in den darauffolgenden Wochen erleben, erfahrt ihr im nächsten Bericht. Doch soviel sei verraten: Es hat Schnee und die Post aus Europa ist eingetroffen, drei Pakete und ganz viele Briefe. Vielen herzlichen Dank ! Einige von Euch schreiben uns immer wieder, sie hätten halt nicht so viel Spannendes zu berichten, wie wir. Wir freuen uns aber wirklich über jede Post, Eure Alltagserlebnisse interessiern uns sehr, wir haben uns auf alle Fälle noch nie gelangweilt über einen Brief.


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Copyright © 1989-2009 Reto und Susanne Ambühler-Hauenstein - Alle Rechte vorbehalten.
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Produktionshinweis: Alle Bilder wurde mit einer Minolta 7000AF unter Verwendung verschiedener Kodak-Filme als Dia gemacht. Anschliessend haben wir die Bilder mit einem Canon Scanner digitalisiert und mit Microsoft Image Composer nachbearbeitet.


usa8912.html (überarbeitete Version) / 24-Apr-2009 (ra) / reto ambühler